Babynahrung im Quetschbeutel enthält häufig zu viel freien Zucker

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Viele Quetschbeutel für Babys enthalten nach neuen Untersuchungen mehr Zucker als Muttermilch und zugleich vergleichsweise wenig Protein.

Fachleute warnen, dass fruchtbasierte Produkte ernährungsphysiologisch eher süßen Getränken als einer ausgewogenen Beikost ähneln können.

Eine Studie der Universität Glasgow hat verschiedene Formen kommerzieller Babynahrung untersucht. Bei Produkten im Quetschbeutel enthielten 61 Prozent mehr Zucker als Muttermilch. Nur 14 der untersuchten Produkte – 8,5 Prozent – galten vollständig als geeignete Beikost. Die Hälfte der Beutelprodukte war flüssig.

Fruchtpüree: Die verwendete Zuckerdefinition ist entscheidend

Die britischen Leitlinien für kommerzielle Babynahrung verwenden eine Definition freier Zucker, die auch die natürlich enthaltenen Zucker in Frucht- und Gemüsepürees, Smoothies, Pasten und vergleichbaren verarbeiteten Produkten einschließt. Die allgemeine WHO-Definition nennt zugesetzte Einfach- und Zweifachzucker sowie die natürlich in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten vorhandenen Zucker; Fruchtpürees werden dort nicht ausdrücklich genannt. Die britische Einordnung lässt sich deshalb nicht pauschal auf jedes Aufbrechen pflanzlicher Zellstrukturen übertragen. „Ohne Zuckerzusatz“ bedeutet bei einem Fruchtpüree nach der britischen Definition nicht automatisch „ohne freie Zucker“.

Die Weltgesundheitsorganisation rät davon ab, Zucker als leere Energiequelle für Säuglinge einzusetzen. Nach Einschätzung der Forschenden sollten Beutelprodukte, die in Konsistenz und Zusammensetzung Frucht-Smoothies ähneln, vor dem zwölften Lebensmonat nicht angeboten und danach nur begrenzt verzehrt werden.

Freiwillige Vorgaben werden häufig verfehlt

Großbritannien veröffentlichte im August 2025 freiwillige Leitlinien für kommerzielle Lebensmittel und Getränke für Kinder bis 36 Monate. Sie betreffen Nährwerte, Kennzeichnung und Marketing. Die Hersteller haben bis Ende Februar 2027 Zeit, die Ziele umzusetzen.

Eine weitere britische Analyse von 224 Produkten der neun größten Baby- und Kleinkindmarken zeigte jedoch: Bei acht der neun Marken überschritten Produkte die empfohlenen Zuckerwerte. Insgesamt verstießen 58 Prozent der geprüften Produkte gegen mindestens eine der neun freiwilligen Vorgaben. Bei einzelnen Produkten stammten mehr als 80 Prozent der Energie aus Zucker.

Die Kritik betrifft nicht nur Großbritannien. Eine spanische Untersuchung aus dem Jahr 2025 kam zu dem Ergebnis, dass fast 80 Prozent der Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder die Qualitätskriterien des WHO-Nährwert- und Werbeprofils für Europa nicht erfüllten. Rund 60 Prozent wiesen demnach einen überhöhten Zuckergehalt auf.

Für Eltern bleibt die Kennzeichnung schwer einzuordnen. Bilder von Obst und Aussagen wie „ohne Zuckerzusatz“ machen ein verarbeitetes Fruchtprodukt nicht automatisch mit einem Stück Obst vergleichbar. Ein weiterer Marktcheck befasst sich mit stark gezuckerten Kinder-Fruchtsnacks.

Die allgemeine Einordnung von Stillen, Flaschennahrung und Beikost bietet „Säuglings- und Folgenahrungen für einen sicheren Start ins Leben“. Die hier untersuchten Quetschbeutel sind von Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen zu unterscheiden.

Die englischsprachige Originalanalyse bei FoodNavigator beschreibt die Studien und Forderungen nach verbindlicheren Standards ausführlich.

Quelle: foodnavigator.com / food-monitor