Kulinaria Deutschland hält zentrale Abwertungen für nicht nachvollziehbar
Einordnung: Dieser Beitrag gibt die Kritik des Branchenverbands Kulinaria Deutschland wieder. Die Bewertung der gesundheitlichen Risiken ist damit nicht unabhängig durch food-monitor bestätigt.
Kulinaria Deutschland kritisiert die Bewertungsmethodik des aktuellen Öko-Tests zu Barbecue-Saucen (Ausgabe 07/2026). Nach Darstellung des Verbands kommt eine von ihm beauftragte wissenschaftliche Überprüfung der Testmethodik zu dem Ergebnis, dass wesentliche Abwertungen – insbesondere im Hinblick auf Pflanzenschutzmittelrückstände – wissenschaftlich nicht begründet sind.
Nach Angaben von Kulinaria Deutschland hat Öko-Test in der Untersuchung von 19 Barbecue-Saucen keine Überschreitungen der gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte für Pflanzenschutzmittel festgestellt. Der Verband leitet daraus ab, dass die Produkte die gesetzlichen Vorgaben für Pflanzenschutzmittelrückstände erfüllen.
Nach Darstellung von Kulinaria Deutschland vertreten die von ihm herangezogenen Gutachter die Auffassung: Öko-Test habe jedoch die bloße Anzahl nachgewiesener Pflanzenschutzmittelrückstände als Hinweis auf ein Gesundheitsrisiko gewertet, ohne dass hierfür nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Risikobewertung eine belastbare Grundlage bestehe. Sowohl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) verfügen über etablierte Verfahren zur Bewertung kombinierter Wirkungen von Pflanzenschutzmitteln. Der Verband erklärt, bei Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte seien bislang keine Gesundheitsrisiken festgestellt worden. Diese pauschale Aussage wird hier als Verbandsposition wiedergegeben.
Nach Darstellung des Verbands stützt Öko-Test seine Bewertung zudem auf eine Studie aus Peru, die nach Einschätzung der von ihm herangezogenen Gutachter für die Bewertung von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln nicht geeignet ist. Nach dieser Darstellung untersucht die Studie modellierte Umweltbelastungen und deren Zusammenhang mit regionalen Krebsregisterdaten, nicht jedoch die Aufnahme von Pflanzenschutzmitteln über Lebensmittel. Der Verband hält eine Übertragung auf Barbecue-Saucen deshalb für wissenschaftlich nicht belastbar.
Auch die Bewertung des Schimmelpilzgifts Alternariol kritisiert der Verband: Nach Auffassung von Kulinaria Deutschland wurden bei der Expositionsabschätzung die offiziellen EFSA-Verzehrsdaten sowie die von der EFSA empfohlenen statistischen Grundsätze nicht sachgerecht berücksichtigt. Nach seiner Berechnung lagen unter Anwendung dieser Bewertungsmaßstäbe die Kulinaria Deutschland vorliegenden Analysewerte unterhalb der gesundheitlich relevanten Schwellen. Zudem bewegen sich nach Darstellung des Verbands die im Testbericht genannten Alternariol-Gehalte innerhalb der von der Europäischen Kommission veröffentlichten Orientierungswerte für verarbeitete Tomatenerzeugnisse.
„Unabhängige Produkttests leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbraucherinformation. Voraussetzung ist jedoch, dass Bewertungen auf wissenschaftlich belastbaren Methoden beruhen und den geltenden regulatorischen Rahmen berücksichtigen“, erklärt Kulinaria Deutschland.
Kulinaria Deutschland erklärt, sich für eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Kommunikation einzusetzen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen transparent informiert werden – auf Grundlage anerkannter wissenschaftlicher Bewertungsverfahren und ohne durch methodisch nicht ausreichend abgesicherte Bewertungen unbegründet verunsichert zu werden.
Kulinaria Deutschland e.V. vertritt rund 130 mittelständische Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Unsere Mitglieder erwirtschaften jährlich einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro und beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter. Damit zählt Kulinaria Deutschland zu den großen Interessenvertretungen der Branche und bündelt Erfahrung, Tradition und Kompetenz unter einem Dach.
Quellen und Grenzen der Nachprüfung
Die ausführliche Stellungnahme von Kulinaria Deutschland nennt als Grundlage zur Verzehrsabschätzung: EFSA Journal 2011;9(3):2097, „Use of the EFSA Comprehensive European Food Consumption Database in Exposure Assessment“, Kapitel 5.1. Außerdem verweist sie auf die Empfehlung (EU) 2022/553. Die Gutachter werden im gelesenen Stellungnahmetext nicht namentlich genannt; auch die angesprochene Peru-Studie ist dort nicht mit vollständigen bibliografischen Angaben ausgewiesen. Die Gutachter-Unabhängigkeit und die konkrete Risikoberechnung konnten daher nicht abschließend nachgeprüft werden.
Zum Vergleich: ÖKO-TEST zu 19 Barbecue-Saucen, Ausgabe 07/2026. ÖKO-TEST erläutert dort seine eigenen Abwertungskriterien und unterscheidet diese von gesetzlichen Grenzwerten.
Quellen und Zuordnung ergänzt am 14. September 2026.
Quelle: kulinaria.org
