Verwirrung statt Aufklärung: Investigativer Ernährungs-Journalismus

Statement von Detlef Brendel, Autor des Buches „Schluss mit Essverboten“, über enthüllende Ernährungsberatung im SWR.

Den Müsli-Skandal und die Porridge-Täuschung hat der SWR am 24. September 2019 in seiner Sendung „Marktcheck“ auf­gedeckt. Das ist wirklich investigativer Journalismus. Die Er­nährungsexpertin hat zum Schrecken der Redakteurin Zucker in Müslis entdeckt. Und auch das alternative Frühstück unserer bald ehemaligen EU-Mitglieder hat es in sich. Eine anglophile Dame mit Hut kommentiert Fertig-Porridges. Englische Gourmet-Zungen gelten als die sensibelsten.

Keiner dramati­schen Fragestellung geht die Sendung aus dem Weg. Mit wel­chen Tricks wird der wahre Inhalt auf der Verpackung „ge­pimpt“? Die Lebensmittelwirtschaft, so die Botschaft, will ihre Kunden offenbar schon beim Frühstück attackieren. Und was empfehlen die bei­den Damen im Studio? Hausgemachten Unsinn.

Im Müsli ist Zucker entdeckt worden. Das steht sogar auf der Verpackung als Verbraucher-Information. Nicht dramatisch viel Zucker, aber doch so viel, dass einige Marken besonders gut schmecken. Warum der Zucker dort nicht sein darf, weiß nur die Expertin. Er ist eben immer der Schuldige in trendgerechten Ernäh­rungsdiskussionen. Und warum guter Geschmack ein Makel ist, verrät die Fachfrau auch nicht. Genuss ist heute grundsätz­lich verdächtig.

Die Erkenntnisse gehen aber noch tiefer. Auch Trockenfrüchte sind im Müsli und tragen skandalös zum Zuckergehalt bei. Spätestens jetzt sollten sich die Hersteller solcher Nahrungsmittel schämen. Verpackungen, die frische Früchte als Serviervorschlag zeigen, werden als Verbraucher­täuschung diskriminiert. Weder Apfel noch Banane sind im Karton. Das ist wie bei einer Tüte mit aufgedruckten Tomaten, die eine Toma­tensuppe signalisieren. Nach dem Öffnen findet man in der Tüte auch keine Tomaten. Für wie blöd halten solche ideologisch geschulten Er­nährungsexpertinnen eigentlich die Verbraucher?

Auch Porridge, eine englische Frühstücks-Alternative, wird unqualifiziert abqualifiziert. Der Ge­schmackssieger enthält Zucker aus Trockenfrüchten. Das könnte ein Risiko für die Gesundheit sein. Empfohlen wird da­gegen von der Expertin, reichlich frisches Obst in die Haferflocken zu tun. Das ist dann offenbar gesund, weil es frischer Fruchtzucker ist. Op­timal ist die eigene Zubereitung von Porridge mit Haferflocken als Kohlen­hydrat, einem kräftigen Schuss Ahornsirup und reichlich Früchten. Das ist dann die rich­tige Ladung Zucker für den Start in den Tag. Aber der Industrie mit ihren wohlschmeckenden Fertigprodukten haben wir es dann einmal wieder so richtig gezeigt.

Wer schützt die Menschheit vor solchen Ernährungsdiskussio­nen? Das ist keine Information, sondern gezielte Manipulation. Die beiden Damen hätten die Sendezeit besser nutzen sollen, um Buletten zu braten – vielleicht auch vegane.

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