Proteingepimpte Lebensmittel – alles nur Quark?

Obgleich Pasta in allen Variationen als aktueller Corona-Hamsterkauf-Topseller nicht zu toppen ist, mausern sich derzeit Protein-Puddings, Eiweißbrote und „HighProt“-Produkte zum neuen „gesunden“ Verkaufsschlager.  

Denn proteingepimpte Lebensmittel suggerieren Fitness, Schlankheit, Kraft & Gesundheit –  ergo wird dafür gerne viel zu viel Geld bezahlt, denn Wunsch und Hoffnung nach „ewigen Leben“ kaufen mit. In Zeiten der Besser-Esser-Hypes´n-Hipster ist das ein sehr gutes Geschäftsmodell: Hoher Eiweißgehalt = hohe Margen = hoch erfreuter Hersteller & Handel. Fallen Sie nicht auf diesen Nepp rein. Was müssen Sie wissen? Die vier folgenden Fragen klären auf:

Immer mehr Produkte mit hohem Proteingehalt schaffen es in den Handel. Vor allem jüngere Konsumenten greifen zu. Was liegt dem zugrunde?

Es muss im Markt immer einen „Superstoff“ geben, der mit einem besonders gesunden, vitalen oder kraftspendendem Image emotional aufgeladen und vermarktet wird – ganz einfach deshalb, damit die entsprechend angereicherten Lebensmittel besser vermarktet und damit wesentlich teurer verkauft werden können. Und dieser „Superstoff“ ist derzeit Eiweiß (Protein). Die Konsumenten geben in dem Glauben, sich etwas besonders gesundes zu kaufen, gerne viel mehr Geld aus. Das ist alles. Rein pekuniäre Gründe liegen hier also zugrunde, sonst nichts.

Hat diese Entwicklung auch mit dem Drang nach Selbstoptimierung zu tun? Welche generelle Rolle nimmt die Selbstoptimierung in der Ernährung ein?

Definitiv spielt der derzeitige Obertrend der Profilierung und Selbstoptimierung durch „gesunde Ernährung“ eine große Rolle. Der Teller wird zum Schmelztiegel der Emotionen, des Lifestyles, der Egopositionierung – und mit Protein-Lebensmitteln wird der „heilige Gral gesunder Ernährung“ gefüllt, um ihn dann in Besser-Esser-Influencermanie(r) öffentlichkeitswirksam in den sozialen Medien zu leeren. Das Paradoxe daran: Es gibt keinerlei wissenschaftliche Kausalevidenz (Beweise) dafür, was gesunde Ernährung für alle überhaupt sein soll. Darüber konstatieren inzwischen sogar die 7 großen ernährungswissenschaftlichen D-A-CH-Fachverbände klar und unisono. Die Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel ist weder wissenschaftlich vertretbar noch empfehlenswert [1]. Diese strikte Kategorisierung ist Nonsens. Die Selbstoptimierung durch Ernährung grenzt derweil an ersatzreligiöse Züge, denn es dominiert Glaube über Wissen.

Wie wichtig sind Proteine?

Sehr wichtig, überlebenswichtig. Allein unsere Körperzellen werden ständig erneuert, wir sind daher auf eine regelmäßige Proteinzufuhr angewiesen. Die Bestandteile, aus denen die Proteine zusammengesetzt sind, die Aminosäuren, werden in essenzielle (unentbehrliche) und nicht essenzielle (entbehrliche) eingeteilt. Erstere müssen wir mit der Nahrung zuführen, letztere kann unser Körper auch selbst herstellen. Wir können uns also nicht „proteinfrei“ ernähren, diesen „Besser-Esser-Trend“ wird es daher niemals geben.

Grundsätzlich ist es so: Es gibt weder gesicherte Daten noch Leitlinien, wie viel Gramm Eiweiß als „schädliche Obergrenze“ gelten. Gesunde Menschen können also gerne ordentlich zugreifen. – was sie heutzutage auch tun.

Was bringen diese Produkte? Reicht z.B. auch ein herkömmlicher Quark für den Protein-Haushalt?

Die „Proteinprodukte“ sind nicht mehr als verkaufsfördernde Blender, sie bringen primär eines: Mehr Marge für Hersteller und Handel (siehe auch oben erste Frage). Kein Mensch, selbst Hobbykraftsportler brauchen dieses Kunstfood nicht. Wir nehmen in der Regel mit einer normalen Ernährung, in der auf nichts grundsätzlich und vollumfänglich verzichtet wird, genug Proteine auf, die reichen sogar für ein paar Kilo Extramuskelaufbau bei Bodybuildern. Proteinreiche Lebensmittel sind primär Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier. Auch einige pflanzliche Lebensmittel, hier vor allem Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Erbsen sind wertvolle Proteinlieferanten, ebenso wie die gute alte Kartoffel. Konkret: Eine kleine Portion 150 Gramm Weißfisch (bspw. Alaska-Seelachs) liefert bereits 35 Gramm Eiweiß, überbacken mit 50 Gramm Parmesan kommen weitere 18 Gramm Eiweiß dazu – und der Tagesbedarf an Proteinen für eine 60 Kilo schwere Frau (48 Gramm) ist bereits mehr als gedeckt. Und das mit nur einer Zutat einer Mahlzeit. Essen Sie abends dann nochmal 150 Gramm Magerquark liefern Sie Ihrem Körper erneut 20 Gramm Eiweiß ontop. Allein daran sieht man schon: Für das Geld kaufen Sie besser hochwertige Lebensmittel als hochgradig überteuerte Protein-Produkte, die keinen einzigen Zusatznutzen liefern.

[1] Lesen Sie hier die Zusammenstellung der überaus einstimmigen Statements zur „Einteiliung in gesunde und ungesunde Lebensmittel“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), dem deutschen Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) sowie der beiden Berufsverbände in Deutschland und Österreich, dem Verband der Oecotrophologen (VDOE) und dem Verband der Ernährungswissenschaftler Österreichs (VEÖ).

Empfehlens- & lesenswert in diesem Kontext sind die aktuellen Beiträge in der FAZ „Mit Quark zum Traumkörper?“ und SZ (dpa) „Was es mit dem Eiweiß-Hype auf sich hat„.

Quark-Diät? Quatsch-Diät!

Da es sich als themenaffiner Digestif ad hoc so schön anbietet, seien nachfolgend ein paar Essenzialitäten zum „Evergreen“ Quark-Diät kredenzt:

Was bringt eine Quark-Diät?

Die Quark-Diät ist genauso ein Quark wie alle Diäten, die einzelne Lebensmittel als „Abspeck-Superfood“ fokussieren, um sich von den weiteren 500 Diätanbietern im Markt abzuheben. Es gibt nicht die eine Diät, die besser ist alles anderen. Alle Diäten basieren stest auf ein und demselben kurzfristigen Wirkprinzip, egal ob mit oder ohne Quark. Und das ist … (siehe nächste Frage)

Lässt sich damit Gewicht verlieren?

Es gilt das Gleiche wie bei allen Diäten, denn Diäten wirken „generisch“: Solange man die Diät macht, nimmt man ab – denn alle Diäten basieren unisono auf dem Prinzip der negativen Energiebilanz, ergo: weniger Kalorien aufnehmen, als der Körper braucht. Durch diesen Zwangsmangel muss er an die Reserven, man nimmt ab. Aber auch der Stoffwechsel ändert sich, er geht in den Hunger-Sparmodus. Daher folgt nach der Diät idR der JoJo-Effekt und man wird entweder genauso schwer oder gar noch schwerer als vorher.

Wann und wie häufig sollte Quark gegessen werden und womit kann er kombiniert werden, damit sich ein Diäterfolg auch wirklich einstellt?

Das ist völlig egal, Sie können den Quark auch komplett weglassen – er hat keine „isolierte Wirkung“, weder auf die Gesundheit noch auf das Gewicht. Relevant ist einzig und allein die negative Energiebilanz – wie sie sich da hinein hungern, das interessiert ihren Körper nicht.

Sind Risiken zu bedenken?

Definitiv. Alle Diäten, Quark-Diät inkl., gelten als Einstiegsdroge in Essstörungen und Fettleibigkeit. Daher am besten gar nicht erst die „Diätkarriere“ beginnen.

FavoriteLoadingSeite in meine Favoritenliste legen | Seite drucken Seite drucken | Hinweis Copyright
Medienkontakte dieser Meldung: 249 + 188 Follower auf Twitter