Alternativen zur Milch: Die Auswahl ist groß

Wer auf Kuhmilch verzichtet, sei es wegen einer Laktoseintoleranz, einer Milcheiweißallergie, weil er sich vegan ernährt oder einfach etwas Neues ausprobieren möchte, kann aus einem reichlichen Angebot an pflanzlichen Alternativen auswählen. Denn Pflanzendrinks sind „in“.

Hafer
Foto: Pixabay

Laut Lebensmittelrecht keine Milch

Während früher Alternativen zur Kuhmilch überwiegend nur in Bio-Läden zu finden waren, bieten mittlerweile auch Supermärkte eine Vielzahl dieser Getränke an. Nicht zuletzt begründet durch die Trends, sich vegan zu ernähren oder auf laktosefreie Produkte zu setzen. Umgangssprachlich werden sie zwar Milch genannt, da dieser Begriff aber Kuhmilch vorbehalten ist, dürfen sie im Handel nur unter der Bezeichnung „Drinks“ oder „Getränke“ verkauft werden. Nur die Kokosmilch darf als solche bezeichnet werden. Sie zählt zu Erzeugnissen, „deren Art aufgrund ihrer traditionellen Verwendung genau bekannt ist“. In der Küche können die verschiedenen Milchalternativen ähnlich wie Kuhmilch verwendet werden. Allerdings unterscheiden sie sich in Herstellung, Geschmack und Nährwert.

Sojadrinks werden aus der nährstoffreichen Sojabohne hergestellt. Diese Hülsenfrucht wird schon seit über 2000 Jahren in China verarbeitet und aufgrund ihres hohen Eiweißgehaltes (36,8 %) und ihrer vielfältigen Zubereitungsmöglichkeiten geschätzt. Die Bohnen werden eingeweicht, gemahlen, gekocht und schließlich filtriert. Die daraus gewonnene Flüssigkeit stellt den sog. Sojadrink dar, aus dem auch Tofu hergestellt wird. Der Sojadrink hat einen annähernd hohen Eiweißgehalt wie Kuhmilch. Meist liegt er zwischen 3 und 4 %. Da der Sojadrink deutlich kalziumärmer ist als Kuhmilch, wird ihm teilweise Kalzium zugesetzt.

Reisdrinks, eine Form von Getreidedrink, schmecken leicht süßlich. Sie werden aus Vollkornreis hergestellt, indem die gemahlenen Körner gekocht und mit Enzymen versetzt werden. Das Filtrat daraus ist wässrig und wird mit Pflanzenöl gemischt, wodurch die weiße Farbe entsteht. Da dieser Reisdrink sehr nährstoffarm ist, werden meist Kalzium oder Vitamine zugesetzt. Der Eiweißgehalt liegt bei nur 0,1 bis 0,3 %. Gegenüber den Sojadrinks hat der Reisdrink den Vorteil, dass er sehr allergenarm ist.

Haferdrinks zählen ebenfalls zu den Getreidedrinks und liegen in den letzten Jahren voll im Trend. Der Geschmack ist leicht nussig und süßlich. Verwenden lässt er sich ähnlich wie Kuhmilch, wobei das süßliche Aroma beispielsweise zur Béchamelsoße weniger gut passt. Die industrielle Herstellung erfolgt ähnlich wie beim Reisdrink. Hafer hat jedoch vor allem den Vorteil, nachhaltig zu sein. Das Getreide wird regional angebaut, sodass lange Transportwege entfallen. Herstellerangaben zufolge verursacht die Produktion eines Liters Haferdrink knapp drei Viertel weniger CO2 im Vergleich zu einem Liter Kuhmilch. Studien deuten darauf hin, dass zudem wesentlich weniger Land- und Wasser bei der Herstellung verbraucht werden.

Mandeldrinks gehören zu den teureren Formen der Milchalternativen. Ihre Herstellung ist auch zuhause möglich. Die Mandeln werden ohne Schalen gemahlen und mit kochendem Wasser übergossen. Die Flüssigkeit wird filtriert und man erhält sowohl den Mandeldrink als auch eine Masse, die zu einem Brotaufstrich verarbeitet werden kann. Sein Geschmack ist mild, leicht nussig und relativ süß. Vom Nährwertgehalt ist der Mandeldrink ebenfalls nicht mit Kuhmilch vergleichbar.

In der folgenden Tabelle finden Sie die Nährwertangaben beispielhaft für jeweils eine Milchart bzw. Milchalternativen:

Kuhmilch/ Vollmilch
100 ml*
Kuhmilch/ fettarm
100 ml*
Sojadrink
100 ml**
Reisdrink
100 ml**
Haferdrink
100 ml**
Mandeldrink
100 ml**
Wasser (g) 87,4 89,3 92,6 89 90 94
Kohlenhydrate (g) 4,7 4,8 1,6 9,5 6,8 2,4
Fett (g) 3,6 1,6 0,7 1,0 1,5 2,5
Eiweiß (g) 3,4 3,4 3,5 0,1 0,6 1,0
Kalzium (mg) 120 118 13,0 120 (zugesetzt) keine Angabe 120 (zugesetzt)
Kalorien (kcal) 65 48 29 47 44 38

Quellen: *Bundeslebensmittelschlüssel; **Herstellerangaben

Und sonst noch: Kokosmilch, Hanfdrink & Co.

Kokosmilch verleiht Speisen durch ihren typischen fruchtig-nussigen Geschmack ein exotisches Aroma. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem Kokoswasser in der Nuss. Kokosmilch entsteht durch Pressen des geriebenen Fruchtfleischs. Sie hat einen höheren Fettgehalt als andere pflanzliche Milchersatzprodukte, enthält aber vorwiegend gesättigte Fettsäuren. Ein Hanfdrink schmeckt ebenfalls leicht nach Nüssen. Er wird aus den Hanfsamen hergestellt und hat einen relativ hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, vor allem an Omega-3-Fettsäuren. Längst sind im Handel auch Drinks aus Haselnüssen, Macadamia und Cashewkernen erhältlich. Und auch Quinoa, Buchweizen, Amaranth und Lupinen dienen zur Herstellung von Milchalternativen.

Für Babys nicht geeignet!

Jedes Milchersatzprodukt hat seine Vor- und Nachteile, seinen eigenen Geschmack und seine eigene Zusammensetzung. Sie eignen sich zum Trinken, aber auch zum Backen oder Kochen. Wichtig ist jedoch: Bei der Säuglingsernährung sind Milchersatzprodukte keine Alternative zur Muttermilch oder industriell hergestellter Säuglingsmilchnahrung. Es besteht die Gefahr, dass der relativ hohe Bedarf des Kindes an Nährstoffen darüber nicht gedeckt werden kann.

Autorin: Dr. Claudia Müller

Quelle: Landeszentrum für Ernährung an der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum (LEL)

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