Essen ohne Bauchschmerzen: Studierende der FH Münster entwickeln die App meal&heal

Das Leben mit Lebensmittelunverträglichkeiten oder chronischen, lebensstilabhängigen Erkrankungen leichter machen – das ist das Ziel von Michelle Hoffmann, Lukas Jochheim und Stefan Wobbe.

Foto: FH Münster

Gemeinsam entwickeln sie die App meal&heal: ein intelligentes Ernährungstagebuch und Triggermanagement-System, das die individuellen Auslöser von Beschwerden herausfinden kann und darauf aufbauend Ernährungs- und Therapiekonzepte erstellt. Das Gründungstrio studiert an der FH Münster und bekommt dort reichlich Unterstützung für sein Start-up.

„Ich habe selbst verschiedene Lebensmittelunverträglichkeiten. Bis zur genauen Diagnose hat es jedoch lang gedauert“, erklärt Michelle. „Und trotz der Diagnose fehlte mir immer die Übersicht darüber, was ich essen kann.“ Als sie 2018 ihr Studium der Oecotrophologie an unserer Hochschule begann, hatte sie deshalb schon längst eine Idee: Mittels App müsste man nachverfolgen können, was man isst, wie sich verschiedene Lebensmittel zusammensetzen und welche Beschwerden sie bei einer Unverträglichkeit auslösen könnten. „Das ist der Gedanke hinter meal&heal.“

Richtig Fahrt nahm das Projekt jedoch erst auf, als sie inmitten des Studiums Lukas kennenlernte – und die beiden schließlich auf das Angebot unserer Gründerhochschule aufmerksam wurden. Gemeinsam besuchten sie Anfang 2021 das Seminar „Selbstständig nach dem Studium mit dem Megatrend Digitalisierung“ bei Prof. Dr. Frank Riemenschneider-Greif, die Praxisphase ihres Bachelors absolvierten sie in der TAFH Münster GmbH. Dort waren sie unter der Leitung der Gründungsberater*innen Lea Wilkens und Jens Wortmann die ersten, die ein Praktikum im eigenen Unternehmen durchführten: ein Modell, das die Hochschule künftig öfter anbieten möchte. „Prof. Riemenschneider-Greif, Gabriele Welsch-Wacker und die TAFH haben uns dabei betreut“, erklärt Lukas. Wortmann lobt die Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management: „Alle haben sich darauf eingelassen. Wir führten das Praktikum so zum ersten Mal durch und es hat wunderbar funktioniert.“

Zwischenzeitlich rekrutierten die beiden Oectropholog*innen mit Stefan noch einen IT-Experten direkt aus dem Hörsaal, um ihr Gründungsteam zu vervollständigen. „Michelle und Lukas haben ihre Ideen in einer Vorlesung von Prof. te Vrugt vorgestellt und suchten einen Informatiker“, erinnert er sich. „Noch während ihres Vortrags habe ich mich darauf beworben. Ich habe selbst eine Lebensmittelunverträglichkeit und kurz vorher noch nach einer passenden App gesucht, die mir dabei hilft. Da hat es direkt mit uns gepasst.“ Mittlerweile hat sich das Trio erfolgreich für das Inkubatorprogramm REACH beworben und wird dort von den Gründungscoaches Mike Arnold und Sandra Fuchs betreut. Nun arbeitet das Trio in der Gründerschmiede im Technologiehof Münster und im REACH Euregio Start-up Center seine Ideen aus.

Der App liegt eine umfangreiche Lebensmitteldatenbank zugrunde, die das Gründungsteam selbst recherchiert und zusammenstellt. Nutzer*innen können dann ihre Mahlzeiten, Beschwerden und Krankheiten – etwa Kopf-, Gelenk- und Magenschmerzen, Migräne, Neurodermitis oder Rheuma – ins Ernährungstagebuch eintragen. Ein Algorithmus wiederum kann genau herausfinden, welche Lebensstilfaktoren die Beschwerden verstärken. Darauf aufbauend kann meal&heal Handlungsempfehlungen geben. Derzeit sind die Gründer*innen auf der Suche nach Testnutzer*innen, die sich auf ihrer Homepage bewerben können. „Anfangs konzentrieren wir uns nur auf die Ernährung, später sollen aber auch Faktoren wie Stress, Schlaf oder Bewegung mit einbezogen werden“, so Michelle. „Dazu sollen mit der Zeit auch Mental- und Sportprogramme in unser Angebot aufgenommen werden“, ergänzt Lukas. „Derzeit haben wir eine Lebensmittelliste zur Essensempfehlung und bieten auch extra Rezepte an.“

Um diese Rezepte auszuarbeiten, treffen sich Michelle und Lukas regelmäßig im food lab muenster im FHZ. Aktuell auf dem Speiseplan in der Versuchsküche: Pizza. „Wir verwenden einen Dinkelteig zum Beispiel mit Schmand statt Tomatensoße“, erklärt Michelle. Mit ihren Mitarbeiter*innen backen sie histaminarme und fructosefreie Pizzen, die Stimmung ist ausgelassen, später wird gemeinsam gegessen – entspannte Start-up-Atmosphäre, in der die Ideen der Gruppe weiter gedeihen können. „Gründerschmiede, REACH, food lab – die Hochschule unterstützt uns mit ihren verschiedenen Möglichkeiten wirklich sehr“, erklärt Michelle. Inzwischen bekommen sie außerdem das NRW-Gründerstipendium.  „Jetzt sind wir Teil eines größeren Netzwerks, das uns bestärkt und weiterbringt.“

Von Frederik Tebbe

Quelle: FH Münster

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