Konzept von 2017: Die „Kleine Schule des Genießens“

Veröffentlichung honorarfrei bei Link zu: food-monitor.de

Einordnung: Dieser Beitrag stellt ein Konzept aus dem Jahr 2017 vor. Die Veröffentlichung erschien im „Wissenschaftlichen Pressedienst Moderne Ernährung heute“ des Lebensmittelchemischen Instituts des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie. Das Konzept ist kein Ersatz für eine psychotherapeutische oder medizinische Behandlung.

Bewusstes Genießen als Übung zur Selbstfürsorge

Der klinische Psychologe Dr. Rainer Lutz beschreibt Genuss als bewusstes Wahrnehmen angenehmer Sinneseindrücke. In der Psychologie wird dies dem euthymen Erleben und Verhalten zugeordnet – gemeint sind Aktivitäten, die subjektiv guttun und positive Erfahrungen fördern können.

Beim Genießen richtet eine Person ihre Aufmerksamkeit gezielt auf einen angenehmen Gegenstand oder Vorgang. Geruch, Geschmack, Berührung, Geräusche oder visuelle Eindrücke werden möglichst bewusst wahrgenommen. Diese Aufmerksamkeit kann eine kurze Unterbrechung des Alltags schaffen; daraus folgt jedoch kein allgemeiner klinischer Wirksamkeitsnachweis.

Die „Kleine Schule des Genießens“

Die „Kleine Schule des Genießens“ arbeitet mit Übungen, die Gedanken, Sinne, Gefühle und Handlungen einbeziehen. Das historische Konzept fasst seinen Ansatz in sieben Regeln zusammen:

  • Genuss braucht Zeit.
  • Genuss muss erlaubt sein.
  • Genießen gelingt nicht nebenbei.
  • Weniger kann mehr sein.
  • Jeder wählt, was ihm persönlich guttut.
  • Genuss entwickelt sich durch Erfahrung.
  • Genuss kann im Alltag stattfinden.

Bei Übungen konzentrieren sich Teilnehmende beispielsweise auf einen einzelnen Sinn und beschreiben Geruchs-, Geschmacks- oder Tastwahrnehmungen möglichst genau. Auch außerhalb eines angeleiteten Kurses lassen sich solche Achtsamkeitsübungen ausprobieren.

Keine pauschale Therapieaussage

Der ursprüngliche Beitrag stellte das Training auch im Zusammenhang mit Depressionen und chronischen Schmerzen dar. Ob eine solche Übung im Einzelfall hilfreich ist, hängt jedoch von Diagnose, Behandlungssituation und fachlicher Begleitung ab. Sie ersetzt weder Diagnostik noch eine notwendige Therapie. Menschen mit anhaltender psychischer Belastung oder Schmerzen sollten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Als alltagsbezogene Anregung kann bewusstes Genießen dazu beitragen, eigene Vorlieben wahrzunehmen und angenehmen Tätigkeiten Raum zu geben. Gesundheits- oder Heilversprechen lassen sich daraus nicht ableiten.

Quelle: lci-koeln.de, „Moderne Ernährung heute“ 1/2017 / food-monitor