Was Bäcker und Siebenschläfer gemeinsam haben

Rote Liste der Nahversorger veröffentlicht.

Morgens beim Bäcker um die Ecke Brötchen holen – ab dem Jahr 2039 Fehlanzeige sagt der Bundesverband Regionalbewegung. Sich abends in der Eckkneipe auf ein Schwätzchen treffen – das wird schon 2034 nicht mehr gehen. Denn Bäcker und Gastwirte genauso wie Fleischer und Landwirte werden aussterben, so die Prognose des Verbandes, der sich auf die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes stützt.

Der Rückgang der Lebensmittelhandwerksbetriebe in Deutschland sei so dramatisch wie der von Siebenschläfern, Seehunden und Wildkatzen. Sie alle stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Daher wird nun vom Bundesverband der Regionalbewegung eine „Rote Liste der Nahversorger“ geführt.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Anzahl der Bäcker und Fleischer halbiert. Die Zahlen für Landwirte und Gastwirte sind ähnlich. Ursachen gibt es viele. Fehlende Fachkräfte, fehlende Nachfolge, steigende Bürokratie nennt der Bundesverband unter anderem, aber nicht zuletzt fehlt es auch an Kunden. Allein die Wertschätzung für die Nahversorger zu haben, reicht nicht, um die örtlichen Bäcker und Fleischer zu erhalten: Es muss auch bei ihnen eingekauft werden. Denn ohne ausreichenden Umsatz ist kein Geschäft überlebensfähig.

Ohne kleine Lebensmittelhandwerker gebe es keine glaubwürdig regionalen Produkte, keine regionalen Verkaufsstellen und keine regionalen Einkehrmöglichkeiten, unterstreicht Heiner Sindel, der 1. Vorsitzende des Verbandes. Eine Hauptforderung ist ein rigoroses Umdenken bei der Förderpolitik. Außerdem müssten die bürokratischen Auflagen zurückgefahren werden. Nur so könne man dem Aussterben der Handwerksbetriebe entgegentreten.

Zum Bäcker um die Ecke zu laufen anstatt mit dem Auto ins Einkaufszentrum schont auch das Klima. Außerdem trägt in Zeiten der Globalisierung die Regionalisierung dazu bei, dass Ortschaften und Regionen lebendig bleiben.

Weitere Informationen

Quelle: Dr. Marion Morgner, BZfE

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