Für den Test kauften die Prüferinnen und Prüfer 23 Tomatenketchups im Handel, darunter fünf Produkte, die speziell für Kinder vermarktet werden.

Geschulte Sensorikexperten bewerteten Geruch und Geschmack nach einem standardisierten Verfahren. Parallel dazu analysierten Labore die Ketchups auf Schimmelpilzgifte, Zucker- und Salzgehalte sowie den Tomatenanteil und die Qualität der eingesetzten Tomaten.
Besonders alarmierend: Ein Ketchup überschritt den europäischen Richtwert für das Schimmelpilzgift Alternariol um rund das Achtfache. Alternaria-Toxine entstehen etwa, wenn Tomaten zu spät geerntet oder feucht gelagert werden. Ob sie für den Menschen krebserregend wirken, ist noch nicht abschließend geklärt – die Europäische Kommission sieht dringenden Forschungsbedarf. Sehr starke Belastungen in Ketchup sind aus Sicht der Stiftung Warentest ein Zeichen für schlechte Qualität: Das Produkt wurde daher in puncto Schadstoffe mit Mangelhaft bewertet.
Auch beim Zucker gab es eine unschöne Überraschung: Der klassische Heinz Tomato Ketchup enthält 26,6 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Ein einziger Esslöffel enthält damit bereits elf Prozent der maximalen Tagesmenge an Zucker, die die WHO für Vorschulkinder toleriert. „Aber zuckerreduzierte Ketchups mit Süßstoffen sind nicht unbedingt eine Alternative, sie kommen im Test sensorisch selten über ein Befriedigend hinaus. Zudem gewöhnt man sich aus unserer Sicht mit Süßstoffen eine Vorliebe für Süßes nicht ab, im Gegenteil könnten sie dazu beitragen, dass Ketchup-Fans auch in anderen Lebensmitteln mehr Süße bevorzugen“, sagt Testleiterin Julia Schwietering.
Das überraschendste Ergebnis lieferte ausgerechnet eine mehr als 200 Jahre alte Marke aus Erfurt: „Born hängt mit der Sensorik-Bestnote 1,0 bekannte Konkurrenten wie Werder und Marktführer Heinz deutlich ab“, sagt Schwietering. Insgesamt zwölf Ketchups schnitten gut ab, die meisten anderen nur befriedigend oder ausreichend.
Die Stiftung Warentest bewertete auch, ob sich die geleerten Flaschen wieder recyceln lassen und stellte dafür unter anderem den Recyclingprozess experimentell im Labor nach. Das Ergebnis: Wer auf Nachhaltigkeit achtet, sollte zur Glasflasche greifen: Neun von sechzehn geprüften Plastikflaschen erwiesen sich als nicht recyclingfähig, weil oft hartnäckige Etikettenkleber den Verwertungsprozess blockieren. Zwei Flaschen eines großen Herstellers tragen dennoch den Aufdruck „100 % recyclable bottle“, eine Aussage, die der Test klar widerlegt.
Die ausführlichen Testergebnisse gibt es in der April-Ausgabe der Zeitschrift Stiftung Warentest oder unter test.de/ketchup.
O-Ton-Paket

Ina Bockholt, Stiftung Warentest, Expertin für Ernährung
Für den Hörfunk beantwortet Ina Bockholt, Stiftung Warentest, Expertin für Ernährung, die wichtigsten Fragen zum Test:
1) Haben Sie nach diesem Test Ihren eigenen Ketchup im Kühlschrank ausgetauscht? (12 s)
2) Was macht den Testsieger zum Testsieger? (19 s)
3) Ein Ketchup überschreitet den Richtwert für Schimmelpilzgifte um das Achtfache. Wie gefährlich ist das? (29 s)
4) Kann man so eine Belastung beim Einkauf erkennen? (20 s)
5) Warum ist es so problematisch, wenn Ketchup viel Zucker enthält? (12 s)
6) Gibt es einen Ketchup, der wenig Zucker hat und trotzdem gut schmeckt? (27 s)
7) Gibt es etwas, das Sie bei diesem Test wirklich überrascht hat? (33 s)
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