Risikoabschätzung gentechnisch veränderter glyphosatresistenter Pflanzen ungenügend

Daten für Zulassungsanträge entsprechen nicht den tatsächlich importieren Produkten.

In der EU sind bereits 65 gentechnisch veränderte Pflanzen für den Import und die Nutzung als Lebens- und Futtermittel zugelassen, die gegen Herbizide und hier insbesondere Glyphosat resistent gemacht sind. Das EU-Parlament hatte in den letzten Jahren immer wieder höhere Standards bei der Risikoprüfung gefordert. Ähnliche Kritik äußern auch die ExpertInnen verschiedener Mitgliedsländer ebenso wie Testbiotech. Trotzdem genehmigte die EU-Kommission bisher fast alle Anträge auf Importzulassungen. Jetzt publizierte Ergebnisse des internationalen Forschungsprojektes RAGES (Risikoabschätzung von gentechnisch veränderten Organismen in der EU und der Schweiz) zeigen, wie berechtigt die Bedenken gegen diese Zulassungen sind.

Die Publikation zeigt, dass bei den Feldversuchen, die mit den Gentechnik-Pflanzen im Rahmen der Zulassungsanträge durchgeführt werden, wesentlich weniger Spritzmittel eingesetzt werden, als in der landwirtschaftlichen Praxis tatsächlich zu erwarten ist. Der Hintergrund: Weil sich die Unkräuter an den Gebrauch von Glyphosat angepasst haben, muss gentechnisch veränderte Soja beim Anbau meist mehrfach gespritzt werden. Die dabei eingesetzte Menge entspricht durchschnittlich drei bis vier Kilogramm Glyphosat pro Hektar, oft auch wesentlich mehr. Dagegen werden die Pflanzen bei Feldversuchen von Monsanto/Bayer oft nur einmal behandelt, und das oft nur mit rund einem Viertel der sonst üblichen Menge Glyphosat.

Die Folge: Die Pflanzen, die von der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) bewertet werden, repräsentieren nicht die Ernteprodukte, die tatsächlich importiert werden. Das heißt, dass auch die Ergebnisse der Risikoprüfung nicht ausreichend belastbar sind. Die Lücken in der Risikoprüfung betreffen nicht nur die Höhe der Herbizidrückstände, sondern auch die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe der Pflanzen insgesamt und mögliche Wechselwirkungen, die beim Verzehr der Produkte zu gesundheitlichen Auswirkungen führen können.

Bedenklich sind die Befunde zudem deswegen, weil auch die PestizidexpertInnen der EFSA im Rahmen der Wirkstoffzulassung bereits mehrfach festgestellt haben, dass die derzeit vorgelegten Daten nicht ausreichen, um die gesundheitlichen Risiken der Glyphosat-Rückstände in gentechnisch veränderten Pflanzen zu bewerten. Das Problem ist erheblich: Eine weitere wissenschaftliche Publikation, die im Umfeld von RAGES entstanden ist, zeigt, wieviel Glyphosat zusammen mit der Ernte von Gentechnik-Pflanzen in die globale Nahrungsmittelproduktion geraten kann.
Testbiotech fordert eine Überprüfung der erteilten Importzulassungen und eine Aussetzung der Prüfung und Genehmigung von neuen Anträgen. Erst Ende November hatte die frühere EU-Kommission vier neue Genehmigungen für Importe von gentechnisch veränderten, herbizidresistenten Pflanzen erteilt.

Das Forschungsprojekt RAGES befasste sich von 2016 bis 2019 eingehend mit der Praxis der EFSA zur Prüfung von Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen. Die Kooperationspartner waren ENSSER (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility), deren Schweizer Partnerorganisation CSS (Critical Scientists Switzerland), GeneWatch UK und Testbiotech. Das Projekt ist vollständig unabhängig von den Interessen der Gentechnik-Industrie. Es wurde von der Stiftung Mercator Schweiz gefördert. Weitere Ergebnisse sollen am 16. Januar 2020 in Berlin vorgestellt werden (Registrierung möglich unter post@testbiotech.org).

Weitere Informationen:

Kontakt:
Christoph Then, Tel. 015154638040, info@testbiotech.de

Quelle: Testbiotech

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