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Äpfel: Warum Sie „Pink Lady“ links liegen lassen sollten

Äpfel
Fotolia #91595214 © Franz-Peter-Rudolf – Lizenznehmer: food-monitor

Pink Lady hat sich in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Apfelsorte in Deutschland gemausert. Doch die Kritik an der Frucht ist groß. Jetzt beginnt die Apfelsaison. Selbst ernten macht Spaß und schärft das Bewusstsein für die Qualität.

Unter der Marke „Pink Lady“ liegen makellos aussehende Äpfel in Supermarktregalen. Was viele nicht wissen: Sie stammen von Apfelplantagen in Südamerika und Südeuropa, weshalb Pink Lady eine schlechtere Klimabilanz aufweist als deutsche Äpfel in der Saison und zu Beginn der Lagerung. Die Apfel-Kreuzung ist zudem anfällig für Krankheiten und Schädlinge, daher sind mehr chemische Spritzmittel nötig, von denen sich laut Ökotest noch Spuren auf den Äpfeln finden lassen.

Pink Lady ist eine sogenannte Clubsorte, das heißt keine Sorte im züchterischen Sinn, sondern eher eine Marke. Die Apfel-Bauern müssen einem Club beitreten, Lizenzgebühren bezahlen und bekommen vorgeschrieben, wie groß und rot die Äpfel sein müssen. Das berichtet Greenpeace. Viele Apfel-Bauern machen sich mit dem Anbau von Pink Lady abhängig von der „International Pink Lady Alliance“, die hinter der Marke steckt. Denn sie müssen sich verpflichten, die Äpfel zu einem festen Preis nur an die Pink Alliance abzugeben. Hof-Verkäufe oder Kooperationen mit Supermärkten sind den Bauern nicht erlaubt.

Mit großen Werbekampagnen preist Pink Lady seine Äpfel als besonders gesund an. Das sind sie aber gerade nicht, denn die in den Äpfeln vorkommenden gesunden Polyphenole (siehe Kasten) sind in dem Designer-Apfel nur noch in geringen Mengen enthalten. Zu guter Letzt: Durch die große Nachfrage nach einer bestimmten Sorte werden andere Apfelsorten nicht mehr angebaut. Umweltschützer sehen die Sortenvielfalt in Gefahr und heimische Apfelbauern ihre Existenzgrundlage.

Bessere Äpfel finden

Sie können dem entgegentreten. Lassen Sie Pink Lady und Co im Supermarkt liegen und kaufen Sie Äpfel lieber direkt vor Ort bei Hofläden oder auf dem Wochenmarkt. Fragen Sie bei Obstbauern nach alten Apfelsorten. Und vielleicht können Sie auch selbst mal ernten? Auf vielen Streuobstwiesen oder an Feldrändern biegen sich die Bäume unter ihrer Last, das Obst vergammelt nicht selten am Baum. Fragen Sie doch mal nach, wem die Bäume gehören, und ob Sie einige Äpfel pflücken dürfen!

Apfelallergie mit alten Sorten austricksen

Pelziges Gefühl auf der Zunge, Juckreiz im Rachen und Lippenschwellung – immer mehr Menschen leiden unter Lebensmittelallergien. Äpfel sind einer der häufigsten Auslöser, genauer gesagt bestimmte Eiweißstoffe im rohen Apfel. Aber es gibt Unterschiede: Auf alte Sorten reagieren Apfelallergiker seltener als auf neuere Züchtungen wie Granny Smith, Golden Delicious, Jonagold oder Pink Lady.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei sogenannte Polyphenole, die in Pflanzen als Farb- oder Geschmacksstoffe vorkommen. Durch Polyphenole verlieren die Apfeleiweiße ihre Allergenität. Besonders phenolreich sind die alten Apfelsorten wie Berlepsch, Goldparmäne oder Boskoop. Die neuen Sorten weisen dagegen nur geringe Mengen auf – sie wurden wegen des säuerlichen Geschmacks weitestgehend herausgezüchtet.

Welche Apfelsorten sind verträglich und welche nicht? Informationen dazu bietet ein Projekt des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsgruppe Lemgo. In einer Liste mit über 80 Apfelsorten werden Rückmeldungen zur Verträglichkeit von Allergikern gesammelt. Seit kurzem lassen die Apfelexperten zudem den Polyphenolgehalt einzelner Sorten bestimmen.

Interessierte können sich die Liste sowie Bezugsquellen der Sorten auf der BUND-Homepage von Lemgo ansehen.

Hinweis: Hochgradig sensibilisierte Allergiker sollten auf keinen Fall eigene Versuche mit dem Verzehr von Äpfeln durchführen!

Quelle: dgk