Eine ausbleibende Periode ist kein normales Zeichen intensiven Trainings
Bleibt bei sportlich aktiven Frauen die Menstruation aus, sollte das nicht als Beweis besonderer Fitness gelten. Häufig liegt eine zu geringe Energieverfügbarkeit vor: Nach Training und Alltag bleibt dem Körper nicht genug Energie, um alle Funktionen zuverlässig aufrechtzuerhalten.
Der internationale Begriff Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S) beschreibt mögliche Folgen einer länger anhaltenden oder ausgeprägten Unterversorgung. Betroffen sein können unter anderem Zyklus, Knochen, Stoffwechsel, Immunsystem, Blutbildung, Herz-Kreislauf-System, Stimmung und sportliche Leistung. RED-S kommt im Leistungs- und Freizeitsport vor und betrifft nicht nur Frauen.
Wann eine ärztliche Abklärung nötig ist
Von einer sekundären Amenorrhö wird gesprochen, wenn die Blutung nach zuvor vorhandenen Zyklen mindestens drei Monate ausbleibt. Auch dauerhaft verlängerte Zyklen von mehr als 45 Tagen sollten abgeklärt werden. Bei wiederholten Knochenverletzungen, deutlicher Erschöpfung, Schwindel, Ohnmacht, Essproblemen oder psychischen Veränderungen ist früher medizinischer Rat sinnvoll.
Eine sportassoziierte funktionelle hypothalamische Amenorrhö ist eine Ausschlussdiagnose. Zuerst müssen andere Ursachen geprüft werden – vor allem eine Schwangerschaft, aber auch Schilddrüsenerkrankungen, ein erhöhter Prolaktinwert, das polyzystische Ovarsyndrom, eine vorzeitige Einschränkung der Eierstockfunktion und weitere Erkrankungen oder Medikamente.
Die Diagnostik umfasst deshalb ein Gespräch zu Ernährung, Training, Gewichtsverlauf, Schlaf, Stress, Verletzungen und Essverhalten sowie eine körperliche und gynäkologische Untersuchung und passende Laborwerte. Nach sechs Monaten Amenorrhö empfiehlt die Leitlinie der Endocrine Society in der Regel eine Messung der Knochendichte; bei Knochenbrüchen oder ausgeprägter Unterversorgung kann sie früher sinnvoll sein.
Behandlung: Energieverfügbarkeit zuerst verbessern
Die wichtigste Behandlung besteht darin, das Energiedefizit zu korrigieren. Je nach Situation bedeutet das:
- mehr Energie und ausreichend Kohlenhydrate, Protein und Fett aufzunehmen,
- Trainingsumfang oder -intensität zeitweise anzupassen,
- Regeneration und Schlaf einzuplanen,
- eine Essstörung oder starke psychische Belastung gezielt mitzubehandeln.
Das gelingt am besten in einem Team aus Gynäkologie oder Endokrinologie, Sportmedizin und qualifizierter Ernährungsberatung; bei Bedarf kommt psychologische Unterstützung hinzu. Eine Gewichtszunahme kann notwendig sein, ist aber nicht die einzige Kenngröße. Bis sich der Zyklus erholt, können Monate vergehen; Knochen erholen sich oft langsamer.
Die Pille behebt die Ursache nicht
Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel werden bei funktioneller hypothalamischer Amenorrhö nicht allein dazu empfohlen, die Blutung zurückzubringen oder die Knochendichte zu verbessern. Eine Entzugsblutung kann die fortbestehende Unterversorgung verdecken, während der Knochenabbau weitergeht. Wenn nach einer angemessenen Ernährungs-, Trainings- und gegebenenfalls psychologischen Behandlung keine Besserung eintritt, kann in ausgewählten Fällen eine andere Hormonbehandlung medizinisch erwogen werden.
Der IOC-Konsens von 2023 betont, dass Diagnose, Risikoeinstufung und Rückkehr zum Sport individuell durch ein fachkundiges Team erfolgen sollen.
Wie Ernährung Energie und Leistungsfähigkeit beeinflusst: Eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr unterstützt Training, Regeneration und Gesundheit.
Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: endokrinologie.net
