Erster BZfE-Ernährungstalk: Ist die Ernährungskommunikation gescheitert?

Das Interesse an Ernährungsbotschaften ist groß. Das zeigt die seit Jahren steigende Beliebtheit von Ernährungsthemen in klassischen und sozialen Medien und auf dem Buchmarkt.

Gleichzeitig finden sich hier immer mehr Kommunikatoren. Sie erreichen mit teils extremen Aussagen mehr Menschen als Ernährungsfachkräfte und Institutionen mit sachlichen und wissenschaftlich fundierten Inhalten. Wie lässt sich dieses Dilemma lösen? Diese Frage diskutierten Dr. Margareta Büning-Fesel, Kristin Leismann, Frédéric Letzner und Thomas Westerhausen beim ersten Ernährungstalk „Tischgespräche“ vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) zum Thema „Welche Worte wirken? Ernährungskommunikation auf dem Prüfstand“.

„Ernährungskommunikation ist dann gescheitert, wenn Fachleute anderen weiterhin vorschreiben wollen, was gut und richtig ist“, stellte Dr. Margareta Büning-Fesel, Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) gleich zu Beginn des ersten BZfE-Tischgespräches klar. „Wenn wir stattdessen Imperative wie „du musst“ vermeiden, Informationen verständlich und praxisnah aufbereiten und uns am Ernährungsalltag der Menschen orientieren, finden wir mit unseren Botschaften mehr Gehör.“

Eine simple Antwort lautet: Weniger Text, mehr Bilder, Videos und Emotionen. „Bilder transportieren mehr als eine einzelne Message und lösen in wenigen Sekunden Emotionen aus“, erläuterte Kristin Leismann, forschende Soziologin von der Universität Gießen. Das bestätigte auch der Ernährungswissenschaftler und Speaker Frédéric Letzner: „Durch emotionale Botschaften lasse ich mich besser motivieren. Und auf Social Media dürfen auch schon mal Schimpfwörter fallen.“

Natürlich sind Institutionen wie dem BZfE und Ernährungsfachkräften engere Grenzen gesetzt als Jugendlichen oder Influencern ohne hohen fachlichen Anspruch. Sie müssen aber die Logik hinter deren Art zu kommunizieren und ihrem Erfolg verstehen lernen. Letzner wünscht sich außerdem charismatische oder gar „schillernde“ Figuren aus der Fachwelt, die Menschen sicherlich besser erreichen würden.

Einfacher lässt sich an einer passenden Wortwahl arbeiten: „Menschen ernähren sich nicht, sondern essen und trinken und fühlen sich danach wohl, satt und emotional befriedigt“, sagte Büning-Fesel. Insgesamt sei das BZfE auf einem guten Weg, die verschiedenen Zielgruppen punktgenau zu erreichen. Dazu gehörten auch die vielen Bildungsangebote und die Kommunikation über geeignete Social-Media-Kanäle wie YouTube, Twitter, Instagram und Facebook.

Besonders mit Blick auf jüngere Zielgruppen bieten sich Themen rund um eine nachhaltige Lebensweise an. Die interessieren Kinder und Jugendliche oft mehr als eine gesunde Ernährung, gehen aber damit Hand in Hand. Gleichzeitig können Ernährungsfachkräfte von jungen Menschen lernen, wie sich soziale Medien geschickt nutzen lassen, ohne den eigenen Anspruch zu verlieren: Mit einer direkten und authentischen Ansprache, kreativen und angesagten Inhalten und einer ordentlichen Portion Spaß und Unterhaltung. „Statt Verboten, die im schlimmsten Fall das Gegenteil bewirken, finden Menschen so attraktive Angebote für eine Veränderung in kleinen Schritten“, sagte der Kommunikationstrainer Thomas Westerhausen. Das gelte auch für das Ziel, Menschen zu einer pflanzenbetonten Ernährung zu motivieren.

Insgesamt verfolgten 230 Ernährungsfachkräfte und Multiplikatoren aus der Ernährungsbranche den ersten BZfE-Ernährungstalk „Tischgespräche“. „Wir freuen uns sehr über die rege Teilnahme und das positive Feedback der Teilnehmenden“, sagte Büning-Fesel nach der Veranstaltung. „Und ich freue mich sehr, dass wir nach den etablierten BZfE-Foren im großen Tagungsformat und unserem „Foodie Café“ im kleinen Online-Format eine weitere Möglichkeit zum direkten Austausch mit unseren Zielgruppen realisiert haben.“ Das erste Tischgespräch wurde im Livestream aus einem Studio in Köln übertragen. Wer den Termin verpasst hat, findet die Aufzeichnung auf YouTube.

Weitere Informationen:
https://www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungskommunikation/bzfe-ernaehrungstalk-tischgespraeche/

Quelle: Gabriela Freitag-Ziegler, www.bzfe.de

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