Faszinierendes Bauchhirn – wie das enterische Nervensystem uns „steuert“

Haben Sie schon einmal von Ihrem ‚Bauchhirn‘ gehört? Gibt es das wirklich oder ist das Bauchhirn eher ein Hirngespinst? Erfahren Sie mehr über die faszinierende Welt der ‚kulinarischen Körperintelligenz‘ und wie sie uns dabei helfen kann, gesünder zu essen.

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Die wichtigste Frage zuerst: Gibt es das Bauchhirn wirklich oder es ist ein Hirngespinst?

Ja, das Bauchhirn existiert tatsächlich. Stellen Sie sich Ihr gesamtes Verdauungssystem als hochkomplexes intelligentes Netzwerk vor, das eigenständig arbeiten kann, ohne dass Ihr Kopfhirn ständig Befehle erteilen muss. Genau das macht das unser Bauchhirn, das auch einen medizinischen Fachbegriff trägt: enterisches Nervensystem (ENS).

Was ist das enterische Nervensystem (ENS) und warum wird es als ‚Bauchhirn‘ bezeichnet?

Das ENS befindet sich in der Wand unseren gesamten Magen-Darm-Trakts und besteht aus einem riesigen Netzwerk an Nervenzellen, konkret etwa 100 Millionen. Und das sind mehr als in unserem Rückenmark! Das enterische Nervensystem ist ein autonomes Kontrollzentrum im „Bauch“, das für die reibungslose Funktion sowohl des Verdauungssystems als auch für unser Wohlbefinden sorgt. Dabei arbeitet das ENS 24//7 zwar unabhängig vom Gehirn und Rückenmark, aber unsere beiden Hirnen kommunizieren via Standleitung namens „Vagusnerv“. Dabei sendet das Bauchhirn deutlich mehr Informationen nach oben als umgekehrt, man schätzt das Verhältnis auf 80 (% der Infos nach oben) zu 20. Sein landläufiger Name „Bauchhirn“ leitet sich sowohl von seiner Lage als auch seinen vielfältigen autonomen Funktionen ab Es kann eigenständig viele wichtige Aufgaben im Verdauungssystem steuern, dazu gehören:

  • Darmbewegungen
  • Produktion von Verdauungssäften
  • Aufnahme von Nährstoffen
  • Abwehr von Krankheitserregern

Das ENS beeinflusst auch unsere Stimmung und Emotionen: „Schmetterlinge im Bauch“, „Bauchkribbeln“ oder auch bei Stress wenn sich der „Magen zusammenzieht“ – das kennt jeder aus eigener Erfahrung.

 

Wie beeinflusst das enterische Nervensystem unsere Ernährung und Verdauung?

Das ENS ist der elementare Körpernavigator, der unser Essverhalten intuitiv über unsere Gefühl Hunger, Lust, Sättigung und vor allem Verträglichkeit steuert. Nur diesem Körpernavigator namens „kulinarische Körperintelligenz“ sollte man beim Essen vertrauen, sonst niemanden.

Was versteht man unter ‚kulinarischer Körperintelligenz‘ und wie kann sie uns helfen, gesünder zu essen?

Die Kulinarische Körperintelligenz ist ein konzeptioneller Begriff, der auf die innere Weisheit unseres Körpers in Bezug auf Ernährung setzt. Die Kulinarische Körperintelligenz ist unser Ernährungsgedächtnis, bestehend aus Kopfhirn und ENS: Mit jeder Mahlzeit, die wir essen, wächst unser körpereigenes Wissen um den Wert von Nahrung – und das lebenslang. Warum schmecken uns manche Lebensmittel besonders gut und andere überhaupt nicht? Und wieso vergessen wir das niemals? Ganz einfach: Weil unser Organismus diese essenziellen Informationen speichern muss, damit er weiß: Welche Nahrung liefert das. was ich benötige – und welches Essen bekommt mir nicht? Die guten Lebensmittel wollen wir essen, weil unser Körper sie mit Hunger und Vorfreude fordert – und uns für das „Einverleiben“ im wahren Sinne mit dem „wohligen Stöhnen aus der Tiefe des Bauchs“ belohnt. Wir spüren Freude und Lust beim Genießen. Dafür sorgt dann unser Belohnungszentrum, das limbische System im Gehirn. Was unser Körper hingegen nicht verwerten und verdauen kann, das schmeckt uns nicht, wir vertragen es nicht. So einfach ist das – und das nennt sich intuitives Essen.

Wie funktioniert intuitives Essen?

Intuitiv zu essen, das ist die natürlichste und biologischste Ernährungsform des Menschen. Dabei zählt primär das Ur-Vertrauen auf und in unseren Körper. Denn nur unser Körper weiß,, welche Nährstoffe er wann braucht – wer kann es auch sonst wissen? Daher ist intuitives Essen immer absolut individuell – genauso einzigartig wie jeder Mensch. Ergo gibt es so viele gesunde Ernährungen, wie es Menschen gibt, denn: Jeder Mensch is(s)t anders. Im Zentrum der intuitiven Ernährung steht das Vertrauen in unsere Köpersignale Hunger., Lust. Sättigung und vor allem Verträglichkeit. Netter Nebeneffekt: Intuitives Essen ist der Schlüssel zum individuellen biologischen Wunsch- und Wohlfühlgewicht.

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Dieser Beitrag erschien im Original zuerst auf FOCUS online-Experte

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Uwe Knop (*72) ist evidenzfokussierter Ernährungswissenschaftler (Dipl.oec.troph./JLU Gießen), Publizist, Referent und Buchautor (u.a. Erfolgreich abnehmen und schlank bleiben, Springer 2022). Seit mehr als 14 Jahren bildet die objektiv-faktenbasierte Analyse tausender aktueller Ernährungsstudien den Kern seiner unabhängigen Aufklärungsarbeit. Knop hat den mündigen Essbürger mit eigener Meinung zum Ziel, der umfassend informiert selbst und bewusst entscheidet, worauf er bei der wichtigsten Hauptsache der Welt – genussvolles Essen zur Lebenserhaltung – vertraut.