Wer Kohlenhydrate reduziert, ernährt sich nicht automatisch gesünder.
Eine neue systematische Übersichtsarbeit mit Daten von mehr als 779.000 Erwachsenen zeigt, dass die Zusammensetzung einer Low-Carb-Ernährung wichtiger sein könnte als der reine Kohlenhydratanteil.
Low Carb ist ein Sammelbegriff. Dahinter können sehr unterschiedliche Speisepläne stehen: viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und hochwertige pflanzliche Fette – oder vor allem verarbeitetes Fleisch, raffinierte Produkte und ungünstige Fettquellen. Genau diese Unterschiede untersuchte eine im Fachjournal BMJ Open veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse.
18 prospektive Kohorten mit 779.158 Teilnehmenden
Die Forschenden werteten 18 prospektive Kohortenstudien aus. Zusammen umfassten sie 779.158 Erwachsene und 219.457 Todesfälle. Verglichen wurden drei Varianten eines Low-Carb-Scores:
- ein allgemeiner Low-Carb-Score,
- eine als gesund eingestufte Variante mit höherwertigen Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinquellen,
- eine als weniger gesund eingestufte Variante.
Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen war die höchste Kategorie der gesunden Low-Carb-Ernährung mit einer um 28 Prozent niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden als die niedrigste Kategorie. Für den allgemeinen Low-Carb-Score lag die statistische Risikominderung bei 15 Prozent.
In der Allgemeinbevölkerung zeigte sich dagegen weder für den gesunden noch für den allgemeinen Low-Carb-Score ein statistisch eindeutiger Zusammenhang mit der Gesamtsterblichkeit. Auch die weniger gesunde Low-Carb-Variante war in den zusammengefassten Daten nicht eindeutig mit der Sterblichkeit verbunden.
Was lässt sich daraus ableiten?
Das Ergebnis spricht gegen die einfache Gleichung „weniger Kohlenhydrate gleich gesünder“. Entscheidend ist vielmehr, welche Lebensmittel an die Stelle kohlenhydratreicher Produkte treten. Eine kohlenhydratärmere Ernährung aus wenig verarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln, günstigen Fettquellen und passenden Proteinquellen ist ernährungsphysiologisch anders zu bewerten als ein Speiseplan mit viel verarbeitetem Fleisch und stark verarbeiteten Produkten.
Für die Praxis bedeutet das: Wer Kohlenhydrate reduzieren möchte, sollte nicht nur Gramm oder Prozentwerte betrachten. Vollwertige Lebensmittel, Ballaststoffe und die Qualität von Fetten und Proteinen bleiben zentral. Einen Überblick über unterschiedliche Ernährungsformen bei Diabetes bietet auch der food-monitor-Beitrag „Intervallfasten, Low Carb oder Vegan bei Diabetes – was sagt die Wissenschaft?“.
Wichtige Einschränkungen
Die Meta-Analyse fasst Beobachtungsstudien zusammen. Sie kann daher Zusammenhänge beschreiben, aber nicht beweisen, dass eine bestimmte Low-Carb-Ernährung die Sterblichkeit senkt. Ernährungsangaben beruhen in solchen Studien häufig auf Selbstauskünften und können sich im Lauf der Zeit verändern. Zudem unterschieden sich die eingeschlossenen Studien in der Berechnung ihrer Low-Carb-Scores und in den untersuchten Bevölkerungsgruppen.
Der besonders deutliche Zusammenhang bei chronisch Erkrankten ist deshalb ein wichtiger Hinweis, aber keine individuelle Therapieempfehlung. Menschen mit Diabetes, Nieren-, Leber- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten größere Ernährungsumstellungen fachlich begleiten lassen.
Quelle
Duc TQ, Nguyen Di K: Low-carbohydrate diet score subtypes and all-cause mortality in general and chronic disease populations: a systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. BMJ Open, 11. September 2026. PMID 42731843.
food-monitor / Redakteur: chatgpt-work
