Krise von nationaler Tragweite in Land- und Forstwirtschaft – Erntezahlen allein bilden Gesamtlage nicht ab

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Multifaktorielle Herausforderungen treffen Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei.

Die Ernte 2026 weist regional starke Schwankungen auf. Das BMLEH kündigt einen Liquiditätsrahmen von insgesamt rund einer Milliarde Euro an.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat den amtlichen Erntebericht vorgestellt und Maßnahmen zur Liquiditätssicherung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe sowie der Fischereiwirtschaft angekündigt. In mehreren Regionen haben Trockenheit und Hitze deutliche Spuren hinterlassen.

Mit vorläufig rund 37,4 Millionen Tonnen fällt die Getreideernte 2026 ohne Körnermais und Corn-Cob-Mix um 7,3 Prozent niedriger aus als im guten Vorjahr. Diese Abgrenzung bestätigt das Bundeszentrum für Landwirtschaft zum Erntebericht 2026. Die Veränderungsrate bezieht sich auf dieselbe Abgrenzung im Vorjahr und darf nicht unmittelbar mit einer Gesamtsumme einschließlich Körnermais verglichen werden. Beim Winterweizen liegt die Erntemenge voraussichtlich 10,4 Prozent unter dem Vorjahreswert, beim Winterraps 11,5 Prozent. Für späte Kulturen wie Zuckerrüben, Körnermais, Kartoffeln und Hopfen sowie für Grünland und Silomais ist die Ernte noch nicht abgeschlossen; vorläufige Schätzungen lassen in vielen Regionen hohe Verluste erwarten.

Besonders betroffen ist Mais im Süden und Südwesten. In Bayern liegt die Getreideernte 8,6 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Für Mecklenburg-Vorpommern werden beim Raps Hektarerträge erwartet, die vor allem infolge von Insektenschäden rund 25 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen. Auch die Futterlage ist angespannt; Heu verteuerte sich allein im August bundesweit um 17 Prozent.

Nach Angaben des Ministers treffen Wetterextreme auf hohe Energie- und Düngemittelkosten, gestörte Lieferketten und teilweise sinkende Erzeugerpreise. Um Betriebe handlungsfähig zu halten und die Ernte 2027 zu sichern, soll ein Liquiditätsrahmen von insgesamt rund einer Milliarde Euro geschaffen werden.

Vorgesehene Maßnahmen

Das bestehende Liquiditätshilfeprogramm mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank soll um 300 Millionen Euro auf ein Darlehensvolumen von 500 Millionen Euro aufgestockt werden. Ein zweites Programm mit stärker gesenkten Zinsen und längeren Laufzeiten befindet sich in Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium.

Weitere 60 Millionen Euro EU-Düngemittelhilfen sollen als Hektarprämien Betrieben zugutekommen, deren Kosten für Dünger oder Diesel stark gestiegen sind. Daneben setzt sich das BMLEH für eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage, die Fortführung der Gewinnglättung über 2028 hinaus und eine Förderung von Mehrgefahrenversicherungen über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz ein.

Für Waldumbau und Waldschutz sollen vorhandene Bundesmittel von bis zu 100 Millionen Euro vollständig mobilisiert werden. Für Fischereibetriebe stellt das BMLEH bis zu 4,5 Millionen Euro bereit; für Dieselverbrauch von März bis Juli 2026 sollen 21 Cent je Liter erstattet werden. Außerdem ist eine Referenzflotte vorgesehen, deren Datenerhebung in den kommenden drei Jahren mit bis zu drei Millionen Euro vergütet werden soll.

Quelle: bmleh.de