Jod ist für Schilddrüsenhormone und die Entwicklung des Gehirns unverzichtbar.
Ein neuer Cochrane-Review sieht bei Kindern mit Jodmangelrisiko Vorteile einer Supplementierung. Die Ergebnisse sind jedoch kein Beleg dafür, dass alle Kinder routinemäßig Jodpräparate einnehmen sollten.
Für die systematische Übersichtsarbeit wurden acht randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2.528 Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Die Untersuchungen entstanden zwischen 1982 und 2009 in Albanien, Bangladesch, Kolumbien, Indonesien, Malawi, Neuseeland und Tansania. Die Literaturrecherche reichte bis Mai 2025.
Kleine Verbesserung der kognitiven Leistung
In einer Studie mit 166 Teilnehmenden verbesserte eine Jod-Supplementierung die kognitive Leistung geringfügig. Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Sicherheit dieses Nachweises als hoch. Für das Körpergewicht ergaben drei Studien mit 658 Teilnehmenden dagegen wahrscheinlich wenig bis keine Unterschiede.
Eine einzelne Studie mit 264 Kindern deutete darauf hin, dass Jod die Häufigkeit einer Schilddrüsenunterfunktion deutlich senken kann. Ebenfalls aus nur einer Studie mit 617 Säuglingen stammt der Hinweis auf eine geringere Gesamtsterblichkeit. Dieser Befund bezieht sich auf ein Umfeld mit hoher Säuglingssterblichkeit und ist nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragbar.
Beim Kropf, also einer Vergrößerung der Schilddrüse, war die Gesamtevidenz zunächst sehr unsicher. Nach Ausschluss einer methodisch schwächeren Studie zeigte die verbleibende Untersuchung einen deutlichen Nutzen. Die geringe Zahl der Studien begrenzt jedoch die Aussagekraft.
Keine Daten zu Nebenwirkungen heißt nicht automatisch unbedenklich
Keine der eingeschlossenen Studien berichtete unerwünschte Wirkungen oder Angaben zur Lebensqualität. Daraus lässt sich nicht schließen, dass jede Dosis für jedes Kind sicher ist. „Nicht berichtet“ ist nicht gleichbedeutend mit „ausgeschlossen“.
Auch die eingesetzten Dosierungen unterscheiden sich stark von der Alltagssituation in Deutschland. In einer Studie wurden 150 Mikrogramm täglich über 28 Wochen gegeben. Andere Untersuchungen arbeiteten mit einmaligen, sehr hohen Dosen von jodiertem Öl. Solche Studienschemata sind nicht mit einer eigenständigen Einnahme handelsüblicher Nahrungsergänzungsmittel gleichzusetzen.
Was bedeutet das für Familien in Deutschland?
Der Review bestätigt vor allem, dass eine gesicherte Jodversorgung für Kinder wichtig ist und dass eine gezielte Supplementierung in mangelgefährdeten Bevölkerungsgruppen helfen kann. Ob ein Präparat nötig ist, hängt jedoch von Alter, Ernährung, Gesundheitszustand und tatsächlichem Versorgungsrisiko ab.
Wichtige Jodquellen sind jodiertes Speisesalz, damit hergestellte Lebensmittel, Seefisch und Milchprodukte. Bei pflanzenbetonter oder veganer Ernährung kann die Versorgung schwieriger sein. food-monitor hat dazu bereits die Hintergründe zur rückläufigen Jodversorgung in Deutschland sowie zu Bedarf, Lebensmitteln, Mangel und Überdosierung zusammengefasst.
Vor allem hoch dosierte Jodprodukte sollten nicht ohne fachliche Rücksprache gegeben werden. Das gilt besonders bei bekannten oder vermuteten Schilddrüsenerkrankungen. Der neue Review liefert eine wichtige Evidenzbasis für Präventionsprogramme in Risikogruppen, ersetzt aber keine individuelle Diagnose oder Dosierungsempfehlung.
Eine praktische Anwendung von jodiertem Speisesalz in der Küche beschreibt Grillen mit dem lebenswichtigen Jodsalz. Der Küchenbeitrag behandelt eine Lebensmittelquelle und ergänzt damit die hier eingeordnete Forschung zu Jodpräparaten.
Fazit
Eine Jod-Supplementierung kann bei Kindern und Jugendlichen mit Mangelrisiko einzelne gesundheitliche Vorteile haben. Die Datenbasis ist jedoch klein, teils Jahrzehnte alt und überwiegend in anderen Versorgungskontexten entstanden. Für Deutschland lautet die Konsequenz daher nicht „Jod für alle“, sondern: Versorgung verbessern, Risikogruppen erkennen und gezielt handeln.
Quelle
Velasco I et al.: Iodine supplementation for preventing iodine deficiency disorders in children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews, 10. September 2026. DOI: 10.1002/14651858.CD014475.pub2.
food-monitor / Redakteur: chatgpt-work
