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Super-Food super belastet mit Pflanzenschutzmittel

Labor, Lebensmittellabor
Foto: Pixabay

Der Trend zur gesunden Ernährung bringt immer mehr Lebensmittel aus Ländern außerhalb der Europäischen Union in hessische Küchen.

Besonders beliebt sind Zutaten mit hohen Nährstoffkonzentrationen an Vitaminen und Mineralstoffen, gerne auch als Super-Food bezeichnet. Leider zeigt sich, dass diese Produkte immer wieder stark mit bedenklichen Stoffen belastet sind. Das Hessische Landeslabor prüft mit seinen Fachabteilungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher am Frankfurter Flughafen die Importware aus allen Teilen der Welt. Jetzt mussten die Schadstoff-Detektive wieder Alarm schlagen.

Ende Januar sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachgebietes für Pflanzenschutzmittel und pharmakologisch wirksame Stoffe am Hessischen Landeslabor in Kassel fündig geworden. Eine Analyse von Importware ergab überhöhte Messwerte des Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffs Profenofos. Dadurch das die zulässigen Höchstmengen überschritten waren, musste durch den Landesbetrieb eine Schnellwarnung in das europäische Warnsystem für Lebens- und Futtermittel RASFF eingetragen werden.

Das Pflanzenschutzmittel wird gegen Fraßschädlinge eingesetzt und hat in der europäischen Union keine Zulassung, weil es im Verdacht steht in die Signalübertragung des Nervensystems negativ einzugreifen. Gefunden wurde der Stoff in Gotu Kola, einer Pflanze, die gerne auch als Super Food verkauft wird. Die Zutat, die in unseren Breiten auch als indischer Wassernabel oder Tigergras bezeichnet wird, ist tatsächlich mineralstoff- und vitaminreich. Botanisch verwandt ist Gotu Kola mit unserem heimischen Dill oder Gewürzkräutern wie Koriander oder Anis. Gerne wird Gotu Kola als Zutat in Sambol-Salaten oder auch Kräuterquarks verwendet.

Detektivarbeit notwendig

Bei ihrer Bewertung stehen die Experten des Landeslabors immer wieder vor schwierigen rechtlichen, analytischen und toxikologischen Fragen, denn die Klassifizierung einer Belastung als gesundheitsschädlich ist gar nicht so einfach. Für die meisten herkömmlichen Lebensmittel, die in Haushalten verarbeitet werden gibt es Informationen zu üblichen Verzehrmengen durch das Bundesinstitut für Risikobewertung. „Für Gotu Kola lagen uns keine Referenzwerte vor“ erklärt Dr. Gesche Spielmann, Toxikologin beim Landeslabor.

„Also haben wir uns an Werten vergleichbarer Pflanzen und möglichen gesundheitsschädlichen Wirkungen des Pflanzenschutzmittels orientiert und eine Bewertung durchgeführt“ so Spielmann weiter. Ein Risiko liegt insbesondere dann vor, wenn die Ausschöpfung der akuten Referenzdosis deutlich überschritten wird. Der festgestellte hohe Gehalt an Profenofos führte bei allen betrachteten Bevölkerungsgruppen zu einer Ausschöpfung der akuten Referenzdosis.

„Wir finden leider immer wieder in Importware bedenkliche Konzentrationen an Pflanzenschutzmitteln, der aktuelle Fall mit Gotu Kola ist nur die Spitze des Eisberges“ weiß Dr. Spielmann weiter zu berichten. Grund dafür ist, dass Pflanzenschutzmittel, die in der europäischen Union bereits verboten sind in anderen Ländern weiter zum Einsatz kommen. Zumindest der Einsatz von Profenofos wird nunmehr ein Riegel vorgeschoben. Laut Pressemeldungen hat die Regierung der Schweiz, hier wird das Produkt hergestellt, mit einem Ausfuhrverbot seit Anfang 2021 den Export von Profenofos untersagt.

Quelle: Landesbetrieb Hessisches Landeslabor