Jod – Zu wenig, zu viel oder doch gut versorgt?

Jod
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Als Bestandteil der Schilddrüsenhormone übernimmt Jod wichtige Funktionen im Körper und ist für unsere Gesundheit unverzichtbar. Wie viel Jod braucht unser Körper? Sind wir inzwischen über die Nahrung ausreichend versorgt oder ist Deutschland immer noch ein Jodmangelgebiet?

Wieso ist Jod so wichtig für den Menschen?

Jod ist für eine normale Schilddrüsenfunktion bedeutend. Das Spurenelement ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone, die zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper regulieren. Sie steuern beispielsweise das Wachstum und den Grundumsatz. Im Kindesalter unterstützen diese Hormone die altersentsprechende körperliche Entwicklung sowie die Reifung des Gehirns und die damit verbundene intellektuelle Leistungsfähigkeit. Auch die Fruchtbarkeit von Mann und Frau, die normale Entwicklung des Kindes im Mutterleib und das seelische Befinden werden durch die Schilddrüsentätigkeit beeinflusst.

Welche Folgen hat ein Jodmangel?

Enthält die Nahrung nicht genügend Jod, versucht der Körper dies zunächst auszugleichen, indem sich die Schilddrüsenzellen vergrößern und vermehren. Äußerlich sichtbar wird diese Schilddrüsenvergrößerung als Kropf oder Struma bezeichnet. Bei länger bestehendem Kropf verändert sich das Schilddrüsengewebe, es kommt zur Knotenbildung. In „kalten Knoten“ verlieren die Zellen ihre Funktion und produzieren keine Hormone mehr. In „heißen oder auch autonomen Knoten“ sammeln sich noch aktive Schilddrüsenzellen und bilden Schilddrüsenhormone, allerdings unabhängig vom Hormonbedarf. Daher stammt die Bezeichnung „autonome Knoten“ oder „Schilddrüsenautonomie“.

Autonome Knoten können Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion sein: Die Schilddrüse produziert dann zu viele Hormone, was unter anderem zu Gewichtsverlust, Ruhelosigkeit, einem beschleunigten Puls, Zittern, Durchfälle sowie übermäßigem Schwitzen führt.

Produziert die Schilddrüse trotz Vergrößerung nicht mehr ausreichend Hormone, liegt eine Unterfunktion der Schilddrüse vor. Diese Krankheit beeinträchtigt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und äußert sich z. B. durch eine erhöhte Infektanfälligkeit, Veränderungen von Haut und Haaren sowie Darmträgheit.

Wie viel Jod braucht der Mensch?

Der Jodbedarf ist im Verlauf des Lebens unterschiedlich hoch. Die benötigte Jodmenge richtet sich nach Alter, Wachstum und Entwicklung, Kalorienumsatz und nach besonderen Stoffwechselanforderungen, wie sie in der Schwangerschaft und Stillzeit vorliegen. So ist der Bedarf von Schwangeren (230 Mikrogramm/Tag) und Stillenden (260 Mikrogramm/Tag) erhöht. Erwachsenen bis 51 Jahre empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine Zufuhr von 200 Mikrogramm, älteren Menschen 180 Mikrogramm pro Tag. Damit Schwangere und Stillende ausreichend Jod zuführen, wird ihnen nach Rücksprache mit dem Arzt empfohlen, Jodtabletten mit 100-150 Mikrogramm pro Tag einzunehmen.

Warum gibt es in Deutschland eine Jodprophylaxe?

Durch Auswaschungen während der letzten Eiszeit enthalten die Böden hierzulande nur sehr wenig oder gar kein Jod. Dadurch fehlt dieses Spurenelement in der tierischen und menschlichen Nahrung. Lediglich Seefisch und Meeresfrüchte sind aufgrund des natürlichen Jodgehalts der Meere jodreich.

Um das Joddefizit auszugleichen, wird die Verwendung von jodiertem Speisesalz (Jodsalz) empfohlen. Durch Jodsalz und Lebensmittel mit Jodsalz wird das Spurenelement in physiologischen, d. h. stoffwechselrelevanten Mengen zugeführt. In Deutschland darf Jodsalz seit 1989 universell – aber freiwillig – eingesetzt werden. Auf verpackten Lebensmitteln und Fertiggerichten muss Jodsalz gekennzeichnet werden. Bei losen Waren beispielsweise bei Brot oder Wurst hilft die Nachfrage beim Bäcker oder Fleischer. Die Jodzufuhr hat sich in den letzten Jahren verbessert. Deutschland ist kein Jodmangelgebiet mehr, aber die Jodversorgung ist noch nicht optimal. 30 Prozent der Erwachsenen und auch Kinder liegen mit ihrer Jodzufuhr unterhalb des geschätzten Bedarfs.

Kann man zu viel Jod aufnehmen?

Durch eine ausgewogene Ernährung, einschließlich einer bewussten Verwendung von Jodsalz, werden die Zufuhrempfehlungen gerade erreicht. Eine Jodüberdosierung ist daher nicht zu erwarten. Verbraucher können die empfohlene Tagesdosis nur durch eine sehr einseitige und salzreiche Ernährung überschreiten. Lediglich der Verzehr von getrockneten Algen und Seetangprodukten wird als Risiko hinsichtlich einer zu hohen Jodaufnahme eingestuft. Diese Produkte, weisen zum Teil sehr hohe Jodgehalte auf. Es kann schon beim Genuss von kleinen Portionen zu einer exzessiven Jodaufnahme mit gesundheitlichen Folgen kommen.

Problematisch ist eine sehr hohe Jodzufuhr u. a. bei Patienten mit noch nicht erkannter oder mit nicht behandelter Schilddrüsenüberfunktion. Eine extrem hohe Jodzufuhr durch beispielsweise Medikamente, Röntgenkontrastmittel, Hautdesinfektionsmittel, hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel oder Algenprodukte kann bei einer Schilddrüsenautonomie eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen oder eine bestehende Schilddrüsenüberfunktion verschlimmern. Bei einer normal funktionierenden Schilddrüse kann ein dauerhafter Jodüberschuss, z. B. durch jodhaltige Medikamente oder Desinfektionsmittel, langfristig die Schilddrüsenhormonproduktion hemmen, was zu einer Unterfunktion der Schilddrüse und einem Kropf führen kann. Insbesondere bei älteren Menschen ist als Folge des lang andauernden Jodmangels oftmals mit einer unerkannten Schilddrüsenautonomie zu rechnen.

Die DGE empfiehlt daher Erwachsenen, nicht mehr als 500 Mikrogramm Jod am Tag aufzunehmen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin weist darauf hin, dass diese Menge üblicherweise mit der Nahrung nicht überschritten wird.

Für Patienten, bei denen eine Schilddrüsenüberfunktion bereits diagnostiziert wurde und diese behandelt wird, ist die derzeitige durchschnittliche Jodaufnahme – einschließlich der Verwendung von Jodsalz und damit zubereiteten Lebensmitteln – kein Problem. Sie brauchen nicht auf Jodsalz und damit zubereitete Lebensmittel zu verzichten.

Welche Lebensmittel enthalten genügend Jod?

Ausreichende Mengen an Jod kommen natürlicherweise nur in Seefisch und anderen Meerestieren vor. Aufgrund des regelmäßigen Verzehrs spielen aber auch – bei entsprechender Fütterung der Tiere mit jodhaltigem Futter – Milch, Milchprodukte und Eier eine Rolle bei der Jodversorgung. Gleiches gilt für Wasser sowie unter Berücksichtigung von jodiertem Speisesalz auch Brot.

Tipps: So sind Sie gut mit Jod versorgt!

  • Essen Sie ein- bis zweimal wöchentlich Seefisch, z. B. Seelachs, Kabeljau oder Schellfisch.
  • Verzehren Sie regelmäßig Milch und Milchprodukte und Eier.
  • Bevorzugen Sie jodiertes Speisesalz.
  • Achten Sie bei der Auswahl von Brot, Käse und Wurst darauf, dass diese mit jodiertem Speisesalz hergestellt wurden.

Autorin: Dr. Claudia Müller

Quelle: Landeszentrum für Ernährung an der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum (LEL) www.landeszentrum-bw.de

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