Nährwertprofile – wissenschaftliche Beratung für die EU-Initiative „Vom Hof auf den Tisch“

Die Aufnahme von Energie, gesättigten Fettsäuren, Natrium und Zuckerzusatz/freiem Zucker ist zu hoch in Europa; ihre Senkung würde dazu beitragen, chronische Krankheiten, die ihren Ursprung in einer ungesunden Ernährungsweise haben, zu bekämpfen.

Im Gegensatz dazu ist die Aufnahme von Ballaststoffen und Kalium beim größten Teil der erwachsenen Bevölkerung in Europa zu niedrig und ihre Erhöhung würde zur besseren Gesundheit führen.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des wissenschaftlichen Gutachtens der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), das sich mit den Nährwertprofilen befasst und heute veröffentlicht wurde. Unsere Ernährungsexperten haben Lebensmittelbestandteile – sowohl die mit Nährstoffen als auch die ohne Nährstoffe – festgelegt, die wichtig für die öffentliche Gesundheit der Europäer sind, weiter haben sie Lebensmittelgruppen ermittelt, die eine wichtige Rolle in der Ernährung in Europa spielen, und letztendlich haben sie wissenschaftliche Kriterien bestimmt, nach denen sich die Auswahl der Nährstoffen bei der Erstellung von Nährwertprofilen richten soll.

Die Europäische Kommission ersuchte die EFSA um wissenschaftliche Beratung, um die Entwicklung eines künftigen europaweiten Systems für die Nährwertkennzeichnung auf der Packungsvorderseite sowie die Maßnahmen zur Beschränkung nährwert- oder gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmitteln zu unterstützen. Wichtig ist, dass die EFSA in Verbindung mit diesen Zwecken kein bestimmtes Modell zur Erstellung von Nährwertprofilen bewertet oder vorgeschlagen hat. (Weitere Informationen zu ihrer Stellungnahme finden Sie in den nachstehenden häufig gestellten Fragen.)

Breites Engagement während der Konsultation

Die EFSA veranlasste von November 2021 bis Januar 2022 eine öffentliche Konsultation zum Entwurf der Stellungnahme. Dies führte zu 529 Kommentaren von 83 Organisationen und Einzelpersonen in 21 Ländern.

Ana Afonso, Leiterin des Referats Nährwert- und Lebensmittelinnovation bei EFSA, sagte: „Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns ihre Bemerkungen geschickt haben. Unsere Wissenschaftler haben sich mit jeden Kommentar und mit jeder Frage befasst. Ihr Beitrag hat uns dabei geholfen, den Umfang unserer Bewertung zu klären und unseren wissenschaftlichen Beitrag genauer von Faktoren abzugrenzen, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der EFSA fallen.“

Einige Kommentare deuteten auf Missverständnisse bezüglich der Rolle und der Zuständigkeiten der EFSA im Bereich Ernährung hin. Diese Fragen werden in den folgenden häufig gestellten Fragen behandelt.

Wie geht es weiter?

Im Rahmen der Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ beabsichtigt die Europäische Kommission, Ende 2022 eine Überarbeitung der bestehenden Rechtsvorschriften betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel vorzuschlagen. Der wissenschaftliche Beitrag der EFSA wird zusammen mit anderen von der Kommission gesammelten Nachweisen in den Vorschlag der Kommission einfließen. Sie können künftige Aktualisierungen verfolgen, die auf der Website der Kommission verfügbar sind.

Scientific advice related to nutrient profiling for the development of harmonised mandatory front-of-pack nutrition labelling and the setting of nutrient profiles for restricting nutrition and health claims on foods

Häufig gestellte Fragen

1. Welche wissenschaftlichen Kriterien sollten bei der Auswahl von Nährstoffen für die Erstellung von Nährwertprofilen zugrunde gelegt werden?

Die Auswahl der Nährstoffe sollte sich in erster Linie an ihrer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit orientieren, d. h. wenn eine übermäßige oder unzureichende Aufnahme mit gesundheitsschädigenden Auswirkungen verbunden ist. Sie können jedoch auch aus anderen Gründen berücksichtigt werden, z.B. weil sie Marker für andere für die öffentliche Gesundheit wichtige Nährstoffe sind oder um dem Verzehr bestimmter Lebensmittel innerhalb derselben Lebensmittelkategorie Vorrang zu geben.

Als Beispiel für Letzteres wird in unserer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass Risikomanager beschließen können, einige Omega-3-Fettsäuren in die Modelle zur Erstellung von Nährwertprofilen aufzunehmen, um den Verzehr von Fettfischen im Einklang mit ihren Ernährungsempfehlungen zu fördern. Sie können sich dafür entscheiden, auch wenn die Daten über die Aufnahme dieser Fettsäuren nicht ausreichen, um festzustellen, ob sie in angemessenen Mengen verzehrt werden oder nicht.

2. Welche Nährstoffe könnten bei Modellen zur Erstellung von Nährwertprofilen berücksichtigt werden?

Bei Modellen zur Erstellung von Nährwertprofilen könnte Folgendes berücksichtigt werden:

  • Die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren, Natrium, zugesetztem/freiem Zucker überschreitet bei den meisten europäischen Bevölkerungsgruppen die Ernährungsempfehlungen, und diese übermäßige Aufnahme wird mit gesundheitsschädigenden Auswirkungen in Verbindung gebracht.
  • Angesichts der hohen Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in Europa ist eine Reduzierung der Energieaufnahme aus Gründen der öffentlichen Gesundheit für die europäische Bevölkerung relevant.
  • Die Aufnahme von Ballaststoffen und Kalium ist bei den meisten erwachsenen Bevölkerungsgruppen in Europa unzureichend, und diese unzureichende Aufnahme wird mit gesundheitsschädigenden Auswirkungen in Verbindung gebracht.
  • Die Aufnahme von Eisen, CalciumVitamin D, Folat und Jod ist in bestimmten Bevölkerungsgruppen unzureichend. Während die zunehmende Aufnahme dieser Nährstoffe für die Nahrung häufig nicht ausreicht, um ihren Bedarf zu decken, leisten einige Lebensmittel/Lebensmittelgruppen einen wichtigen Beitrag zu ihrer Aufnahme. Diese werden in der Regel im Rahmen nationaler Strategien und/oder individueller Beratung behandelt.

3. Welches sind die wichtigsten Lebensmittelgruppen, die zur Ernährung in Europa beitragen?

Die Bedeutung für die Ernährung sowie der relative Beitrag verschiedener Lebensmittelgruppen variieren aufgrund verschiedener Ernährungsgewohnheiten und -traditionen von einem europäischen Land zum anderen.

Dazu gehören stärkehaltige Lebensmittel (hauptsächlich Getreide und Kartoffeln), Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Milch und Milcherzeugnisse, Fleisch und Fleischerzeugnisse, Fische und Schalentiere, Nüsse und Samen sowie alkoholfreie Getränke, die nach den nationalen lebensmittelorientierten Ernährungsleitlinien in den Mitgliedstaaten anerkannt sind.

4. Welche Lebensmittelgruppen werden auf nationaler Ebene empfohlen?

Die nationalen Leitlinien fördern den Verzehr von Vollkorn, Obst und Gemüse, Nüssen und Samen, Milch und Milcherzeugnissen mit niedrigem Fettgehalt, Fisch und Wasser. Von Lebensmittelerzeugnissen mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren, Zucker und/oder Natrium aufgrund der Lebensmittelverarbeitung wird generell abgeraten, selbst innerhalb dieser Lebensmittelkategorien.

Die nationalen Leitlinien fördern auch den regelmäßigen Verzehr von Hülsenfrüchten, die Fleisch teilweise ersetzen (insbesondere rotes Fleisch und verarbeitetes Fleisch), sowie den Verzehr pflanzlicher Öle mit hohem Gehalt an einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z. B. Oliven-, Sonnenblumen-, Mais- und Rapsöle) anstelle von Fetten mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren (z. B. Palm- und Kokosöle, Butter und andere tierische Fette).

5. Wurde die EFSA gebeten, Nährwertprofile für die Kennzeichnung auf der Packungsvorderseite und für die Beschränkung nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel festzulegen? Warum gibt die EFSA keine vollständige Beratung dazu, wie Nährwertprofile festgelegt werden sollten?

Die Europäische Kommission wird als Risikomanager das Modell zur Erstellung von Nährwertprofilen vorschlagen, das für diese beiden unterschiedlichen Zwecke verwendet werden soll. Dies ist keine Aufgabe der EFSA.

Unsere wissenschaftlichen Experten gaben an, dass bei der Festlegung von Modellen zur Erstellung von Nährwertprofilen für beide Zwecke dieselben wissenschaftlichen Überlegungen zugrunde gelegt werden könnten. Die Risikomanager entscheiden jedoch, ob für jeden Zweck dasselbe Modell oder unterschiedliche Modelle verwendet werden.

Die Europäische Kommission bat um wissenschaftliche Beratung nur zu einigen spezifischen Aspekten: Identifizierung von Nährstoffen und nicht nährstoffhaltigen Bestandteilen (z. B. Energie, Ballaststoffe) von Bedeutung für die öffentliche Gesundheit der europäischen Bevölkerung, Lebensmittelgruppen, die eine wichtige Rolle in der europäischen Ernährung spielen, sowie Kriterien, die für die Auswahl von Nährstoffen und nicht nährstoffhaltigen Lebensmittelbestandteilen zur Erstellung von Nährwertprofilen maßgeblich sein könnten.

Die EFSA wurde nicht gefragt: ob Nährwertprofile für Lebensmittel allgemein und/oder für Lebensmittelkategorien festgelegt werden sollten; nach einem Ansatz zur Berechnung der Profile (Schwellenwert- oder Punktbewertungssysteme); nach der Wahl der Bezugsmenge/Basis für Nährwertprofile (d. h. pro Energie-, Gewichts- oder Volumeneinheit des Produkts oder pro Portion); oder nach der Durchführbarkeit und Prüfung von Modellen zur Erstellung von Nährwertprofilen. Diese Aspekte wurden 2008 von der EFSA im Zusammenhang mit der Festlegung von Nährwertprofilen für Lebensmittel, die nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben tragen, behandelt, wurden aber 2022 nicht mehr berücksichtigt.

Weitere Informationen

Weitere Hintergrundinformationen zum Umfang dieser wissenschaftlichen Beratung und Antworten auf Fragen im Zusammenhang mit unserer Rolle im Ernährungsbereich finden Sie in unseren ausführlicheren häufig gestellten Fragen:

FAQs on EFSA’s scientific advice related to nutrient profiling for harmonised front-of-pack labelling and restriction of claims on foods (English only)

Kontakt:
Journalisten/Medienvertreter können uns über die Pressestelle der EFSA kontaktieren. Für sonstige Anfragen nutzen Sie bitte den Ask a Question-Service.
Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-mail: press@efsa.europa.eu

Quelle: EFSA

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