Erfolgsmodell Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft

So kommt nachhaltiges Essen in die Stadt.

Rund 30 Bio-Bauernhöfe, die im Schnitt 30 Kilometer von Lübeck entfernt sind, liefern ein Drittel des Sortiments von fünf beteiligten Bio-Läden. So kann eine regionale Lebensmittelversorgung konkret aussehen. Konzept, Details und Visionen der Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft LANDWEGE stellte Klaus Lorenzen auf dem 4. BZfE-Forum unter der Überschrift „So kommt nachhaltiges Essen in die Stadt“ vor.

Neben der regionalen steht die soziale Dimension motivierend hinter diesem Projekt. „Wir leben in einer Gesellschaft, die an vielen Stellen sehr entkoppelt ist, besonders im Bereich der Lebensmittelproduktion“, betonte Lorenzen, der LANDWEGE mitaufgebaut hat. „Verbraucher und Landwirte sind weit voneinander entfernt. Wir schaffen Begegnungsmöglichkeiten im Aufsichtsrat, auf den Höfen, in den Läden oder bei Feiern. So wächst das Verständnis für die Situation der jeweils anderen Seite.“

Im Wachstum befindet sich auch das Sortiment in den fünf Bio-Märkten in Lübeck und Bad Schwartau. Dafür sorgt inzwischen auch eine eigene Verarbeitungsküche. Sie produziert aus dem Überangebot von Gemüse und Obst oder den weniger beliebten Teilstücken vom Fleisch Mittagsgerichte und Glaskonserven. In einer angeschlossenen Bio-Bäckerei gibt es Brot und Backwaren aus dem Getreide der Höfe.

Und auch die Ernährungsbildung wird mitgedacht: Alle Lübecker Grundschulkinder durchlaufen eine Projektphase auf einem LANDWEGE-Hof und lernen so praxisnah, woher ihr Essen kommt. Noch gehen der Genossenschaft die Ideen nicht aus. Jüngstes Kind ist ein Lieferkonzept, das nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie angestoßen wurde. Und für die Zukunft wünscht man sich eine eigene Metzgerei und Kooperationen mit der Gastronomie.

Das Erfolgsmodell hat sich herumgesprochen und auch Interessenten von weiter weg wollten mitmachen. Doch um den engen Kontakt zu den Höfen und den persönlichen Austausch aller Beteiligten zu sichern, möchte die Genossenschaft nicht weiter nach außen wachsen.

„Wir möchten unseren Gedanken aber gerne weitertragen“, sagte Lorenzen. „Damit dies gelingt, brauchen wir jedoch kleine und vielseitig strukturierte Höfe. Und dafür brauchen wir eine Agrarpolitik, die sich nicht an der Flächenförderung orientiert.“ Dann könnte das Lübecker Modell auch in anderen Regionen Deutschlands Nachahmer finden. Im letzten Jahr unterstützte LANDWEGE bereits die Gründung einer ähnlichen Genossenschaft in Tübingen.

Das Video zum Vortrag:

Quelle: Gabriala Freitag-Ziegler, Britta Klein, BZfE

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