Stillquoten in Deutschland erfreulich hoch

Stillen
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Studie SuSe II für den 14. DGE-Ernährungsbericht zeigt positive Entwicklung zum Stillen und zur Säuglingsernährung auf.

Die Ergebnisse der bundesweiten „Studie zur Erhebung von Daten zum Stillen und zur Säuglingsernährung in Deutschland – SuSe II“ zeigen, dass die meisten der befragten deutschen Kliniken die nationalen Empfehlungen für die Stillförderung in Geburtskliniken umsetzen. Die Stillquoten der Mütter sind mit 82 % für Stillen überhaupt und 56 % für ausschließliches Stillen vier Monate nach der Geburt (s. Infografik) erfreulich hoch. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) gibt die SuSe-II-Studie als Vorveröffentlichung zum 14. DGE-Ernährungsbericht1 heraus.

Ziel des von der DGE initiierten und vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Forschungsvorhabens war es, mit einer Querschnittserhebung zu den Stillbedingungen in Geburtskliniken und anschließenden Befragungen bei dort rekrutierten Mutter-Kind-Paaren aktuelle und umfassende Daten zu Stillquoten, Stillverhalten sowie zur Säuglingsernährung im 1. Lebensjahr zu erfassen.

Insgesamt nahmen 109 Kliniken und 966 Mutter-Kind-Paare an der Studie teil. „Zusammen mit der Vorgängerstudie SuSe I ist im Sinne eines Stillmonitorings gleichzeitig ein systematischer Einblick der Veränderungen des Stillens und der Säuglingsernährung in Deutschland in den letzten 20 Jahren möglich“, sagt Prof. Dr. Mathilde Kersting vom Forschungsdepartment für Kinderernährung (FKE) der Universitätskinderklinik Bochum, die die Studie gemeinsam mit dem Klinikdirektor Prof. Dr. Thomas Lücke geleitet hat.

„Das Stillen und die Säuglingsernährung orientieren sich überwiegend an den aktuellen Empfehlungen wie beispielsweise 4 bis 6 Monate ausschließlich zu stillen. Die teilnehmenden Kliniken schneiden bei der Umsetzung der Stillförderkriterien heute besser ab als in SuSe I.“

Wie lange stillen Mütter in Deutschland? Was beeinflusst das Stillverhalten?

Im Alter von 4 Monaten waren die Quoten des Studienkollektivs der online befragten Müttern mit 56 % für ausschließliches Stillen und 82 % für Stillen überhaupt erfreulich hoch. Das empfohlene Teilstillen zusätzlich zur Beikost praktizierten am Ende des ersten Lebensjahres noch 41 % der Mütter. Beikost wurde überwiegend wie in dem im „Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr“ des FKE vorgesehenen Zeitfenster zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat und in der empfohlenen Reihenfolge eingeführt.

Etwa die Hälfte der stillwilligen Mütter berichtete über Stillprobleme. Häufig genannt wurden mit 62 % wunde Brustwarzen und mit 45 % Schwierigkeiten des Kindes beim Trinken. Die Gründe für das Abstillen und die wesentlichen Faktoren für eine kurze Stilldauer sind heute ähnlich wie vor 20 Jahren: Als ausschlaggebend für eine Stilldauer kürzer als 4 Monate nannten die Mütter eine unzureichende Milchmenge. Wichtige Risikofaktoren für eine kurze Stilldauer waren fehlende mütterliche Stillabsichten und -erfahrungen, die Verwendung von Stillhilfsmitteln und die frühe Gabe zusätzlicher Flüssigkeit.

Die Stillbedingungen in deutschen Geburtskliniken sind gut

Stillen ist nicht nur die natürliche und beste Form der Säuglingsernährung, es fördert auch die Gesundheit der Mutter. Ernährungswissenschaftler*innen und Mediziner*innen empfehlen daher, 4 bis 6 Monate ausschließlich zu stillen. Da den Geburtskliniken eine Schlüsselrolle bei der Stillförderung zugeschrieben wird, hat die SuSe-II-Studie Daten zum Stillmanagement in einer bundesweiten Querschnittserhebung in 109 Geburtskliniken webbasiert erhoben.

Vor allem in Bezug auf die Rahmenbedingungen für das Stillen schneiden die Kliniken im Studienkollektiv im Vergleich zu SuSe I (1997-1998) besser ab, z. B. indem sie häufiger Rooming-in2 und praktische Unterstützung beim Stillen anbieten. Das einzige Kriterium, bei dem es im direkten 20-Jahres-Vergleich eine Verschlechterung gab, war der häufigere Einsatz von Stillhilfsmitteln wie Brusthütchen.

Handlungsempfehlungen zur Stillförderung in Deutschland

Wie schon vor 20 Jahren lassen sich auch heute soziodemografische und umfeldbedingte Faktoren für eine kurze Stilldauer nachweisen. „Daher ist die zielgruppenspezifische Weiterentwicklung bestehender Informations- und Beratungswege zum Stillen und zur Säuglingsernährung wichtig, damit auch bisher noch nicht ausreichend erreichte Elterngruppen mit geringer Stillmotivation und niedriger Schulbildung davon profitieren“, schlussfolgert Prof. Kersting und empfiehlt:

„Um Müttern einen langfristigen Stillerfolg zu sichern, ist – auch aufgrund des heute verkürzten Klinikaufenthaltes nach der Geburt – eine nahtlos anschließende Stillnachsorge wie professionelle Stillberatung beispielsweise durch Hebammen notwendig. Denn bei guter Betreuung in den ersten Wochen nach der Geburt können Stillprobleme meistens reduziert werden bzw. sind vermeidbar.“

Hintergrundinformationen

Für den im Herbst 2020 erscheinenden 14. DGE-Ernährungsbericht stellt die DGE vorab die Ergebnisse einzelner Forschungsvorhaben mit besonderer Aktualität vor. Das Kapitel 3 „Studie zur Erhebung von Daten zum Stillen und zur Säuglingsernährung in Deutschland – SuSe II“ ist als Vorveröffentlichung zum 14. DGE-Ernährungsbericht online verfügbar.

Den DGE-Ernährungsbericht erstellt die DGE alle vier Jahre im Auftrag des BMEL. Die wissenschaftsbasierten Berichte beschreiben und bewerten die Entwicklung der Ernährungssituation in Deutschland. Der Bundesregierung dienen die Forschungsergebnisse und Aussagen als Entscheidungshilfe für ihre gesundheits- und ernährungspolitischen Maßnahmen. Weitere Informationen zu den DGE-Ernährungsberichten sind in einem FAQ-Papier zusammengestellt.

1) Kersting M, Hockamp N, Burak C et al.: Studie zur Erhebung von Daten zum Stillen und zur Säuglingsernährung in Deutschland – SuSe II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 14. DGE-Ernährungsbericht. Vorveröffentli-chung Kapitel 3. Bonn (2020) V 1 – V 34:
https://www.dge.de/14-dge-eb/vvoe/kap3

2) Möglichkeit, das Neugeborene im Zimmer der Mutter unterzubringen.

Pressekontakt:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Silke Restemeyer

Quelle: DGE

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