Bundeslandwirtschaftsministerin legt Agrarbericht 2019 sowie acht Zielvorgaben für eine moderne Agrarwirtschaft vor

Landwirtschaft „Made in Germany“ weltweit beliebt: Ein Drittel geht in den Export.

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat dem Bundeskabinett heute den Agrarpolitischen Bericht der Bundesregierung vorgestellt.
Der Bericht, der alle vier Jahre vorgelegt wird, analysiert die Entwicklung der Landwirtschaft und dokumentiert agrarpolitische Vorhaben der Bundesregierung. Die detaillierten Fakten unter anderem über die Einkommensentwicklung bilden den Zeitraum von 2015 bis 2019 ab.

Der Agrarpolitische Bericht belegt, dass die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft einen wichtigen wirtschaftlichen Beitrag für unsere Volkswirtschaft leistet: 4,7 Millionen Menschen erwirtschaften eine Bruttowertschöpfung von rund 194 Milliarden Euro. Das sind rund 6,6 Prozent der Wertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche.

‚Made in Germany‘ ist auch in der Landwirtschaft beliebt. Ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion geht in den Export. Und die Landtechnikindustrie erlöse etwa drei von vier Euro im Export.

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner macht deutlich: „Unsere Landwirtschaft ist breit und gut aufgestellt und unsere Lebensmittel werden weltweit nachgefragt. Jeder neunte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt an der Landwirtschaft. Die Basis für unsere erfolgreiche Landwirtschaft ist die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern und die vielfältige Agrarstruktur in Deutschland. Diese Diversifizierung hilft dabei, die Landwirtschaft abzusichern, was Schwankungen zum Beispiel bei der Ernte durch extreme Wetterereignisse oder beim Preis durch Handelshemmnisse betrifft.“

Beobachten müsse man aber den Strukturwandel in der Landwirtschaft, so die Ministerin. Der Bericht zeige, dass sich dieser weiter fortsetzt, sich aber verlangsamt hat. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe verringerte sich zwischen den Jahren 2010 und 2016 um etwa 23.700 Betriebe auf circa 275 400 landwirtschaftliche Betriebe: Das entspricht einer jährlichen Abnahmerate von rund 1,4 Prozent, das ist weniger als in den vergangenen Jahren.

Die Ministerin machte deutlich, man habe hier mit den europäischen Direktzahlungen ein Instrument, auch mittlere und kleinere Betriebe zu stärken. Grundsätzlich seien strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft auch keine neue Entwicklung. Die Agrarbranche sei auf gut ausgebildete und motivierte junge Menschen angewiesen. „Dabei lassen wir Berufseinsteiger nicht allein. Durch die Junglandwirteförderung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik werden junge Bäuerinnen und Bauern, die einen Hof übernehmen, in den ersten Jahren gezielt gefördert“, erklärte die Ministerin.

Im Bericht wird auch deutlich, dass die Einkommen der Landwirtinnen und der Landwirte im Berichtszeitraum starken Schwankungen unterworfen waren. Im Wirtschaftsjahr 2017/18 hat sich das Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe im Durchschnitt aller Rechts- und Bewirtschaftungsformen um rund 14 Prozent auf knapp 36 000 Euro je Arbeitskraft verbessert. Damit lag das Einkommen auf dem höchsten Wert im Zehnjahresvergleich.

Bundesministerin Klöckner warnte jedoch gleichzeitig vor überhöhten Erwartungen. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Einkommen der Landwirte für das Wirtschaftsjahr 2018/19 unterhalb des Durchschnitts der beiden sehr guten Vorjahre liegen würden.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Hintergrund

Der Bericht ist Grundlage für die agrarpolitische Perspektive mit acht Zielvorgaben für eine moderne und innovative Landwirtschaft.

  1. Wir gestalten attraktive und zukunftsfähige ländliche RäumeWir wollen die ländlichen Räume und unsere dezentrale Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur weiter stärken und gleichwertige Lebensverhältnisse auf dem Land und in der Stadt herstellen. Die Vielfältigkeit der ländlichen Räume wollen wir bewahren. Wir wollen sie als eigenständige und attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume zukunftsfest aufstellen.
  2. Wir sichern den wettbewerbsfähigen Agrarstandort DeutschlandWir wollen die vielfältige Agrarstruktur im Land erhalten und mit den Bäuerinnen und Bauern einen gemeinsamen Weg in die Zukunft einer erfolgreichen
    Landwirtschaft gehen. Wir setzen dabei auf die familiengeführte Landwirtschaft, auf Waldbauern, Winzer, Gartenbaubetriebe und eine Fischerei, die von Familienunternehmen getragen wird, die in den Regionen verwurzelt sind.
  3. Wir tragen die Verantwortung für unsere natürlichen LebensgrundlagenWir machen gemeinsam mit den Bauernfamilien die Landwirtschaft noch nachhaltiger und ressourcenschonender und erreichen so die Klimaziele für 2050.
    Wir wollen den Boden, das Wasser und die Luft schützen. Hinzu kommen der Erhalt und die verantwortungsvolle Nutzung der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt in der Agrarlandschaft. Wir wollen die Umweltwirkungen des Agrarsektors noch weiter verbessern.
  4. Wir fördern das TierwohlWir wollen die Tierschutzstandards in der Tierhaltung in Deutschland und in Europa weiter verbessern. Wir wollen, dass die wirtschaftlich bedeutende Nutztierhaltung in Deutschland weiterhin eine Perspektive hat. Wir kommen dem Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach mehr Tierwohl nach. Mit dem positiven Tierwohlkennzeichen bieten wir beim Fleischeinkauf eine klare Orientierung. Denn wir wollen, dass sich das Mehr an Tierwohl für die Landwirtinnen und Landwirte auszahlt.
  5. Wir schützen den Wald durch nachhaltige NutzungWir stärken eine nachhaltige, verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung, um unsere natürlichen Ressourcen auch künftig nutzen zu können. Dabei ist das Leitbild einer naturnahen Waldwirtschaft ein erklärtes Ziel der deutschen Waldpolitik: Durch den Schutz der Wälder, ihre Aufforstung und nachhaltigen Nutzung werden wir die Folgen des Klimawandels eindämmen und die biologische Vielfalt schützen.
  6. Wir bewahren die GewässerWir müssen die natürlichen Ressourcen der Gewässer erhalten. Besonderen Wert legen wir auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände und den Schutz der Meeresumwelt. Dazu setzen wir uns auch künftig für wissenschaftlich fundierte Fangquoten ein.
  7. Wir stärken die Innovation und Digitalisierung im Dienste der LandwirtschaftWir unterstützen Innovationen im Bereich der Landwirtschaft und schaffen gute Rahmenbedingungen für den verantwortlichen Einsatz neuer Technologien.
    Wir wollen, dass die deutsche Landwirtschaft ihren Status als Pionier der angewandten Digitalisierung ausbaut. Denn durch die Digitalisierung wird die Landwirtschaft noch stärker ihrem Anspruch gerecht, effizient und ressourcenschonend zu arbeiten. Digitalisierung und Präzisionslandwirtschaft können dazu beitragen, viele Zielkonflikte zu entschärfen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirtschaft zu sichern.
  8. Wir tragen dazu bei, dem weltweiten Hunger ein Ende zu setzen Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht. Wir wollen dazu beitragen, die Ernährung weltweit zu sichern, und unterstützen deshalb die nachhaltige
    Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Wir wollen eine leistungsfähige, nachhaltige und lokal angepasste Landwirtschaft. Als globale Gunstregion kommt uns dabei eine besondere Verantwortung zu. Denn aufgrund unterschiedlicher klimatischer und natürlicher Voraussetzungen sind die Möglichkeiten zur Nahrungsmittelproduktion auf der Welt unterschiedlich verteilt. Deshalb unterstützen wir einen freien und fairen Handel als wichtige Voraussetzung zur globalen Ernährungssicherung.

Pressekontakt:
Referat MK1 – Pressestelle
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Wilhelmstraße 54, 10117 Berlin
Telefon: +49 30 / 18 529-3174
Fax: +49 30 / 18 529-3179
Pressestelle@bmel.bund.de

Quelle: BMEL

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