Europäische Lebensmittelbehörde EFSA in der Kritik.
Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat eine Stellungnahme zu Risiken von Organismen aus Neuer Gentechnik (NGT) veröffentlicht. Sie berichtet, in den ausgewerteten Studien keine zusätzlichen, bisher unberücksichtigten Gefahren oder Risiken gefunden zu haben. Testbiotech wirft der EFSA vor, wichtige Studien systematisch auszublenden und legte dazu am 3. März 2026 einen Bericht vor.
Testbiotech verweist auf Veröffentlichungen zu möglichen Umweltrisiken bestimmter NGT-Pflanzen. Dazu gehören negative Auswirkungen auf Bestäuber und Nahrungsnetze, Invasivität, die Schwächung natürlicher Pflanzenpopulationen, Ertragseinbußen, Insektengiftigkeit und Auswirkungen auf Bodenorganismen. Der Bericht von Testbiotech listet Beispiele für Risiken und spezifische genetische Eigenschaften von NGT-Pflanzen auf, die sich deutlich von denen aus konventioneller Züchtung unterscheiden.
In den Stellungnahmen der EFSA wurden nach Darstellung von Testbiotech fast alle dieser Studien übersehen. Die Organisation führt dies auf einen aus ihrer Sicht grundlegenden Schwachpunkt zurück: Die EFSA habe bisher keine systematische Analyse der Unterschiede zwischen Neuer Gentechnik und konventioneller Züchtung vorgelegt, wie dies andere Behörden und Institutionen geleistet hätten.
Testbiotech kritisiert außerdem, die EFSA suche nur nach neuen Risiken und berücksichtige bereits beschriebene spezifische Risiken nicht ausreichend. Diese Risiken müssen vor möglichen Freisetzungen untersucht werden, unabhängig davon, ob sie als ’neu‘ anzusehen sind.
Nach der im Bericht vertretenen Auffassung von Testbiotech wäre es nach der Logik der EFSA sogar schwierig, die Risiken eines gentechnisch veränderten ‚Schattenwolfes‘ von denen eines normalen Wolfes zu unterscheiden. Ähnlich sind die Probleme mit dem Ansatz der EFSA, wenn es um die Risiken von NGT-Pflanzen geht, die beispielsweise in ihren Blüten manipuliert werden.
Die Stellungnahmen der EFSA werden insbesondere von der Europäischen Kommission immer wieder als Rechtfertigung dafür genannt, NGT-Pflanzen in Zukunft weitgehend zu deregulieren. Nach der damaligen Schätzung von Testbiotech dürften über 90 Prozent der NGT-Pflanzen, an denen aktuell geforscht wird, künftig ohne verpflichtende Prüfung der Umweltrisiken freigesetzt und vermarktet werden.
Weitere Informationen: Bericht von Testbiotech: „A crack in creation?“
Redaktionelle Einordnung vom 14. September 2026: Die vorstehende Meldung gibt die Kritik von Testbiotech vom März 2026 wieder. Die EFSA-Stellungnahme vom 17. Februar 2026 beschreibt dagegen eine Literaturrecherche mit veröffentlichten Ein- und Ausschlusskriterien und erörtert deren Grenzen. Ihr Ergebnis lautet, dass die gefundenen Studien keine zusätzlichen Gefahren oder Risiken enthielten, die in früheren EFSA-Stellungnahmen noch nicht berücksichtigt worden waren. Das ist keine pauschale Feststellung, sämtliche NGT-Produkte seien risikofrei. Die Kontroverse betrifft unter anderem die Auswahl und Bewertung der Literatur; die regulatorische Prognose im ursprünglichen Text ist als damalige Einschätzung von Testbiotech zu lesen.
Quelle: testbiotech.org
