Aufbereitete Abwässer: Virale Krankheitserreger auf pflanzlichen Lebensmitteln vermeiden

Stellungnahme Nr. 019/2022 des BfR vom 8. Juli 2022.

Klimatische Veränderungen erhöhen den Druck auf die Wasserressourcen in Deutschland und Europa. Um dem zu begegnen, wurde auf europäischer Ebene die Nutzung von aufbereitetem Abwasser zur landwirtschaftlichen Bewässerung rechtlich ermöglicht. Für die Aufbereitung stehen unterschiedliche Methoden der Abwasserbehandlung zur Verfügung. Einheitliche Mindestanforderungen für die Wasserwiederverwendung sollen dabei die Gesundheit von Mensch und Tier und den Schutz der Umwelt sicherstellen.

Das Vorkommen viraler Krankheitserreger im Abwasser stellt in diesem Zusammenhang eine große Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wissenschaftliche Literatur zum gesundheitlichen Risiko der Nutzung von aufbereitetem Abwasser für die Bewässerung von Pflanzen, die als Lebensmittel genutzt werden, mit Blick auf virale Krankheitserreger ausgewertet. Im besonderen Fokus stehen dabei roh verzehrtes Obst und Gemüse, bei dem mögliche Krankheitserreger nicht durch Erhitzen reduziert oder abgetötet werden.

Insbesondere das humane Norovirus, das eine Magen-Darm-Erkrankung auslöst, und das Hepatitis A-Virus, das zu einer Leberentzündung führen kann, sind Viren, die über pflanzliche Lebensmittel übertragen werden können. Für beide Virusarten sind zahlreiche Erkrankungsausbrüche beschrieben, die auf den Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln wie Tiefkühl-Beeren und Blattgemüse zurückgehen. Darüber hinaus spielen auch weitere Viren, wie das Hepatitis E-Virus, Rotavirus, Sapovirus, Astrovirus und Adenovirus eine Rolle. Grundsätzlich kann die Schwere der ausgelösten Erkrankung je nach Virusart und Gesundheitszustand der betroffenen Person variieren.

Eine gegenwärtige unzureichende Datenlage erschwert eine abschließende Risikobewertung der Nutzung von aufbereitetem Abwasser für die Bewässerung von Obst und Gemüse mit Blick auf krankmachende Viren. Es gibt derzeit nur wenige Daten zur Stabilität und Inaktivierung von humanem Norovirus und Hepatitis A-Virus, so auch zu ihrem Verhalten während der Abwasseraufbereitung, im Boden, auf pflanzlichen Lebensmitteln sowie über die Aufnahme dieser Viren über die Wurzeln in die Pflanze.

Die verfügbaren Daten und Untersuchungen mit eng verwandten Viren zeigen jedoch, dass die Viren in den meisten Fällen eine sehr hohe Stabilität gegenüber Umwelteinflüssen, im Boden und auf der Pflanze haben und über die Wurzeln aufgenommen werden können. Zudem weisen die meisten relevanten Viren eine sehr niedrige minimale Infektionsdosis auf, wodurch bereits geringe Virusmengen zu Erkrankungen führen können. Dem gegenüber werden hohe Virusmengen mit dem Stuhl ausgeschieden, was wiederum eine hohe Belastung des Abwassers nahelegt.

Neben den aufgezeigten Datenlücken gibt es auch Forschungsbedarf in Bezug auf Methoden, mit denen sich die Wirksamkeit der Inaktivierung entsprechender Viren durch verschiedene Abwasseraufbereitungssysteme und die Qualität des aufbereiteten Abwassers mit Blick auf das Vorhandensein von ansteckenden Viren untersuchen lassen.

Auch wenn die gegenwärtige Datenlage noch unzureichend ist, wird im Sinne des gesundheitlichen Verbraucherschutzes empfohlen, auf die Bewässerung von Pflanzen, deren bodennah oder im Boden wachsende Teile üblicherweise roh verzehrt werden, mit aufbereiteten Abwasser zu verzichten. Diese Empfehlung gilt, bis geeignete Aufbereitungsverfahren und Kontrollen sicherstellen können, dass im Bewässerungswasser keine krankmachenden Viren enthalten sind. Bei Pflanzen, die nicht roh verzehrt werden, sind gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser nach derzeitigem Wissen nicht zu erwarten, solange die Lebensmittel vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden.

Vollständiger Beitrag

Quelle: BfR

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