Fleischskandal: Scheinheiligkeit hat Hochkonjunktur

Fleisch
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Das Corona-Virus sorgt aktuell dafür, dass die verbale Empörung über die Fleischindustrie hochkocht. Hunderte positiv getestete Beschäftigte, Tausende Menschen in Quarantäne, geschlossene Schulen, Landwirte, die ihre Schweine nicht loswerden – Arbeiter, Anwohner, Bauern und Kinder sind gemeinsam Betroffene eines ausbeuterischen Produktionssystems.

Mehrfach belegte Unterkünfte, übervolle Busse zur Arbeit, dicht gedrängte Arbeiter am Arbeitsplatz und im Pausenraum – von den oft skandalösen Arbeitsbedingungen, den ausbeuterischen Arbeitszeiten und den geringen Löhnen der im Akkord schuftenden Osteuropäer wussten viele: die Fleischbosse, die Subunternehmer, die Behörden, die Politik …

Denn diese Zustände sind nicht neu. Aber getan wurde nichts. Jahrelang wurde für das billige Stück Fleisch weggeschaut: Egal, wie die erbärmlichen Haltungsbedingungen der Tiere sind. Egal, wie viel Urwald klimaschädigend für die Futtermittel abgeholzt wird. Egal, wie stark die Grundwasserbelastung durch zu viel Gülle ist. Egal, wie die miserablen Arbeitsbedingungen der Vertragsarbeiter sind.  Angesichts dieser Tatsachen und der damit einhergehenden Verdrängungsmechanismen ist die derzeitige Empörung ziemlich scheinheilig!

Kaum ein Händler ohne wöchentliche Fleischangebote zum Schnäppchenpreis. Reißerisch werden Sonderangebote auf der Titelseite der Werbeblättchen platziert. Die XXL-Packung Hackfleisch gibt es schon für 4,77 Euro das Kilo. „Für alle, die gerne auf Sparflamme kochen“. „Wunschlos günstig“ wird nicht nur am „Super-Wochenende“ gebraten und gegrillt. In Wirklichkeit zahlen wir alle einen viel höheren Preis!

Die Entschuldigung eines Firmenbosses reicht nicht aus. Das Geschäftsmodell gehört ganz grundsätzlich auf den Prüfstand. Jetzt und nicht irgendwann! Politik muss sich endlich am Wohl von Beschäftigten und Verbrauchern und nicht an den Lobbyinteressen der Branche orientieren.

Arbeits- und Gesundheitsschutz müssen endlich vor Profitinteressen gehen. Das ist ebenso wie mehr Tierwohl real machbar. Höhere Mindeststandards, bessere Hygienekonzepte und schärfere Kontrollen sind zum Beispiel kein Hexenwerk. Das Ziel müssen anständig wirtschaftende Betriebe in der gesamten Lieferkette sein. Zum Wohl von Mensch, Tier und Umwelt!

Quelle: Die VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. (Bundesverband)

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