Integration wäre wirksamer Beitrag zu nachhaltigem Ernährungssystem.
Hülsenfrüchte vereinen ökologische Vorteile in der Produktion und eine hohe ernährungsphysiologische Qualität. Sie liefern pflanzliches Protein, fördern Darm- und Herzgesundheit und unterstützen das Gewichtsmanagement. In der Planetary Health Diet sind Hülsenfrüchte daher ein fixer Bestandteil des Speiseplans. Dennoch bleiben Hülsenfrüchte im Alltag vieler Menschen Randerscheinungen. Die Ursache ist klar: „Das Bewusstsein für ihre Vorteile für Boden und eine gesunde Ernährung fehlt. Gewohnheitsmäßig mehr Bohnen, Linsen und Co. zu essen, wäre aber ein einfacher, effektiver Schritt hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem und einer gesünderen Ernährung. Ihr Potenzial ungenutzt zu lassen, ist eine vertane Chance“, betont die Geschäftsführerin des forum. ernährung heute (f.eh), Marlies Gruber.
Die EAT-Lancet-Kommission transportiert mit der Planetary Health Diet eine klare Botschaft: Statt tierischer sollen pflanzliche Lebensmittel in den Vordergrund rücken und auch die Hauptquelle für Eiweiß bilden. Dafür bieten sich neben Getreide, Nüssen und Samen vor allem Hülsenfrüchte an. Sie regelmäßig in eine ausgewogene Ernährung einzubauen, kann zu einem günstigen kardiometabolischen Risikoprofil beitragen.
Die Studienlage ist je nach Endpunkt unterschiedlich: Eine Meta-Analyse von 24 randomisierten Studien fand mit moderater Evidenzsicherheit Verbesserungen von Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie Nüchternblutzucker. Eine aktualisierte Auswertung von 2026 bestätigt eine kleine LDL-Senkung, aber keine einheitlichen Effekte auf sämtliche Blutfette. Eine feste Wochenzahl von Portionen garantiert daher keine Verbesserung aller genannten Blutwerte.
Auch Mengenangaben benötigen einen klaren Bezugsrahmen. Die DGE empfiehlt mindestens eine Portion Hülsenfrüchte pro Woche; eine Portion entspricht 125 Gramm gegarter, verzehrfertiger Ware. Davon sind tägliche Modellmengen einer Planetary Health Diet und Angaben zum Trockengewicht zu unterscheiden. Die ursprüngliche pauschale Angabe von 75 bis 100 Gramm trockenen Hülsenfrüchten täglich wird hier deshalb nicht als allgemeine Empfehlung übernommen. Ein Vergleich mit österreichischen Verzehrdaten setzt dieselbe Gewichts- und Lebensmitteldefinition voraus.
Kombination mit Getreide
Der Eiweißgehalt von Hülsenfrüchten hängt von Sorte und Wassergehalt ab; Werte für trockene und gegarte Ware sind nicht unmittelbar vergleichbar. Bei der Eiweißqualität können nur Sojabohnen mit tierischen Lebensmitteln mithalten, während Linsen, Bohnen oder Kichererbsen im mittleren Bereich liegen. Aber in der Praxis lässt sich das teilweise kompensieren: Wer vor allem auf pflanzliche Eiweißquellen setzt, sollte auf Vielfalt und kluge Kombinationen aus Hülsenfrüchten und Getreide achten. Denn während Hülsenfrüchte reich an der essenziellen Aminosäure Lysin sind, liefert Getreide mehr Methionin. Gemeinsam ergänzen sich die Aminosäuremuster optimal für die körpereigene Proteinbildung.
Traditionelle Gerichte wie Linsen mit Semmelknödel, Hummus mit Fladenbrot oder Reis mit Bohnen zeigen, wie einfach diese Synergie im Alltag gelingt. Hülsenfrüchte bieten dabei auch vielfältige Möglichkeiten, tierische Lebensmittel zu ersetzen, ohne sensorisch, kulinarisch und ernährungsphysiologisch Einbußen zu haben: Fleisch in Eintöpfen, Saucen oder Laibchen kann teilweise oder vollständig getauscht werden (z.B. in Pasta Bolognese oder Chili con Carne Faschiertes durch Linsen ersetzen), als Aufstrichbasis statt Wurst oder Käse (z. B. Hummus, Bohnencremes) oder als Sojaprodukte wie Tofu oder Tempeh. „Es geht nicht um ein Entweder-oder“, unterstreicht Marlies Gruber. „Eine schrittweise Verschiebung hin zu mehr pflanzlichem Eiweiß im Rahmen einer insgesamt ausgewogenen Ernährung ist realistisch, genussvoll und nachhaltig. Hülsenfrüchte sind dabei Fixstarter.“
Vorteile auf Feld und Teller wenig bekannt
Die Kombination aus Getreide und Hülsenfrüchten gilt tatsächlich auch am Feld. Denn Wintergetreide etwa ist stickstoffzehrend, weshalb Hülsenfrüchte als Folgekultur Sinn machen, da sie Stickstoff aus der Luft binden und im Boden verfügbar machen. Zudem sorgen sie für eine gute Durchwurzelung im Boden, was in Zeiten des Klimawandels die Wasserverfügbarkeit der Folgekultur verbessert.
Doch weder die gesundheitlichen noch die ökologischen Vorteile sind bekannt. Eine Umfrage im Auftrag der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP, 2025) etwa zeigt deutliche Informationsdefizite: Weniger als die Hälfte der Befragten wusste, dass es die pflanzliche Lebensmittelgruppe mit dem höchsten Eiweißanteil ist. Auch ihre Klima- und Umweltvorteile werden unterschätzt, denn nur 45 Prozent der Befragten halten sie für klimafreundlich.
„Entscheidend ist, das Wissen über die Vorteile und Vielfalt von Hülsenfrüchten im Rahmen einer grundlegenden Ernährungs- und Verbraucherbildung sowie entsprechenden Informationsangeboten zu vermitteln und relevante Kompetenzen zu fördern. Hülsenfrüchte sind Teil unserer traditionellen Küche. Mehr Bohnen, Linsen und Co. in den Speiseplan einzubauen, wäre ein einfacher, wirksamer Schritt hin zu einem gesunden und nachhaltigen Ernährungssystem“, fasst Marlies Gruber zusammen.
Quelle:
UFOP-Umfrage (2025): Die Verbraucherumfrage wurde von B2con im Auftrag der UFOP durchgeführt. Befragt wurden 1.030 Personen in Deutschland.
Dieser Beitrag ist Teil des Themenfeldes: Hülsenfrüchte bilden die Basis der Ernährungswende.
Quelle: forum-ernaehrung.at
