DGE-Kongress 2026: Ernährung und Darmmikrobiom

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Das Darmmikrobiom gehört zu den dynamischsten Forschungsfeldern der Ernährungswissenschaft. Auf dem 63. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) diskutierten im März 2026 in Kassel rund 820 Fachleute, wie Ernährung, Mikroorganismen im Darm und Gesundheit zusammenhängen.

Eine grundlegende Einordnung bietet die Themenseite „Fermentierte Lebensmittel und Darmmikrobiom: Was bekannt ist“.

Was mit Darmmikrobiom gemeint ist

Zum Darmmikrobiom gehören Bakterien, Viren, Pilze und weitere Mikroorganismen sowie ihre Gene und Stoffwechselprodukte. Zusammensetzung und Funktion unterscheiden sich stark zwischen Menschen und verändern sich im Laufe des Lebens. Einfluss haben unter anderem Ernährung, Medikamente, Infektionen, Alter, Umwelt und genetische Faktoren.

Ein vielfältiges Mikrobiom wird häufig mit Gesundheit in Verbindung gebracht. Es gibt jedoch keinen allgemein gültigen Idealwert und keinen einzelnen Labortest, der für gesunde Menschen zuverlässig ein „gutes“ oder „schlechtes“ Mikrobiom bestimmt.

Zusammenhang ist noch keine Ursache

Bei zahlreichen Erkrankungen finden Studien Unterschiede im Mikrobiom. Daraus folgt nicht automatisch, dass diese Veränderungen die Krankheit verursachen. Sie können auch Folge der Erkrankung, ihrer Behandlung oder veränderter Ernährungsgewohnheiten sein.

Genau diese Lücke zwischen Assoziation und Kausalität war ein zentraler Punkt des DGE-Kongresses. Für belastbare Präventions- und Therapieempfehlungen sind kontrollierte Studien nötig, die zeigen, welche Intervention bei welcher Person einen relevanten gesundheitlichen Nutzen bringt.

Was Ernährung beeinflussen kann

Die Ernährung liefert Substrate, die Darmmikroorganismen verarbeiten. Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst, Nüssen und Samen fördern die Bildung bestimmter kurzkettiger Fettsäuren. Eine abwechslungsreiche pflanzenbetonte Ernährung unterstützt damit mehrere Stoffwechselwege, die auch für die Darmbarriere und das Immunsystem bedeutsam sind.

Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi können lebende Mikroorganismen enthalten. Sie sind aber nicht automatisch probiotisch im medizinischen Sinn, und ihre Wirkung hängt von Produkt, Mikroorganismus, Menge und Person ab.

Personalisierte Ernährung bleibt anspruchsvoll

Die Idee, Ernährung anhand individueller Mikrobiomdaten zu personalisieren, ist wissenschaftlich interessant. Für den Alltag fehlen jedoch häufig standardisierte Messmethoden, klar definierte Zielwerte und der Nachweis eines zusätzlichen Nutzens gegenüber etablierten Ernährungsempfehlungen.

Kommerzielle Mikrobiomtests sollten deshalb keine Krankheiten diagnostizieren oder eigenständige Therapieentscheidungen auslösen. Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden, Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder starken Schmerzen ist eine ärztliche Abklärung wichtiger als eine Selbstanalyse des Mikrobioms.

Weitere Themen des Kongresses

Neben Mikrobiomforschung standen unter anderem künstliche Intelligenz in Public Health Nutrition, Gemeinschaftsverpflegung, geschlechtersensible Ernährungsberatung und pflanzliche Alternativprodukte auf dem Programm. Kongressbeiträge zeigen den Stand der Diskussion; sie sind nicht automatisch gleichbedeutend mit neuen Leitlinien oder gesicherten Therapieempfehlungen.

Zum Kongressbericht: Der Beitrag 63. DGE-Kongress: Ernährung und Mikrobiom dokumentiert Programm und Diskussionen der Veranstaltung.

Fazit

Ernährung und Darmmikrobiom beeinflussen sich gegenseitig. Für gesunde Menschen bleibt eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche und überwiegend pflanzliche Ernährung die praktischste Orientierung. Versprechen, das Mikrobiom mit einzelnen Produkten oder Tests gezielt „optimieren“ zu können, gehen häufig über die derzeitige Evidenz hinaus.

Aktualisiert am 16. August 2026
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) / food-monitor / KI