Sprudel spricht mehrere Sinne an – ein Gesundheitsnutzen ist daraus nicht ableitbar
Kohlensäurehaltige Getränke können durch Aussehen, Geräusch, Geruch, Geschmack und Mundgefühl besonders anregend wirken. Die frühere Überschrift, das Gehirn spreche „positiv“ auf Kohlensäure an, war jedoch missverständlich: Die beschriebenen Sinnesreize belegen weder eine besondere Wirkung auf die Gehirngesundheit noch einen gesundheitlichen Vorteil.
Was in Sprudel tatsächlich gelöst ist
Unter Druck löst sich Kohlenstoffdioxid (CO₂) im Getränk. Ein kleiner Teil reagiert mit Wasser zu Kohlensäure. Wird eine Flasche geöffnet, sinkt der Druck und CO₂ entweicht in Form von Bläschen. Im Alltag werden Getränke mit gelöstem CO₂ trotzdem meist als „kohlensäurehaltig“ bezeichnet.
Das Zischen beim Öffnen und das Prickeln im Glas liefern akustische und visuelle Reize. Beim Platzen können Bläschen außerdem winzige Tröpfchen und flüchtige Aromastoffe über die Flüssigkeitsoberfläche transportieren. Wie stark dies zum Geruchseindruck beiträgt, hängt vom Getränk, der Temperatur und der CO₂-Menge ab.
Prickeln ist nicht nur ein mechanischer Reiz
Im Mund wird Kohlenstoffdioxid sowohl über Geschmackssinneszellen als auch über freie Nervenendigungen wahrgenommen. Eine grundlegende Untersuchung zur Wahrnehmung von Karbonisierung zeigte, dass das Enzym Carboanhydrase 4 an sauer wahrnehmenden Geschmackssinneszellen eine zentrale Rolle spielt. Es fördert die Umwandlung von CO₂ und Wasser in Bicarbonat und Protonen.
Das typische Prickeln, leichte Brennen oder Taubheitsgefühl entsteht zusätzlich über das Trigeminussystem. Diese chemische Reizung erklärt, warum auch kohlensäurehaltiges Wasser ohne Zucker oder Aroma ein deutliches Mundgefühl hervorruft. Die Empfindung beruht also nicht allein darauf, dass Bläschen mechanisch auf der Zunge zerplatzen.
Ob Sprudel angenehm ist, bleibt individuell
Viele Menschen empfinden gekühlten Sprudel als erfrischend; andere vertragen stilles Wasser besser. Kohlensäure kann Aufstoßen oder ein Völlegefühl verstärken. Entscheidend für die Flüssigkeitsversorgung ist vor allem, regelmäßig ausreichend zu trinken. Stilles und kohlensäurehaltiges Wasser sind dafür grundsätzlich geeignet.
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Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / food-monitor
