Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) schlägt eine „Reduce–Remix–Replace“-Strategie für tierische Lebensmittel vor. Das 2025 veröffentlichte Gutachten ist eine wissenschaftliche Empfehlung – keine gesetzliche Vorgabe und keine bereits beschlossene Regierungsstrategie.
Was bedeutet Reduce, Remix, Replace?
- Reduce: kleinere Mengen tierischer Lebensmittel verwenden, etwa durch geringere Portionsgrößen.
- Remix: tierische und pflanzliche Bestandteile in einem Produkt oder Gericht kombinieren.
- Replace: tierische Lebensmittel vollständig durch pflanzliche, fermentierte oder biotechnologisch hergestellte Alternativen ersetzen.
Der Ansatz soll unterschiedliche Ernährungsstile berücksichtigen. Er verlangt kein einheitliches Alles-oder-nichts-Modell, sondern beschreibt verschiedene Wege, den Konsum tierischer Produkte zu verändern.
Warum der WBAE Veränderungen empfiehlt
Tierhaltung und der Konsum tierischer Lebensmittel beeinflussen Treibhausgasemissionen, Flächenbedarf, Biodiversität und weitere Umweltwirkungen. Wie groß der Effekt ist, hängt unter anderem von Tierart, Produktionsweise und Fütterung ab. Für die Gesundheit ist vor allem relevant, viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse zu essen und insbesondere verarbeitetes Fleisch zu begrenzen.
Pflanzliche Grundnahrungsmittel wie Bohnen, Linsen, Erbsen und Tofu können tierische Produkte direkt ersetzen. Vertiefende Beiträge bündelt die Hub-Seite „Hülsenfrüchte bilden die Basis der Ernährungswende“.
Alternativprodukt ist nicht automatisch gesund
Fleisch-, Milch- oder Käsealternativen unterscheiden sich stark. Manche liefern viel Protein und sind mit wichtigen Nährstoffen angereichert. Andere enthalten wenig Protein, viel Salz oder ungünstige Mengen gesättigter Fettsäuren. Entscheidend sind daher nicht allein die Begriffe „vegan“ oder „pflanzlich“, sondern Zutatenliste, Nährwerttabelle, Portionsgröße und Verwendungszweck.
Bei einem dauerhaften vollständigen Ersatz tierischer Lebensmittel müssen kritische Nährstoffe gezielt berücksichtigt werden. Dazu zählen je nach Ernährungsweise insbesondere Vitamin B12, Jod, Kalzium, Eisen, Zink, Vitamin D und langkettige Omega-3-Fettsäuren. Pflanzendrinks sollten beispielsweise nur dann als relevante Kalziumquelle gelten, wenn sie entsprechend angereichert sind.
Umweltwirkung hängt vom Produkt ab
Viele pflanzliche Alternativen verursachen im Vergleich zum entsprechenden tierischen Produkt geringere Treibhausgasemissionen und benötigen weniger Fläche. Das ist jedoch keine pauschale Eigenschaft jedes Produkts. Rohstoffe, Verarbeitung, Energieeinsatz, Verpackung, Transport und Lebensmittelverluste beeinflussen die Bilanz.
Wie eine vergleichende Darstellung pro Portion zu lesen ist, erklärt „Ökobilanz von Lebensmitteln: SGE-Grafik richtig lesen“.
Der WBAE betrachtet deshalb nicht nur einzelne Produkte. Er empfiehlt auch bessere Verbraucherinformationen, Forschung, faire Wettbewerbsbedingungen und eine Ernährungsumgebung, in der nachhaltigere Optionen leicht verfügbar und attraktiv sind. Zugleich weist er auf Nutzungskonflikte und die Bedeutung ökologisch wertvollen Grünlands hin.
Was sich praktisch ableiten lässt
Für den Alltag ist die 3-R-Strategie vor allem ein flexibles Planungsmodell: Fleischportionen können kleiner werden, Gerichte lassen sich mit Hülsenfrüchten „remixen“ oder vollständig pflanzlich zubereiten. Stark beworbene Ersatzprodukte sind dafür eine Möglichkeit, aber nicht zwingend erforderlich.
Originalgutachten: WBAE (2025): More choice on the common table.
Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / food-monitor / KI
