Früchtetee kann ganz anders zusammengesetzt sein, als Sortenname und Verpackungsbilder vermuten lassen. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein aus dem Jahr 2021 untersuchte die Zutatenlisten von 76 aromatisierten losen Früchtetees, darunter 16 Bio-Produkte. Fast alle enthielten Aromen; in 21 Mischungen waren gezuckerte oder kandierte Früchte aufgeführt.

Der Marktcheck war eine Momentaufnahme
Die Ergebnisse beziehen sich auf die 2021 ausgewählten Tees und deren damalige Kennzeichnung. Sie zeigen typische Muster, sind aber kein aktueller Volltest des Marktes. Zusammensetzungen, Produktnamen und Verpackungen können sich geändert haben. Maßgeblich ist deshalb immer die Zutatenliste des konkret angebotenen Produkts.
Bei 46 der 76 Mischungen bildeten nach Angaben der Verbraucherzentrale Apfelstücke die Basis, obwohl Apfel im Produktnamen nicht vorkam. Apfel, Hibiskus oder Hagebutte dienen in Früchtetees häufig als Träger. Den beworbenen Geschmack erzeugen dann kleine Mengen der namensgebenden Frucht und/oder zugesetzte Aromen.
„Aroma“ ist nicht dasselbe wie „natürliches Himbeeraroma“
Aromen müssen im Zutatenverzeichnis angegeben werden. Die genaue Formulierung enthält wichtige Hinweise:
- „Aroma“: Der Begriff sagt nicht, dass das Aroma aus einer natürlichen Quelle oder aus der beworbenen Frucht stammt.
- „Natürliches Aroma“: Die aromatisierenden Bestandteile stammen aus pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen Ausgangsstoffen. Das Aroma muss jedoch nicht aus der Frucht stammen, nach der der Tee schmeckt.
- „Natürliches Himbeeraroma“: Wird eine Quelle ausdrücklich genannt, müssen mindestens 95 Prozent des Aromabestandteils aus dieser Quelle stammen.
- „Himbeerextrakt“: Ein Extrakt wird aus der genannten natürlichen Ausgangszutat gewonnen und enthält typischerweise ein breiteres Spektrum ihrer Aromastoffe.
Die pauschale Vorstellung, jedes Aroma werde einfach „im Labor nachgebaut“, ist daher zu grob. Herkunft und Herstellungsverfahren unterscheiden sich. Zugelassene Aromen werden rechtlich auf ihre Sicherheit bewertet; trotzdem können Verbraucher Aromen aus Transparenz- oder Geschmacksgründen vermeiden wollen.
Zucker in der trockenen Teemischung
Gezuckerte oder kandierte Früchte bringen Zucker in die Mischung. Wie viel davon in der aufgebrühten Tasse landet, lässt sich allein aus der Zutatenliste allerdings meist nicht berechnen. Früchtetee ohne Zuckerzusatz ist üblicherweise sehr energiearm. Wer zugesetzten Zucker vermeiden möchte, achtet auf Begriffe wie „Zucker“, „Glukosesirup“, „Kandis“ oder „kandiert“ und süßt den fertigen Aufguss nicht zusätzlich.
So lässt sich Früchtetee besser beurteilen
- Zutaten werden in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils aufgeführt.
- Ein hoher Anteil an Apfel oder Hibiskus ist nicht automatisch ein Mangel, sollte aber zu Produktname und Erwartung passen.
- Steht nur „natürliches Aroma“ dort, stammt es nicht zwingend aus der abgebildeten Frucht.
- Wer echten Fruchtanteil bevorzugt, achtet auf eine Prozentangabe der hervorgehobenen Frucht.
- Bei aktuellen Produkten immer die heutige Packung prüfen – nicht allein ältere Marktchecks heranziehen.
Fazit: Ein fantasievoller Name beschreibt oft vor allem die Geschmacksrichtung. Zutatenliste, Mengenangaben und die genaue Aromabezeichnung zeigen besser, woraus der Früchtetee tatsächlich besteht.
Quellen: Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Marktcheck 2021; Lebensmittelklarheit: Kennzeichnung von Aromen; BMLEH: Pflichtangaben auf Lebensmitteln.
