Große Grillkohle-Analyse: Markt wird besser, aber noch immer glimmt Tropenholz auf deutschen Bratrosten.

Während die Grillsaison in ihre letzten Wochen geht, ziehen der WWF Deutschland, das Thünen-Institut und die Earthworm Foundation Bilanz und legen die bislang größte Grillkohle-Marktanalyse für Deutschland vor. 57 Produkte – von klassischer Holzkohle über Briketts bis zu Alternativen aus Kokosnussschalen – wurden auf ihre Holzart untersucht. Gekauft wurden sie in Supermärkten, Discountern, Baumärkten, Getränkemärkten und an Tankstellen.
Anschließend wurden sie im Labor auf die enthaltenen Holzarten untersucht und mit den Angaben auf der Verpackung abgeglichen. Das zentrale Ergebnis: Der Markt hat sich spürbar bewegt. Erstmals ist der Anteil verdächtiger Produkte aus womöglich illegalem Holzeinschlag am deutschen Markt rückläufig.
„Zum ersten Mal sehen wir eine Trendwende am Markt“, sagt Johannes Zahnen, Senior Advisor Forest Policy beim WWF Deutschland. „Der Druck der vergangenen Jahre zeigt Wirkung: Viele Händler haben ihr Sortiment aufgeräumt, fragwürdige Ware verschwindet zunehmend aus den Regalen. Gelöst ist das Problem damit aber nicht. Noch immer landet Holz aus mutmaßlichem Raubbau im deutschen Einkaufswagen, teilweise sogar mit Öko-Siegel.“
Die Ergebnisse im Überblick
- 32 der 57 Produkte (56 Prozent) enthielten tropische oder subtropische Holzarten. Bei neun Produkten (16 Prozent) gab es Unstimmigkeiten bei den deklarierten Holzarten oder nicht eindeutige Angaben zu den deklarierten Holzherkünften.
- Nur etwa die Hälfte der Produkte informierte die Verbraucherinnen und Verbraucher angemessen: 25 Produkte (44 Prozent) deklarierten die Holzarten gut, 35 Produkte (61 Prozent) machten nachvollziehbare Angaben zur Holzherkunft.
- 42 Produkte (74 Prozent) trugen ein freiwilliges Siegel von FSC, PEFC oder Naturland. Doch auch hier gab es Schwächen: Elf zertifizierte Produkte machten keine oder keine nachvollziehbaren Herkunftsangaben, zehn hatten unzureichende oder falsche Angaben zu den Holzarten.
- Fünf FSC-zertifizierte Produkte enthielten subtropische oder tropische Hölzer bei gleichzeitigen Abweichungen von der FSC-Datenbank oder Zweifeln an der deklarierten Herkunft.
Neben wiederkehrenden Marktanalysen schreibt der WWF auch der anstehenden EU-Waldschutzverordnung (EUDR) eine Rolle in der positiven Entwicklung zu. Grillkohle war in der Vergangenheit gesetzlich praktisch ungeregelt. Das ändert sich mit der EU-Waldschutzverordnung, die nach zweimaliger Verschiebung Ende 2026 in Kraft treten soll und erstmals auch Grillkohle erfasst.
Wer Grillkohle in der EU auf den Markt bringt, muss dann Holzart und Herkunft kennen und nachweisen, dass die Ware nicht von Flächen stammt, auf denen Wälder umgewandelt, illegal geschlagen oder geschädigt wurden. Einige der in der Analyse gefundenen Falschangaben wären nach Einschätzung des WWF ein Verstoß gegen die EUDR gewesen, wenn sie nicht erneut verschoben worden wäre.
Wie ein freiwilliges Waldschutzinstrument in einer anderen Rohstoff-Lieferkette unter Druck gerät, erläutert die Studie zum Ende des Amazonas-Soja-Moratoriums. Dort geht es um den Ankauf von Soja und mögliche Rodungsfolgen; der vorliegende Check untersucht dagegen Holzarten und Herkunftsangaben bei Grillkohle.
Empfehlungen für Verbraucher
Der WWF empfiehlt, zu Produkten zu greifen, auf deren Verpackung Holzarten und Holzherkunftsländer konkret deklariert sind. Glaubwürdige Siegel wie FSC oder Naturland können zusätzliche Sicherheit bieten. Alternativen wie Briketts aus Kokosnussschalen kommen ganz ohne gefällte Bäume aus. Wer klima- und umweltfreundlicher grillen will, sollte zudem auf Elektro- oder Gasgrills ausweichen.
Dass auch glaubwürdige Siegel keine absolute Sicherheit geben, zeigt ein Produkt, das in der aktuellen Marktanalyse besonders negativ aufgefallen ist: die „Best of BBQ Holzkohle-Briketts“, verkauft bei Netto Marken-Discount und produziert von der IB Holzkohle Vertriebsgesellschaft mbH. Das Produkt trägt das FSC-100%-Siegel und das WWF-Logo; deklariert sind Akazien-Arten aus Namibia.
Die Laboranalyse ergab jedoch nach Angaben des WWF: Von 30 untersuchten Brikett-Stücken bestanden 18 aus Quebracho-Holz aus Südamerika – wahrscheinlich aus dem Gran Chaco. Auch die „Echten Grillbriketts“, verkauft an Aral-Tankstellen, enthielten Quebracho-Holz. Auf deren Verpackung fehlten Angaben zu Holzart und Herkunft.
Der WWF kündigte rechtliche Schritte gegen den Produzenten gemeinsam mit dem Verband sozialer Wettbewerb e. V. an. Der FSC will mögliche Verstöße gegen seine Regularien prüfen. Netto erklärte in einer ersten Stellungnahme, zu dem Produzenten bestehe seit 2025 keine Lieferantenbeziehung mehr; es handele sich um ein älteres Produkt, das nur noch vereinzelt im Handel erhältlich gewesen sei.
Für die Speisenzubereitung auf dem Rost ergänzt der Beitrag Fisch im Sommer: Tipps zum Grillen und zur Kühlkette den Brennstoff-Check. Er behandelt Fischarten und Grillmethoden sowie Transport und Lagerung des Grillguts.
Hinweis zum Projekt
Die Grillkohle-Marktanalyse für Deutschland wurde von WWF Deutschland, Thünen-Institut und Earthworm Foundation durchgeführt. Sie wird über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. im Förderprogramm „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“ durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert.
Redaktionell mit Unterstützung von KI aktualisiert: food-monitor, 6. September 2026
Quelle: wwf.de
