Wann Menschen mit Diabetes von Supplementen profitieren können 

Veröffentlichung honorarfrei bei Link zu: food-monitor.de

Tablette statt Tomate? Nahrungsergänzungsmittel sind häufig unnötig, manchmal riskant.

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind gefragt – besonders  im Internet und auf Social Media. Doch viele Präparate sind überflüssig, einige  sogar riskant. Da sie rechtlich als Lebensmittel gelten, werden sie nicht wie  Arzneimittel auf Wirksamkeit geprüft. Für Menschen mit Diabetes ist eine  gezielte Nährstoffversorgung wichtig, da ihr veränderter Stoffwechsel das  Risiko für eine Unterversorgung bestimmter Vitamine und Spurenelemente  erhöht. Eine Supplementierung ist aber nur bei tatsächlichem Mangel sinnvoll.  Expertinnen des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in  Deutschland e. V. (VDBD) erklären, wann NEM helfen können und worauf  Betroffene achten sollten.

„Viele nehmen Nahrungsergänzungsmittel in der Hoffnung, ihrem Körper etwas Gutes zu  tun. Doch ohne nachgewiesenen Mangel sind viele Präparate überflüssig – und eine zu  hohe Dosierung kann sogar manchmal schaden“, warnt Theresia Schoppe, stellvertretende Vorsitzende des VDBD. Schwangere, Ältere, Menschen, die sich vegan  ernähren, sowie Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus haben  jedoch ein erhöhtes Risiko für einen möglichen Nährstoffmangel und sollten daher  bewusst auf ihre Nährstoffversorgung achten. Für sie kann es sinnvoll sein, entsprechende Präparate einzunehmen. 

Auch bestimmte Medikamente können die Aufnahme essenzieller Vitamine und  Mineralstoffe durch die Nahrung beeinträchtigen. „Ein klassisches Beispiel ist Vitamin  B12. Das häufig zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzte Metformin kann dessen  Aufnahme im Körper verringern. „Ein langfristiger Mangel dieses Vitamins, aber auch  eine Folsäure-Unterversorgung, können zu Nervenstörungen führen, die sich durch  Kribbeln oder Taubheitsgefühle äußern“, erklärt Kathrin Boehm, Vorsitzende des VDBD. Besonders Menschen mit Diabetes, die Metformin einnehmen, sollten deshalb regelmäßig  ihren Vitamin-B12-Spiegel überprüfen lassen. 

Vitamin D, Magnesium & Co.: Nur bei Mangel notwendig 

Studien zeigen, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes oft einen niedrigeren Vitamin D Spiegel haben. „Vitamin D ist wichtig für die Insulinproduktion und -sensitivität. Doch  einfach zusätzlich Tabletten zu schlucken, bringt nichts, wenn kein tatsächlicher Mangel  vorliegt“, sagt Schoppe. Es könne sogar schädlich sein: „Bei einem nicht wasserlöslichen  Vitamin wie Vitamin D kann der Körper den Überschuss nicht abbauen – mit der Folge,  dass es bei einer dauerhaften Überdosierung zu Entkalkung der Knochen sowie zu  schädlichen Kalziumeinlagerungen in Gefäßen und Organen kommen kann.“ 

Ähnlich verhält es sich mit Magnesium: Es unterstützt die Insulinausschüttung und den  Energiestoffwechsel, aber wer sich ausgewogen ernährt, ist in der Regel gut versorgt.  Eine Überdosierung kann dagegen Durchfall verursachen. Auch Zink und Chrom sind an  der Insulinwirkung beteiligt. Da sie aber in vielen Lebensmitteln vorkommen, ist ein  Mangel selten. 

Vitamin C ist ein wichtiges antioxidatives Vitamin, das auch die Gefäße schützt – bei  Diabetes besonders wichtig, da Gefäßschädigungen die Folge sein können. Allerdings  konnten Studien einen schützenden Effekt noch nicht eindeutig belegen. Zudem ist ein  Vitamin-C-Mangel in industrialisierten Ländern höchst selten und der Bedarf lässt sich 

einfach mit der Ernährung decken. Aber: die Supplementierung ist risikoarm. „Sollte  Vitamin C in größerer Menge aufgenommen werden, kann der Überschuss über den Urin  ausgeschieden werden“, erklärt Schoppe. 

Omega-3-Fettsäuren: Gut für das Herz 

Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können das Risiko für Herz Kreislauf-Erkrankungen senken, das bei Menschen mit Diabetes besonders hoch ist. „Wer  regelmäßig fettreichen Fisch isst, ist gut versorgt. Wer das nicht tut, kann auf  hochwertige Omega-3-Präparate aus Fisch- oder Algenöl zurückgreifen – Menschen mit  Diabetes profitieren hier besonders“, empfiehlt Schoppe. 

Social Media & Selbsttests: Nicht alles glauben 

Auf Social Media und im Internet werden zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel  angepriesen, die angeblich den Stoffwechsel optimieren oder den Blutzucker regulieren – teils auch namentlich als „Blutzucker-Regulatoren“ beworben. „Die Wirksamkeit vieler  dieser Präparate ist wissenschaftlich nicht belegt – und manche sind sogar in einzelnen  Bestandteilen überdosiert oder enthalten problematische Zusatzstoffe“, warnt Boehm. 

Zunehmend werden Menschen mit Diabetes dabei gezielt mit vermeintlichen  Gesundheitsprodukten angesprochen – darunter auch Nahrungsergänzungsmittel mit  unrealistischen Heilversprechen.1 Hinter solchen Angeboten stehen häufig unseriöse  Anbieter, die mit gefälschten Empfehlungen oder irreführender Werbung arbeiten.  „Gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen sind für solche Angebote besonders  anfällig. Umso wichtiger ist es, Informationen kritisch zu prüfen und sich nicht von  vermeintlich einfachen Lösungen täuschen zu lassen“, betont Schoppe. 

Für die meisten beworbenen Effekte – etwa auf Blutzucker oder Stoffwechsel – gibt es  keine belastbare wissenschaftliche Evidenz. Viele Produkte sind zudem hochpreisig und  werden gezielt im Abo-Modell vertrieben – ein weiteres Warnsignal für unseriöse  Angebote. 

Auch Selbsttests zur Nährstoffbestimmung seien mit Vorsicht zu genießen: „Ein einzelner  Laborwert sagt wenig aus, wenn er nicht im Gesamtbild betrachtet wird. Eine  fachkundige Beratung ist hier unerlässlich“, resümiert Boehm. 

Ernährung und Bewegung bleiben der Schlüssel 

Statt blind auf Nahrungsergänzungsmittel zu setzen, sollte jeder – und insbesondere  Menschen mit Diabetes – die Ernährung und Lebensweise in den Fokus rücken, rät  Schoppe „Eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und ein stabiles Gewicht  bringen mehr für den Blutzucker und die Gesundheit als jede Pille“, so Schoppe. Boehm  ergänzt: „Wer sich unsicher ist, ob ein Nährstoffmangel vorliegt, sollte sich ärztlich  beraten lassen, einen Mangel gezielt ausgleichen. Es ist davon abzuraten, einen  Blumenstrauß an Vitaminen und Mineralstoffen zu sich nehmen. Diese sind meist  kostspielig und haben darüber hinaus in den meisten Fällen keinen gesundheitlichen  Nutzen.“ Nahrungsergänzungsmittel sind keine Ersatztherapie – sie können eine  ausgewogene Ernährung und eine leitliniengerechte Behandlung nicht ersetzen. 

Der VDBD empfiehlt, sich von Fachkräften beraten zu lassen – in einer spezialisierten  Diabetespraxis oder durch eine qualifizierte Ernährungsberatung. 

Weitere Informationen: 

1) Pressemitteilung DDG: Irreführende Gesundheitsversprechen, gefälschte Logos, falsche  Testimonials – DDG, diabetesDE, BVND und VDBD warnen gemeinsam vor dubiosen  Online-Angeboten für Menschen mit Diabetes

Nahrungsergänzungsmittel bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes

vdbd.de