WDR Recherche: Illegale Wasserentnahme für Erdbeeren zerstört eines der wichtigsten Feuchtgebiete Europas

Erdbeeren
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Die meisten Erdbeeren, die momentan in den deutschen Supermarktregalen liegen, ob bio oder nicht, sind bedingt durch illegale Wasserentnahme eine Gefahr für den Nationalpark Coto de Doñana.

Es ist eins der wichtigsten Feuchtgebiete Europas und Unesco-Weltnaturerbe. Der Park droht auszutrocknen, weil ihm die umliegenden Erdbeerplantagen das Wasser abgraben, eben häufig illegal. Verbraucher können derzeit nicht erkennen, ob Erdbeeren legal oder illegal bewässert wurden. Das haben Recherchen der WDR-Wirtschaftsredaktion ergeben. Darüber berichtet „Markt“ am 7. April, um 20:15 Uhr, im WDR Fernsehen.

WDR-Reporter*innen entnahmen in Discountern und Supermärkten Stichproben und verfolgten den Weg der Erdbeeren bis in die spanische Region Huelva zurück. Vor Ort stellten die Reporter fest, dass illegale Bohrungen nach Wasser weit verbreitet sind. Sie machten einen illegalen Brunnen ausfindig, der bereits geschlossen war. Daraus hatte offenbar ein ehemaliger Aldi-Zulieferer Erdbeeren bewässert. Von welchem spanischen Zulieferer Aldi zurzeit Erdbeeren bezieht, ist unklar. Aldi versichert, dass sie bis Mitte 2022 neue Standards einführen wollen, wonach für die Erdbeerregion die Legalität der Wasserquellen belegt sein soll.

Zudem entdeckten die Reporter mitten in der Schutzzone des Nationalparks eine Erdbeerplantage eines REWE Zulieferers – eine Zone, in der laut Umweltschützern nie hätte gebaut werden dürfen. Der Erdbeerproduzent gehört zu den Angeklagten in einem kürzlich begonnenen Prozess wegen Wasserraubs in Sevilla. Gegen ihn ist auch schon im vergangenen Jahr in ähnlichem Zusammenhang ein Bußgeld rechtskräftig geworden. REWE räumt die Probleme mit dem Zulieferer auf Nachfrage ein, sagt aber dass dieser mittlerweile besser arbeite und die Nachhaltigkeit der Wasserentnahmen sichergestellt werde. Dies würden auch entsprechende externe Zertifikate bestätigen.

Verfahren gegen Landwirt*innen, die illegal Wasser abzapfen, gibt es in Spanien selten. Die Reporter*innen haben einen Prozess begleitet, unter den Angeklagten befinden sich auch zwei ehemalige Bürgermeister. Zudem mehrere Erdbeerproduzenten, die nach Deutschland liefern und zwischen 2009 und 2012 entgegen geltender Gesetze Wasser abgepumpt haben sollen. Darunter auch Lieferanten von REWE und Alnatura.

Der WWF warnt schon seit über einem Jahrzehnt vor dem Raubbau durch unkontrollierte Wasserentnahme. Nach Schätzungen der Naturschutzorganisation gibt es über 1.000 illegale Brunnen, die das Grundwasser von Doñana anzapfen. Darüber hinaus macht nun auch die EU Druck auf Spanien: Die EU-Kommission verklagt Spanien vor dem europäischen Gerichtshof, weil das Land zu wenig gegen die illegale Bewässerung unternehme. Der WDR berichtet unter anderem in seinem Wirtschafts- und Verbrauchermagazin „Markt“ am 7. April, 20:15 Uhr, im WDR Fernsehen über das Thema.

Quelle: WDR

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