Übergewichtig und zugleich unterversorgt – geht das?

Fast Food, Burger
Foto: Louis Hansel @shotsoflouis on Unsplash

Kalorien- und Nährstoffgehalt – für eine ausgewogene Ernährung ist beides wichtig. Ein Körper, der wohlgenährt aussieht, kann aber trotzdem hungern. Was versteckt sich hinter dem Begriff verborgener Hunger und wie kann man ihm vorbeugen?

Hunger verbindet man in der Regel mit Entwicklungs- und Schwellenländern, aber auch in einer Überflussgesellschaft wie in Deutschland sind nicht unbedingt alle Menschen gut ernährt. Wie kann das sein? Ganz einfach: Nicht alles, was satt macht, ist auch wirklich nahrhaft. Gerade Fast Food hat trotz vieler Kalorien eher wenige Vitamine und Mineralstoffe. Daher mangelt es Menschen, die sich überwiegend von Fertigprodukten ernähren, häufig an Kalzium, Eisen, Jod, Zink, Vitamin D und Vitamin E. Sie leiden an verborgenem Hunger, auch Hidden Hunger genannt, der dann auftritt, wenn Menschen wichtige Mikronährstoffe fehlen, obwohl sie ausreichend Kalorien zu sich nehmen.

Satt werden allein reicht nicht aus

Das Gefährliche am verborgenen Hunger ist, dass die ersten Anzeichen nur schwer zu erkennen sind. Ein leichter Nährstoffmangel macht sich entweder gar nicht oder höchstens durch allgemeine Beschwerden wie eine erhöhte Infektanfälligkeit oder Müdigkeit bemerkbar. Eindeutige Symptome wie Zahnfleischbluten bei Vitamin-C-Mangel zeigen sich erst, wenn bereits schwere Mängel vorliegen. Nehmen Kinder über längere Zeit nicht genügend Nährstoffe zu sich, können sie sich geistig und körperlich nicht richtig entwickeln. Zudem müssen Mangelernährte nicht unbedingt ausgemergelt aussehen, ganz im Gegenteil: Eine einseitige Ernährung kann gleichzeitig zu einem Mangel an Mikronährstoffen und zu Übergewicht führen.

Ältere Menschen sind besonders gefährdet

In Deutschland sind einkommensschwache Familien sowie Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, besonders betroffen vom verborgenen Hunger. Aber auch individuelle Lebensumstände, wie Schwangerschaft, Stillzeit, intensives Training und Dauerstress, gehen meist mit einem erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen einher. Zudem können Krankheiten oder Medikamente die Aufnahme von Nährstoffen im Darm einschränken. Gefährdet sind auch pflegebedürftige Personen und ältere Menschen. Im Alter sinkt zwar der Energiebedarf, der Nährstoffbedarf bleibt jedoch unverändert.

Gleichzeitig macht das Essen im hohen Alter häufig weniger Spaß, denn Faktoren wie Schluckstörungen, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme, Zahn-, Gebiss- und Kaubeschwerden oder Einsamkeit führen schnell zu einer unausgewogenen Kost. Abhilfe schaffen können körperliche Bewegung im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, Abwechslung beim Essen, mehrere kleinere Mahlzeiten pro Tag, ein hübsch gedeckter Tisch, kräftiges Würzen der Speisen (zum Beispiel mit frischen Kräutern) und eine schonende Zubereitung der Speisen (zum Beispiel Dünsten statt (Ver)Kochen).

Können Diäten zu verborgenem Hunger führen?

Auch Menschen, die sich sehr gesund ernähren und glauben, alles richtig zu machen, können von verborgenem Hunger betroffen sein. Während der Vitamin-B12-Mangel bei veganer Kost ein bekanntes Problem ist und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Veganern daher dauerhaft zur Einnahme von Vitamin B12 rät, werden die Auswirkungen von Diäten häufig unterschätzt. Ernährungspläne, die nur wenige Lebensmittel „erlauben“, ganze Lebensmittelgruppen weglassen oder die Kalorienzufuhr stark einschränken, erhöhen allgemein das Risiko einer Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen – selbst, wenn ausschließlich gesunde Lebensmittel auf dem Teller landen.

Eine abwechslungsreiche Ernährung schützt vor Nährstoffmangel

Angst vor einem Nährstoffmangel muss man aber nicht haben. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche und ballaststoffreiche Ernährungsweise mit frischen, naturbelassenen Lebensmitteln und eher weniger Zucker, gesüßten Getränken und Fertigprodukten versorgt den Körper in der Regel ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen. Nur die Versorgung mit Vitamin D und Jod ist in Deutschland nicht optimal und sollte daher im Auge behalten werden. Im Zweifelsfall oder auch bei unspezifischen Symptomen wie zum Beispiel Blässe, Müdigkeit, Haut- und Haarproblemen oder einer erhöhten Infektanfälligkeit deckt ein Blutwerte-Check auf, ob ein Nährstoffmangel besteht. Bei chronischen Erkrankungen, Lebensmittelintoleranzen oder als Veganer ist es generell ratsam, in regelmäßigen Abständen beim Arzt einen Bluttest zu machen.

Autorin: Dr. Antonie Post

Quelle:
LEL Schwäbisch Gmünd, Infodienst Landwirtschaft – Ernährung – Ländlicher Raum
http://www.ernaehrung-bw.info

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