foodwatch zu 10 Jahren EHEC

Skandal wurde weder aufgeklärt noch wurden die Schwachstellen in der Lebensmittelüberwachung behoben.

Durch den EHEC-Ausbruch vor zehn Jahren erkrankten im Frühsommer 2011 mehr als 3.800 Menschen zum Teil schwer. 53 Menschen starben, weil sie sich mit dem besonders aggressiven Stamm O104:H4 des Darmbakteriums E. coli infiziert hatten.

Dazu erklärt Andreas Winkler von der Verbraucherorganisation foodwatch:„Der EHEC-Ausbruch wurde weder aufgeklärt noch hat die Bundesregierung die entscheidenden Schwachstellen in der Lebensmittelüberwachung behoben. Die Bundesregierung hat die Öffentlichkeit mit der Behauptung getäuscht, ägyptische Sprossen seien ‚mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit‘ die Ursache der EHEC-Krise.

Dabei wurde die Ursache des Ausbruchs nie wirklich gefunden. Denn 87 Prozent aller gemeldeten EHEC-Fälle wurden ohne Klärung der Ansteckungsursache zu den Akten gelegt – das hat das Robert Koch-Institut gegenüber foodwatch bestätigt. Bei gerade einmal 13 Prozent aller EHEC-Erkrankungen konnten die Behörden eine Verbindung zu Bockshornkleesamen aus Ägypten nachweisen, die ein niedersächsischer Sprossenerzeuger gekeimt und verkauft hatte.Wie so viele Lebensmittelskandale hat auch EHEC kaum zu Konsequenzen geführt, nachdem die Krise aus den Schlagzeilen verschwunden war. Egal ob EHEC, Pferdefleisch oder zuletzt der Listerien-Fall um Wilke-Wurst – es sind immer die gleichen Schwachstellen, die längst behoben sein müssten:

  • Erstens, wir brauchen politisch unabhängige Landesanstalten für Lebensmittelüberwachung in jedem Bundesland, anstatt ein Durcheinander von 400 kommunalen Kontrollbehörden, die unter dem politischen Einfluss von Landräten stehen und deren Zuständigkeit an der Landkreisgrenze endet.
  • Zweitens muss die im EU-Lebensmittelrecht vorgeschriebene Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln entlang der gesamten Lieferkette endlich konsequent durchgesetzt werden. Nur so kann vermieden werden, dass im Krisenfall lebenswichtige Zeit verloren geht, falsche Fährten verfolgt und 400 Behörden gleichzeitig den Verbleib zurückgerufener Produkte recherchieren müssen.
  • Drittens müssen alle Lebensmittelbehörden per Gesetz dazu verpflichtet werden, ausnahmslos alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen immer zu veröffentlichen.

Solange Bund und Länder die systemischen Fehler in der Lebensmittelüberwachung nicht beheben, kann ein Fall wie EHEC jederzeit wieder passieren.“

Mehr Informationen und Quellen

Der EHEC-Ausbruch im Frühsommer 2011 gilt als der größte Ausbruch, der je in Deutschland beschrieben wurde, weltweit waren noch nie zuvor so viele Fälle des von EHEC-Bakterien ausgelösten hämolytisch-urämischen Syndroms bei einem Ausbruch registriert worden.

Quelle: foodwatch

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