Eine internationale Beobachtungsstudie mit 4.213 Erwachsenen fand in wirtschaftlich stärker entwickelten Bevölkerungen mehr Körperfett, aber keinen entsprechend niedrigeren täglichen Energieverbrauch. Die Ergebnisse sprechen für eine größere Rolle der Energiezufuhr – nicht gegen Bewegung.
Was die Forschenden gemessen haben
Untersucht wurden Erwachsene aus 34 Populationen auf sechs Kontinenten, darunter jagende und sammelnde, landwirtschaftliche und industrialisierte Gruppen. Der tägliche Energieverbrauch wurde mit der Methode des doppelt markierten Wassers gemessen; Körperzusammensetzung und Body-Mass-Index wurden ebenfalls erfasst.
Mit höherem wirtschaftlichem Entwicklungsstand stiegen Körpergewicht und Körperfett. Zugleich war der absolute Gesamt-, Grund- und Aktivitätsenergieverbrauch nicht niedriger, sondern häufig höher. Nach statistischer Anpassung erklärte ein geringerer Verbrauch nur einen kleinen Teil der Unterschiede.
Die Energiezufuhr wurde nicht direkt vollständig gemessen
Die Studie schätzte die langfristige Energiezufuhr im Wesentlichen aus Energieverbrauch und Veränderungen der Energiespeicher. Detaillierte Ernährungsdaten lagen nur für einen Teil der Populationen vor. Der oft zitierte „zehnmal größere“ Beitrag der Ernährung ist deshalb ein Modellergebnis und keine für jeden Menschen gültige Verhältniszahl.
Der Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel war in den verfügbaren Datensätzen mit höherem Körperfett verbunden. Auch dieser Zusammenhang beweist nicht, dass der Verarbeitungsgrad allein ursächlich ist; Energiegehalt, Portionsgrößen, Zusammensetzung, Preis und Essumgebung können zusammenwirken.
Was die Studie nicht zeigt
- Sie war beobachtend und kann keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung belegen.
- Sie beantwortet nicht, welche individuelle Ernährungsform zum Abnehmen am besten funktioniert.
- Sie zeigt nicht, dass Bewegung für das Körpergewicht oder die Gesundheit bedeutungslos ist.
- Sie rechtfertigt keine Schuldzuweisung an Menschen mit Adipositas.
Warum Bewegung unverzichtbar bleibt
Körperliche Aktivität unterstützt Herz, Gefäße, Muskeln, Knochen, Schlaf und psychisches Wohlbefinden. Beim Abnehmen ist der direkte Energieverbrauch oft kleiner als erwartet, für den Erhalt von Muskelmasse und Gewicht sowie die Senkung gesundheitlicher Risiken bleibt Bewegung aber wichtig.
Die gesellschaftlichen und medizinischen Zusammenhänge ordnet Übergewicht und Adipositas in Deutschland ein.
Originalstudie: Energy expenditure and obesity across the economic spectrum.
Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Heike Kreutz, Bundeszentrum für Ernährung / food-monitor
