Klinische Adipositas: Studie prüft neue Diagnosekriterien

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Neue Einteilung soll Gesundheitsfolgen stärker berücksichtigen

Eine internationale Expertenkommission schlug 2025 vor, Adipositas nicht allein über den Body-Mass-Index (BMI) zu beurteilen. Sie unterscheidet zwischen präklinischer und klinischer Adipositas. Bei klinischer Adipositas liegen bereits Einschränkungen von Organen, Stoffwechsel oder Alltagsfunktionen vor. Präklinische Adipositas bezeichnet eine erhöhte Fettmasse ohne solche nachgewiesenen Beeinträchtigungen, aber mit einem erhöhten künftigen Gesundheitsrisiko.

Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung und des Universitätsklinikums Tübingen haben diese Kriterien anhand mehrerer großer Datensätze geprüft. Die Ergebnisse erschienen 2026 in Nature Communications.

Mehr als 80 Prozent erfüllten Kriterien klinischer Adipositas

Ausgewertet wurden Daten aus der US-amerikanischen NHANES-Erhebung, der EPIC-Potsdam-Kohorte und dem Tübinger Lebensstilinterventionsprogramm TULIP. In den untersuchten Bevölkerungsdatensätzen ließ sich eine über den BMI definierte Adipositas bei allen Betroffenen durch mindestens ein weiteres Körpermaß bestätigen, etwa Taillenumfang, Taille-Hüft-Verhältnis oder geschätzte Körperfettmasse.

Mehr als 80 Prozent der Erwachsenen mit bestätigter Adipositas erfüllten mindestens ein Kriterium der klinischen Adipositas. Verglichen mit Menschen ohne Adipositas und ohne klinische Kriterien war ihr Risiko für neu auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa 2,8-fach und für Typ-2-Diabetes etwa 7,9-fach erhöht.

Bei präklinischer Adipositas war in dieser Analyse das Herz-Kreislauf-Risiko nicht erhöht. Das Risiko für Typ-2-Diabetes war jedoch weiterhin deutlich höher. „Präklinisch“ bedeutet daher nicht automatisch „gesund“ oder „ohne Handlungsbedarf“.

Lebensstilprogramm verbesserte mehrere Risikofaktoren

In der TULIP-Studie sank nach einer neunmonatigen Lebensstilintervention der Anteil der Teilnehmenden mit klinischer Adipositas von 71 auf 57 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil mit Prädiabetes von 52 auf 29 Prozent zurück. Verbessert hatten sich vor allem Blutdruck, Triglyzeride und Glukoseregulation.

Diese Ergebnisse zeigen, dass sich gesundheitliche Kriterien unabhängig von einer vollständigen Gewichtsnormalisierung verbessern können. Aus dem Interventionsdatensatz lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jede Person gleich stark profitiert oder dass eine einzelne Ernährungsform überlegen ist.

Die Kriterien müssen weiter geprüft werden

Die Studie stützt die Idee, neben Gewicht und Körpermaßen auch konkrete gesundheitliche Folgen zu erfassen. Zugleich zeigte sie starke Überschneidungen einzelner klinischer Kriterien. Ob die vorgeschlagene umfangreiche Diagnostik im Alltag immer nötig und praktikabel ist, bleibt daher offen.

Der BMI allein beschreibt weder Fettverteilung noch individuellen Gesundheitszustand vollständig. Er bleibt aber ein leicht verfügbares erstes Maß. Diagnosen und Therapieentscheidungen sollten Körpermaße, Begleiterkrankungen, Funktionsbeeinträchtigungen und persönliche Situation gemeinsam berücksichtigen.

Warum Adipositas nicht auf mangelnde Willenskraft reduziert werden darf, erläutert der Beitrag Adipositas: Warum Betroffene nicht schuld sind.

Aktualisiert am 15. August 2026

Quelle: dife.de