Darmkrebs tritt überwiegend im höheren Lebensalter auf. Deutsche Registerdaten zeigen jedoch einen moderaten Anstieg bei 20- bis 39-Jährigen – bei weiterhin niedrigen absoluten Erkrankungsraten.
Eine 2026 veröffentlichte Studie wertete mehr als 28.000 Darmkrebsfälle bei Menschen zwischen 20 und 49 Jahren aus. Die Daten stammen aus zehn Krebsregistern, decken etwa 46 Prozent der deutschen Bevölkerung ab und reichen von 2003 bis 2023.
Was die Registerdaten zeigen
Für die gesamte Altersgruppe 20 bis 49 Jahre stieg die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate bei Männern von 7,8 auf 9,6 Fälle je 100.000 Personen und bei Frauen von 7,2 auf 8,3. Der relative Anstieg war bei den 20- bis 29-Jährigen am stärksten, gefolgt von den 30- bis 39-Jährigen.
Relative Prozentwerte können dabei dramatischer wirken als das absolute Risiko: In der jüngsten Gruppe waren die Erkrankungsraten trotz des stärkeren prozentualen Anstiegs weiterhin am niedrigsten. Bei 40- bis 49-Jährigen blieb die Darmkrebsinzidenz im Untersuchungszeitraum insgesamt stabil.
Für die Sterblichkeit ergab sich unter 50 insgesamt kein klarer Anstieg. Bei Männern zwischen 30 und 39 Jahren nahm sie leicht zu, in anderen Untergruppen blieb sie stabil oder ging zurück. Wegen kleiner Fallzahlen müssen einzelne Alters- und Geschlechtsgruppen vorsichtig interpretiert werden.
Frühere Diagnosen erklären nicht alles
Ein großer Teil der Zunahme entfiel auf kleinere, niedriggradige Tumoren und neuroendokrine Neubildungen mit vergleichsweise günstiger Prognose. Das kann auf häufigere oder frühere Diagnosen sowie veränderte Klassifikationen hindeuten.
Bei 30- bis 39-Jährigen nahmen allerdings auch weit fortgeschrittene T4-Tumoren zu. Die Forschenden halten es deshalb für wahrscheinlich, dass nicht nur bessere Erkennung, sondern auch veränderte Risiken eine Rolle spielen.
Ursachen sind noch nicht geklärt
Diskutiert werden Übergewicht, Bewegungsmangel, Ernährungsgewohnheiten, hochverarbeitete Lebensmittel, Antibiotika und Veränderungen des Darmmikrobioms. Die Registerstudie selbst kann solche Ursachen jedoch nicht prüfen und belegt für keinen einzelnen Faktor einen ursächlichen Zusammenhang.
Typ-2-Diabetes und Darmkrebs teilen mehrere Risikofaktoren. Wie die Verbindung einzuordnen ist, erklärt der Beitrag „Darmkrebs bei Typ-2-Diabetes“. Eine ballaststoffreiche Ernährung ist ein sinnvoller Bestandteil der Prävention; Orientierungswerte erläutert „Wie viele Ballaststoffe braucht der Mensch?“.
Kein Grund für ein allgemeines Screening unter 50
Nach Einschätzung des Forschungsteams rechtfertigen die deutschen Daten derzeit keine generelle Absenkung des Darmkrebs-Screeningalters unter 50 Jahre. Anders ist die Situation bei erhöhtem persönlichem Risiko, etwa durch nahe Verwandte mit Darmkrebs, erblichen Tumorsyndromen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder früheren auffälligen Befunden. Hier können deutlich frühere Untersuchungen notwendig sein.
Vorsorgegrenzen sind außerdem keine Wartefristen für Beschwerden. Blut im Stuhl, anhaltende Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, ungeklärte Bauchschmerzen, unbeabsichtigter Gewichtsverlust oder eine Eisenmangelanämie sollten unabhängig vom Alter ärztlich abgeklärt werden.
Deutschland ist nicht mit den USA gleichzusetzen
Die Erkrankungsraten unter 50 lagen in Deutschland während des gesamten Untersuchungszeitraums deutlich unter den US-amerikanischen Raten und stiegen langsamer. US-Daten lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen.
Die Studie ist eine starke Grundlage für die Beobachtung langfristiger Trends, hat aber Grenzen: Sie erfasst nicht alle Bundesländer, und Veränderungen bei Diagnostik, Registrierung und Tumorklassifikation können die Zeitreihen beeinflussen. Weitere Forschung muss klären, welche Faktoren die Zunahme bei den Jüngeren tatsächlich antreiben.
Originalstudie: Incidence Trends of Early-Onset Colorectal Cancer in Germany: A Registry-Based Study From 2003 to 2023.
Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) / food-monitor
