Pflegebedarf im Privathaushalt: Wie kann regelmäßige gesunde Ernährung gewährleistet werden?

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Die „Ernährungssituation von Seniorinnen und Senioren mit Pflegebedarf in Privathaushalten“ – so der Titel einer in 2010 durchgeführten ErnSiPP-Studie – wurde von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihrem 12. Ernährungsbericht 2012 – Kapitel 2 zusammenfassend dargelegt. Dies war das bisher erste und letzte Mal, dass die Ernährungssituation älterer Menschen, die zwar pflegebedürftig sind, aber noch zuhause leben können, untersucht wurde.

Die Studie wurde auf dem Hintergrund der Tatsache durchgeführt, dass der Anteil von Menschen über 65 Jahre an unserer Bevölkerung rapide zugenommen hat und weiterhin zunehmen wird. In Deutschland gibt es aktuell rund 17,5 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder älter sind. Diese Gruppe hat somit einen prozentualen Anteil von etwa 21 Prozent an unserer Gesamtbevölkerung. Hinzu kommt, dass die Menschen immer älter werden und somit die Zahl der Pflegebedürftigen zunimmt. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 rund 10 Millionen Menschen in unserem Land 80 Jahre und älter sein werden.

Ernährung ist ein wesentlicher Faktor, der den Gesundheitszustand unabhängig vom Alter stark beeinflusst. Hinzu kommen körperliche Betätigung im Beruf, in der Freizeit durch Sport und generell durch Bewegung, sei es beim Spazierengehen oder bei der Arbeit in Haushalt und Garten. Da viele Menschen bei zunehmendem Alter in ihren Bewegungsmöglichkeiten mehr oder weniger stark beeinträchtigt sind, kommt dem Faktor Ernährung bei älteren Menschen eine noch größere Bedeutung zu.

Die ErnSIPP-Studie

Mit der ErnSIPP-Studie sollte eine umfassende Untersuchung der Ernährungssituation von älteren, zuhause pflegebedürftigen Menschen erfolgen. Erfasst und bewertet werden sollten folgende Faktoren:

  • der Ernährungszustand,
  • der Lebensmittelverzehr,
  • die Nährstoffzufuhr,
  • wichtige gesundheitliche, soziale und kognitive Einflussfaktoren auf die Ernährung,
  • strukturelle Faktoren (z. B. Versorgungssystem) sowie Ernährungs- und Pflegekenntnisse der Pflegepersonen.

Ergebnisse der ErnSIPP-Studie im Überblick

Gesundheitszustand der Studienteilnehmer

Herz-KreislaufKrankheiten (Hypertonie, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit) sowie Gelenkkrankheiten (Arthritis, Arthrose) und Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Lipidämien und Hyperurikämie) waren häufig zu verzeichnen. Mehr als ein Drittel der Studienteilnehmer litt unter Demenz, knapp ein Drittel unter Depressionen. Außerdem lag eine erhebliche Einschränkung der Beweglichkeit vor.

Ernährungswissen und Versorgung

Laut eigener Einschätzung schätzten 40 % der pflegenden Personen ihr Wissen als mittel und jeweils rund 20 % ihr Wissen als gering oder hoch ein. Nur 13 % der Studienteilnehmer konnten ihre Einkäufe selber erledigen und 30 % bereiteten sich ihre Mahlzeiten vor. Für die meisten hat die Nahrungsaufnahme im Tagesverlauf eine sehr hohe Bedeutung. Die Zufriedenheit mit der Ernährungssituation wurde als hoch bezeichnet.

Ernährungszustand

Ermittelt wurden im Rahmen der Studie Daten zu BMI, Wadenumfang, Oberarmumfang, Gewichtsveränderungen und Mini Nutritional Assessment (MNA®).

BMI-Daten der Studienteilnehmer:

  • 22 % BMI von ≥ 30
  • 12 % BMI ≥ 35
  • 4 % BMI unter 20

Mangelnde Bewegung bewirkte sowohl Gewichtsverlust durch abgebaute Muskelmasse als auch adipöse Verhältnisse. Bei lediglich 29,3 % der Studienteilnehmer konnte der Ernährungszustand als normal bezeichnet werden. Bei 57,4 % lag ein Risiko für eine Mangelernährung vor und bei 13,4 % war Mangelernährung bereits eindeutig zu verzeichnen. Dieses Bild zeigte sich einheitlich bei beiden Geschlechtern. In der Regel wurden keine besonderen Diäten eingehalten. Wenn doch, wurde „Diabeteskost“ am häufigsten genannt.

Lebensmittelverzehr

Im Vergleich zu den Orientierungswerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ergaben sich folgende Werte:

  • Fleisch und und Wurstwaren: deutlich zu hoch
  • Pflanzliche Produkte wie Gemüse, Obst, Kartoffeln und Getreideprodukten: zu gering
  • Gemüse: weniger als die Hälfte der empfohlenen Zufuhrmenge
  • Obst: deutlich zu niedrig
  • Fisch: deutlich zu niedrig

Eine umfassende Darstellung der ErnSIPP-Studie gibt es hier: 12. Ernährungsbericht 2012 – Kapitel 2

Als Fazit der ErnSIPP-Studie hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) fest: „Die Ernährung von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren in Privathaushalten sollte zukünftig eine stärkere Aufmerksamkeit erhalten, insbesondere wenn eine schwere Pflegebedürftigkeit und/oder Demenz bestehen. Denn ein guter Ernährungszustand trägt entscheidend dazu bei, Infektionen oder andere Akutereignisse wie Krankenhausaufenthalte besser zu überstehen und die Gesundheit länger zu erhalten.“

Häusliche 24h Pflege von Senioren

In aller Regel wünschen sich pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren so lange wie möglich im eigenen häuslichen Bereich zu bleiben. Die wichtigsten Pflegemöglichkeiten sind dabei:

  • Pflege durch Angehörige
  • Ambulante Pflegedienste
  • Haushaltshilfe aus Osteuropa
  • Senioren-Wohngemeinschaft und Pflege-Wohngemeinschaft

Eine intensive Form der Betreuung von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren ist die 24 Stunden Pflege zu Hause bei entsprechend hoher Bedürftigkeit. Diese bildet eine beliebte Alternative zum Pflegeheim, bei dem pflegebedürftige Personen, zumeist Senioren, zu Hause durch eine Pflegekraft betreut werden. Die Pflegekraft zieht dabei in den Haushalt ein, wobei dies auch durchaus für Wohngemeinschaften attraktiv sein kann.

Bezüglich der Ergebnisse der von der DGE zusammengefassten Studie zur Ernährungssituation alter Menschen mit Pflegebedarf in Privathaushalten sollte Wert darauf gelegt werden, dass das pflegende Personal in Ernährungsfragen entsprechend ausgebildet ist.

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