Typ-2-Diabetes ist bei Kindern und Jugendlichen weiterhin selten, die Zahl der Erkrankungen nimmt jedoch zu. Ein früher Krankheitsbeginn bedeutet eine längere Krankheitsdauer und kann das Risiko für Folgeerkrankungen schon im jungen Erwachsenenalter erhöhen. Der Ausdruck „Abnehmspritze“ greift dabei zu kurz: Medikamente werden je nach Präparat, Zulassung und Therapieziel entweder gegen Typ-2-Diabetes oder gegen Adipositas eingesetzt.
Wie häufig sind Übergewicht und Typ-2-Diabetes?
Nach den von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zitierten Daten des Robert Koch-Instituts haben 15,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen Übergewicht – darin enthalten sind rund 6 Prozent mit Adipositas. Für 2022 geht die DDG von etwa 1.000 Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren mit Typ-2-Diabetes aus. Solche Schätzungen hängen von den zugrunde liegenden Daten und der Diagnosehäufigkeit ab.
Eine ausführlichere Einordnung bietet der Beitrag Typ-2-Diabetes bei Kindern: Zahlen, Risiken und Behandlung.
Diabetesbehandlung und Adipositastherapie sind nicht dasselbe
Bei Typ-2-Diabetes soll die Behandlung vor allem den Blutzucker kontrollieren und akute sowie langfristige Folgeerkrankungen vermeiden. Bei einer Adipositastherapie stehen Gewichtsregulation und gewichtsbedingte Begleiterkrankungen im Vordergrund. Selbst wenn zwei Präparate einen Wirkstoff aus derselben Arzneimittelgruppe enthalten, können sich Handelsname, Dosis, Altersgrenze und zugelassener Anwendungsbereich unterscheiden. Die Mittel sind daher nicht beliebig austauschbar.
Grundlage der Behandlung sind eine familienorientierte Ernährungs- und Bewegungstherapie, ausreichend Schlaf sowie psychosoziale Unterstützung. Schuldzuweisungen helfen nicht. Da Typ-2-Diabetes im Jugendalter rasch fortschreiten kann, dürfen notwendige Medikamente aber auch nicht unnötig hinausgezögert werden.
Welche Medikamente sind für junge Menschen zugelassen?
Die Therapiemöglichkeiten sind breiter geworden, als es die ursprüngliche Pressemitteilung aus dem Jahr 2025 darstellte. Neben Metformin und Insulin stehen für bestimmte Altersgruppen weitere Wirkstoffe zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise der GLP-1-Rezeptoragonist Dulaglutid ab zehn Jahren und der SGLT2-Hemmer Empagliflozin ab zehn Jahren. Welches Mittel geeignet ist, hängt unter anderem von Blutzuckerwerten, Begleiterkrankungen, Gegenanzeigen und der bisherigen Therapie ab.
Für die Gewichtsbehandlung gelten andere Voraussetzungen. Semaglutid als Wegovy ist in der EU für Jugendliche ab zwölf Jahren mit Adipositas und einem Körpergewicht über 60 Kilogramm zugelassen. Liraglutid als Saxenda kann unter genau definierten Bedingungen auch bei Kindern ab sechs Jahren mit Adipositas eingesetzt werden. Maßgeblich sind die jeweiligen Alters-, Gewichts- und BMI-Kriterien. Die Behandlung gehört in die Hände eines auf pädiatrische Adipositas spezialisierten Arztes.
Die aktuelle fachliche Einordnung der medikamentösen Adipositastherapie bietet Adipositas bei Kindern: Was die neue Leitlinienfassung zu Medikamenten sagt.
Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen
GLP-1-Rezeptoragonisten können den Blutzucker und – je nach Präparat und Indikation – auch das Gewicht senken. Häufig sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung. Bei starkem Erbrechen drohen Flüssigkeitsmangel und eine unzureichende Nährstoffversorgung. Auch seltenere Risiken und Warnzeichen müssen vor Beginn besprochen werden. Wachstum, Entwicklung, Körperzusammensetzung und Versorgung mit Nährstoffen gehören in die Verlaufskontrolle.
Die Erfahrungen bei Kindern und Jugendlichen sind kürzer als bei Erwachsenen. Ob und wie lange eine Behandlung fortgeführt wird, muss deshalb regelmäßig überprüft werden. Nach dem Absetzen kann das Gewicht wieder steigen. Ein Einsatz aus kosmetischen Gründen, die Weitergabe fremder Pens oder der Kauf über zweifelhafte Internetquellen ist nicht vertretbar.
Prävention bleibt eine gesellschaftliche Aufgabe
Die DDG und die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten fordern unter anderem Einschränkungen für an Kinder gerichtete Werbung, verbindliche Qualitätsstandards für die Schulverpflegung, mehr Bewegung im Alltag und eine Abgabe auf stark zuckergesüßte Getränke. Solche Maßnahmen ersetzen keine individuelle Behandlung. Sie sollen vielmehr Bedingungen schaffen, die gesundheitsförderliche Entscheidungen erleichtern.
Wie politische Maßnahmen und wissenschaftliche Evidenz voneinander zu unterscheiden sind, erläutert der Beitrag Adipositas-Prävention in Deutschland: Forderungen und Evidenz.
Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) / food-monitor / KI
