Der BMI verliert Gewicht

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Die entkräftete Adipositas-Statistik.

Die Theorie des BMI, nachweislich durch Korruption für die Adipositas-Präparate entwickelt, steht vor dem Aus. Die massive Kritik an der schlichten Berechnung des Quotienten aus Körpergewicht und dem Quadrat der Körpergröße ist nicht neu. Die statistische Adipositas sollte jetzt vor ihrem Ende stehen. Aktuell wird das Thema Adipositas durch umfangreiche Forschungen grundsätzlich neu bewertet. Eine neue Erkenntnis in der Medizin lautet dick und gesund statt dünn und krank. Die Medizin hat dafür jetzt einen interessanten Terminus. Es sind die sogenannten TOFIs. Das meint „thin outside, fat inside“. Das sind Normalgewichtige mit den für Adipositas prognostizierten Risiken und Erkrankungen. Nach medizinischen Studien haben zwischen 20 und 30 Prozent der Personen mit einem vermeintlich vorbildlichen BMI von unter 25 die für Adipositas typischen Stoffwechselstörungen. Auch die Kausalität ist erforscht. Es liegt am Viszeralfett im Bauchraum, das Diabetes, Fettleber und Arteriosklerose initiiert.

BMI ist medizinisch bedeutungslos

Was bedeutet das für die ganze Adipositas-Hysterie? Wenn es um die Gesundheit der Menschen gehen soll, fehlt damit die Basis. Die Medizin stellt fest, dass die bisherige Strategie auf Basis einer unzutreffenden BMI-Bedeutung am eigentlichen Problem vorbeigeht. Nicht die Statistik zählt, sondern die tatsächlichen Ursachen von Erkrankungen. Deshalb arbeitet man an der Definition des metabolischen BMI als realistische Messgröße. Und das Argument der Bewegung in einer zunehmend inaktiven Gesellschaft bekommt eine interessante Bestätigung. Sport ist auch unter dem Aspekt gesund, dass Muskeln für die genannten Gesundheitsrisiken ein wichtiger Schutzfaktor sind. Die Fakten der Wissenschaft zeigen die Absurdität politischer Initiativen. Ein BMI unter 25 lässt nicht auf Gesundheit schließen, weil er kranke und gefährdete Menschen nicht berücksichtigt. Und ein angeblich die Adipositas und Risiken anzeigender BMI über 25 stempelt Gesunde als angeblich gefährdete Personen ab. Diese Fakten erklären auch, warum bislang oft Leistungssportler als adipös charakterisiert wurden.

Adipositas neu definieren

Eine internationale Expertenkommission hat in „Lancet“ vorgeschlagen, Adipositas neu zu definieren, weil der BMI nur „inadäquate Informationen“ über die individuelle Gesundheit gebe. Nun haben Forschende des Berlin Institute of Health der Charité (BIH) und der Queen Mary University in London mit dem „Obscore“ einen neuen Ansatz entwickelt. Die KI-basierte Anwendung ist eine mögliche Alternative zum BMI, um schädliches Übergewicht zu erkennen.

Kamil Demircan, wissenschaftlicher Mitarbeiter des BIH und Erstautor der Studie, stellt zusammenfassend fest, dass der BMI zwar einfach anwendbar sei aber medizinisch bedeutungslos „Es ist immer mehr wissenschaftlicher Konsens, dass sich die vielfältigen Auswirkungen von Adipositas damit nicht abbilden lassen – vor allem, wenn es darum geht, das Risiko von Folgekrankheiten abzuschätzen.“ Genau das soll jetzt mit dem „Obscore“ möglich sein.

Die Körperfettmessung ist eher aussagekräftig als die Waage und eine Formel. Die Forscher schlagen vor, Fettleibigkeit nicht durch den BMI, sondern durch eine Körperfettmessung zu ermitteln. Also durch die Messung des Taillenumfangs oder durch die Relation zwischen Taillen- und Hüftumfang, die ebenfalls Aufschluss über den Körperfettanteil gibt. Lediglich ab einem BMI von 40 könne auf solche Messungen verzichtet werden, da dann sicher von Adipositas auszugehen sei.

Statistiken und Standardisierungen sind noch keine medizinischen Lösungen. Und auch Korrelationen ohne Kausalitäten können Komplexität selten erklären. Es gibt Menschen, die trotz eines höheren BMI ein geringeres Risiko für manche Folgekrankheiten haben als Menschen mit einem geringeren. Der „Obscore“ kann dabei helfen, besonders gefährdete Personen zu erkennen – und damit diejenigen, die am dringendsten etwas gegen ihr Übergewicht oder eine weitere Gewichtszunahme tun sollten.

Gesundheitspolitik braucht eine Neuorientierung. Der traditionelle BMI ist medizinisch wertlos. Die bisher darauf aufbauenden Statistiken sind Makulatur und die Adipositas-Epidemie hat damit keine Grundlage. Evidenzbasierte Grenzwerte für den Zucker, so die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), existieren nicht. Es sollte transparent werden, dass Gesundheitspolitik viele Hausaufgaben vor sich hat. Personenwaage, Rechenformel und eine Zuckersteuer reichen jedenfalls nicht, um die Gesundheit der Menschen zu fördern. Das sollten verantwortungsvolle Mediziner den orientierungslos agierenden Politikern auf die Agenda schreiben. Tatsachen müssen die Diskussion prägen.