Ein internationales Expertenteam empfiehlt ein systematisches Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes, um die Erkrankung früher zu erkennen und schwere Stoffwechselentgleisungen zu verhindern.
Die Empfehlungen wurden in der Fachzeitschrift Diabetologia veröffentlicht. Sie beschreiben, in welchem Alter Kinder untersucht werden sollten, welche Testfolge sinnvoll ist und wie Familien nach einem positiven Befund begleitet werden können.
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem greift dabei die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse an. Im Blut nachweisbare Inselautoantikörper können diesen Prozess bereits anzeigen, bevor typische Beschwerden auftreten.
Eine frühe Diagnose ermöglicht nach Einschätzung der Fachleute eine engmaschige Beobachtung und eine rechtzeitige Behandlung. Dadurch sinkt das Risiko einer diabetischen Ketoazidose, einer potenziell lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung, die besonders bei bislang nicht erkanntem Typ-1-Diabetes auftreten kann.
Die Mehrheit hat keine familiäre Vorbelastung
Mehr als 85 Prozent der betroffenen Kinder haben nach Angaben des Forschungsteams keine familiäre Vorbelastung. Eine Untersuchung nur von Risikofamilien würde deshalb einen großen Teil der später Erkrankten nicht erfassen. Empfohlen wird ein bevölkerungsweites Screening zunächst im Alter von zwei bis vier Jahren sowie weitere Untersuchungen im Alter von sechs bis acht und von zehn bis 15 Jahren.
Das vorgeschlagene Stufenmodell kombiniert empfindliche Suchtests mit spezifischeren Bestätigungstests. Ein positiver Befund soll durch eine zweite Blutprobe abgesichert werden. Die konkrete Umsetzung müsse an das jeweilige Gesundheitssystem angepasst werden.
Prof. Anette-Gabriele Ziegler von Helmholtz Munich betont, dass sich durch dieses Vorgehen möglichst viele betroffene Kinder erkennen und zugleich falsch-positive Ergebnisse begrenzen ließen.
Eine andere Form der frühen Risikoeinschätzung behandelt der Beitrag Prädiabetes erkennen und Typ-2-Diabetes frühzeitig gegensteuern. Er betrifft die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes und ist vom hier beschriebenen Inselautoantikörper-Screening auf Typ-1-Diabetes bei Kindern zu unterscheiden.
Kommunikation und Unterstützung sind entscheidend
Ein positives Screening-Ergebnis soll den Familien persönlich und verständlich erklärt werden. Die Empfehlungen sehen zudem medizinische und psychosoziale Unterstützung sowie eine strukturierte Nachsorge vor. Zwanzig internationale Organisationen unterstützen das Positionspapier.
Die zugrunde liegende Publikation von Ziegler und weiteren Autorinnen und Autoren erschien 2026 in Diabetologia (DOI: 10.1007/s00125-026-06841-z).
Quelle: helmholtz-munich.de
