Projekt PAC-CAMPY: Strategien gegen Campylobacter im Praxistest

Mitteilung Nr. 012/2021 des BfR vom 30. März 2021.

Das Bakterium Campylobacter jejuni ist der häufigste bakterielle Erreger von Darminfektionen beim Menschen. Neue Strategien zu Prävention, Kontrolle und Behandlung von Campylobacter-Infektionen sind nötig. Dies steht im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „Prävention und Bekämpfung von Campylobacter-Infektionen: Ein One-Health-Ansatz“ (PAC-CAMPY), an dem das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beteiligt ist.

Die zweite Förderphase des Projekts, die noch praxisorientierter ist, hat begonnen. Sie schließt an die vorherige Phase an, in der von 2017 bis 2020 die Kolonisierung und Adaptationsfähigkeit des Erregers und mögliche Reduktionsstrategien untersucht wurden. In der zweiten Phase sollen diese Erkenntnisse bis Ende 2022 verifiziert und teilweise in vivo, also im lebenden Organismus, überprüft werden.

PAC-CAMPY verfolgt das übergeordnete Ziel, mit Maßnahmen entlang der Geflügelproduktionskette die Belastung durch Campylobacter und damit die Infektionszahlen beim Menschen zu senken. Der besondere Fokus liegt darauf, die Kolonisierung und die Verbreitung von Campylobacter in Tierherden und bei der Schlachtung zu begrenzen und somit die Folgen einer Infektion beim Menschen abzuschwächen. Dazu werden mögliche Reduktionsstrategien überprüft und auch die Widerstandsfähigkeit des Bakteriums einschließlich seines Überlebens in der Umwelt charakterisiert. Zudem werden Maus- und Huhnmodelle verwendet, Wirtsspezifitäten durch Ganzgenomsequenzierung analysiert und die Wirkung von Substanzen auf die durch C. jejuni ausgelöste Immunantwort untersucht. Dieser ganzheitliche „One Health“-Ansatz soll einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis dieses über Lebensmittel übertragenen Keims und dessen Vorkommen beim Tier, in der Umwelt und beim Menschen erbringen.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt folgt einem interdisziplinären Ansatz. Die beteiligten Projektpartner übernehmen Arbeitspakete mit unterschiedlichen Aufgaben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BfR untersuchen den Einfluss des Gentransfers auf die genetische Vielfalt von Campylobacter. Sie entwickeln Strategien, mit denen sich diese genetische Diversität und damit das Überleben des Bakteriums vermindern lässt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse könnten dazu dienen, Antibiotikaresistenzen zu reduzieren. Weiterhin fließen wichtige Erkenntnisse der Folgen der Adaptationsfähigkeit des Keims auf diagnostische Verfahren in Normungsgremien ein. Dies ist wichtig, damit Campylobacter mit der fortschreitenden genetischen Variabilität auch zukünftig im Nationalen Referenzlabor für Campylobacter als auch in anderen Laboren zuverlässig feintypisiert werden kann.

In der praktischen Förderphase von PAC-CAMPY sollen die identifizierten Reduktionsstrategien bei der Kolonisierung von Campylobacter im Huhn erprobt werden. Dafür werden etwa in einem Huhnmodel persistierende und potenziell infektiöse, aber nicht mehr kultivierbare Keime auf ihre Kolonisierfähigkeit getestet. Die Fachleute aus den kooperierenden Instituten prüfen auch, inwiefern antimikrobiell wirksame Substanzen und Bakteriophagen die Kolonisierung von Campylobacter minimieren können. Zu den Projektpartnern gehören neben dem BfR die Freie Universität Berlin, die Universitätsmedizin der Charité, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das Robert Koch-Institut und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Parallel zum Forschungsprojekt hat das PAC-CAMPY-Konsortium den gegenwärtigen Wissensstand zum Überleben des Bakteriums, zur Entstehung und Entwicklung der Krankheit beim Menschen und zu möglichen Bekämpfungsstrategien von Campylobacter in einem Buch zusammengefasst. Das kürzlich im Verlag Springer Nature erschienene Werk trägt den Titel: „Fighting Campylobacter InfectionsTowards a One Health Approach“.

Weitere Informationen: https://www.springer.com/gp/book/9783030654801

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Quelle: BfR

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