Wie Jung und Alt heute Küchen kaufen – und was das für Planung und Produkte bedeutet

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Next-Gen vs. Best Ager: Wie sich Bedürfnisse zwischen den Generationen verändern.

Die einen hören ihren Lieblingssender im Radio, die anderen streamen ihre Musikhits auf Abruf; die einen bestellen per App, die anderen kaufen beim Händler ihres Vertrauens. Jede Generation hat ihre Eigenheiten – und die spiegeln sich auch in der Küche wider. Für Hersteller, Handel und Planer ist das eine Chance: „Wer versteht, wie die Generationen ticken, kann Produkte präziser entwickeln und besser verkaufen“, weiß Volker Irle, Geschäftsführer von Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e. V. (AMK).

Eine Frage des Platzes: Jüngere planen ihre Küche häufiger kompakt, modular und multifunktional.

Mehr Quadratmeter, andere Prioritäten: Einer der wichtigen Treiber im Kaufverhalten ist naheliegend. Bei der Planung der Wohnungseirichtung, ist der Platz ein entscheidender Faktor. Das Statistische Bundesamt hat berechnet, dass die Wohnfläche pro Kopf mit dem Alter deutlich steigt – bei Menschen ab 65 Jahren lag sie 2024 im Schnitt bei 68,5 m² pro Person, bei 25- bis 44‑Jährigen bei 44,7 m². Entsprechend planen Jüngere auch in der Küche häufiger kompakt, modular und multifunktional: schmale Hochschrankzeilen, Auszugssysteme, ein ausziehbarer Arbeits- oder Esstisch, Kombigeräte (z. B. Backofen mit Mikrowelle) oder eine kompakte Spülmaschine. Best Ager investieren eher in Komfort, Stauraum und Ergonomie: Bei ihnen stehen breite Auszüge, gut erreichbare Vorratsschränke, Backofen in Augenhöhe, hochgesetzter Geschirrspüler, rutschhemmende Innenorganisation und gutes Licht hoch im Kurs. „Die Küche ist der Raum, in dem sich Alltag und Lebensphasen der Menschen besonders direkt ablesen lassen“, sagt Volker Irle von der AMK. „Hersteller und Handel können punkten, wenn sie wissen, was in der jeweiligen Generation gefragt ist.“

Vom Feed ins Studio: unterschiedliche Kaufpfade

Der zur Verfügung stehende Raum ist das eine, das andere ist das Kaufverhalten: Jüngere Zielgruppen entdecken Produkte zunehmend digital – Social Commerce ist längst kein Nischenthema mehr: Laut Bitkom nutzen 48 Prozent der 16‑ bis 29‑Jährigen Social Media zum Einkaufen. Gleichzeitig wird Online-Shopping auch in älteren Gruppen selbstverständlich: Destatis zeigt, dass 73 Prozent der 55‑ bis 74‑Jährigen 2024 schon einmal online gekauft haben (2021: 66 Prozent). Die Konsequenz: Inspiration entsteht oft online, doch für die Küche gilt: Die Entscheidung fällt dort, wo Beratung, Planung und Vertrauen zusammenkommen. Denn bei komplexen Anschaffungen zählen Service und Prozessqualität. Das IFH KÖLN betont beim Küchen- und Möbelkauf die Bedeutung von reibungsloser Lieferung, serviceorientiertem Aufbau und Einweisung – und verweist zugleich auf Verbesserungsbedarf in der After‑Sales‑Phase. Wer digitale Planungstools anbietet, sollte sie deshalb mit echter Betreuung verbinden: klare Lieferkommunikation, abgestimmte Planungsstände, sichtbare Servicepakete.

Smart ja – aber bitte passend

Die Wohnfläche der 25- bis 44‑Jährigen beträgt im Schnitt 44,7 m². Da sind kompakte Mülltrennungssysteme gefragt.

Technik ist ein Generationenmarker, so weit so richtig. Doch die Gleichung „jung = digital, alt = analog“ greift trotzdem zu kurz. Denn auch die goldene Generation weiß mittlerweile die Vorzüge technischer Gadgets zu schätzen. Bitkom ermittelte 2024 bei 16‑ bis 29‑Jährigen eine Smart‑Home‑Nutzung von 60 Prozent, bei Menschen ab 65 Jahren von 20 Prozent.

Für die Oldies zählen vor allem Zuverlässigkeit, Geräuscharmut, klare Bedienlogik und Servicefähigkeit: große, gut ablesbare Displays, selbsterklärende Programme („Leise“, „Eco“, „Schnell“), robuste Auszüge, einfach zu reinigende Filter und Funktionen wie automatische Abschaltung oder Überkochschutz schaffen Sicherheit und Komfort.

Die Youngsters hingegen reagieren stärker auf Vernetzung und Convenience: App‑Benachrichtigungen, smarte Routinen, Energie‑Tracking oder Geräte, die sich nahtlos in den digitalen Alltag einfügen – Hauptsache, es spart Zeit und lässt sich intuitiv einrichten. Wer Smart Home-Geräte entwickelt, tut gut daran, sie an der Schnittmenge auszurichten: „Eine Brücke bieten Funktionen und Ausstattungen, die beide Zielgruppen abholen, weil sie Nutzen liefern, ohne dass man sich mit Technik beschäftigen muss“, erläutert AMK-Chef Volker Irle.

Gemeint sind leise Geräte, gutes Licht, ergonomische Einbauhöhen, klare Stauraumlogik, pflegeleichte Oberflächen. Technik sollte weniger als Feature-Feuerwerk gedacht werden, sondern als Komfortarchitektur: ein Gerät muss auch ohne App vollständig überzeugend sein, die Vernetzung muss einfach, sicher und erklärungsarm bleiben – und Produkte sollten so gestaltet sein, dass Handel und Service sie leicht vermitteln, installieren und langfristig betreuen können.

Was auf den Teller kommt, bestimmt auch die Ausstattung

Oft werden sie bei der Küchenplanung vergessen, dabei sind sie ein wichtiger Faktor: die Ernährungsgewohnheiten, die direkten Einfluss darauf haben, wie oft, wie aufwendig und mit welchen Routinen gekocht wird. Der Ernährungsreport 2024 zeigt, dass vegetarische und vegane Ernährungsweisen besonders bei Jüngeren (14–29 Jahre) verbreitet sind. Das ist aber nur ein Teil des Bildes: Mindestens genauso relevant sind Rhythmus und Anlass des Kochens – und hier zeigen sich deutliche Generationenunterschiede. Jüngere Zielgruppen nutzen die Küche häufig als schnelle Versorgungsstation im hybriden Alltag: Snacken, „One‑Pot“, schnelle Bowls, unkomplizierte Pastagerichte – oft inspiriert durch kurze Videoformate. Entsprechend wichtig sind Geräte und Helfer, die Tempo und Variabilität liefern: ein leistungsstarker Mixer oder Zerkleinerer, kompakte Kombigeräte, gut zugängliche Gewürz‑ und Vorratsorganisation sowie stapelbare Boxen für Prep und Reste. Bei den Möbeln punkten flexible Arbeitszonen (ausziehbare Arbeitsplatten, mobile Zusatzmodule), eine gut geplante Mülltrennung (für Bioabfall/Verpackungen) sowie offene oder halb offene Regale für häufig genutzte Tools.

Hybrider Alltag vs. Kochen als Ritual

Ältere Zielgruppen kochen dagegen häufiger als Ritual und Gastgebermoment: Es geht um Verlässlichkeit, Portionen für mehrere Personen, klassische Zubereitungsarten, Backen, Braten, Schmorgerichte – und um Komfort beim Vorbereiten. Hier zählen Geräte, die gleichmäßig, schonend und planbar arbeiten: ein großer Backofen (gern mit Dampf-/Feuchteunterstützung), ein leistungsfähiges Kochfeld mit präziser Regelung, ein ruhiger Dunstabzug, eine großzügige Spülkapazität und vor allem Stauraum, der Vorratshaltung erleichtert.

In der Möblierung sind breite Auszüge, gut erreichbare Schranklösungen, ein Vorratsbereich (z. B. ein hoher Auszugschrank) sowie eine Sitzmöglichkeit in der Küche oder am Küchenrand oft entscheidende Komfortfaktoren – gerade, wenn Kochen auch Kommunikation bedeutet. Für beide Generationen gilt: Gesundheit und Nachhaltigkeit spielen eine wachsende Rolle, allerdings werden sie unterschiedlich in den Alltag integriert. Jüngere suchen oft flexible, pflanzenfreundliche Alltagslösungen (Gemüse‑Prep, schnelle Proteinquellen, Resteküche), Ältere eher Qualität und Bekömmlichkeit (schonende Garverfahren, weniger Fett, gut verträgliche Zubereitung). Planungstechnisch heißt das: Eine Küche, die heute generationenübergreifend überzeugen soll, braucht klare Arbeitswege, eine saubere Zonierung (Vorbereiten–Kochen–Spülen), ausreichend Arbeitslicht, pflegeleichte Oberflächen und Stauraum, der sowohl „Snack-Tools“ als auch klassisches Kochgeschirr sinnvoll aufnimmt.

Zwei Welten, ein Raum – und ein klarer Planungsauftrag

Für Hersteller und Handel ergibt sich aus den genannten Generationen-Unterschieden kein „Entweder-oder“, sondern eine Doppelstrategie: kompakte, flexible Konzepte für urbane, preisbewusste Haushalte und komfortorientierte, servicegetriebene Lösungen für Best Ager. „Die Zukunft gehört Küchen, die beides können: Design, Funktion und Alltagstauglichkeit und dazu einen Prozess, der die Kundschaft zuverlässig durch Planung, Lieferung und Nutzung begleitet“, so Volker Irle. „Generationen unterscheiden sich nicht nur im Stil, sondern in Fläche, Informationsverhalten, Technik-Erwartung und Alltag. Wer diese Gegensätze sauber übersetzt, macht aus ‚Jung vs. Alt‘ keinen Generationenkonflikt, sondern schafft Orientierung für Produkte, Beratung und Vermarktung.“