Das Verbundprojekt „Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget“ entwickelt bis Mai 2027 kostenlose Workshops, Materialien und Schulungen. Es kann praktische Handlungsmöglichkeiten erweitern, aber unzureichendes Einkommen und fehlende Infrastruktur nicht ersetzen.
Am Projekt beteiligen sich die Verbraucherzentralen der Bundesländer und die Europa-Universität Flensburg. Gefördert wird es im Rahmen von IN FORM durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Die Angebote richten sich an Menschen mit geringem Budget sowie an haupt- und ehrenamtliche Fachkräfte, die sie im Alltag beraten.
Was Ernährungsarmut bedeutet
Materielle Ernährungsarmut liegt vor, wenn Geld oder Zugang für eine bedarfsgerechte Ernährung fehlen. Qualitativ kann die Versorgung zu einseitig oder nährstoffarm sein; quantitativ können Mahlzeiten oder ausreichende Mengen fehlen. Übergewicht schließt eine unzureichende Nährstoffversorgung nicht aus.
Zur sozialen Dimension gehört, dass Menschen aus Kostengründen nicht an gemeinsamen Mahlzeiten, Einladungen oder anderen Aktivitäten teilnehmen. Hohe Wohn-, Energie- und Mobilitätskosten können das Lebensmittelbudget zusätzlich einschränken.
Welche Angebote das Projekt entwickelt
- kostenlose Informationsveranstaltungen und Mitmach-Aktionen,
- Einkaufstrainings und Kochkurse,
- einfache Materialien in verschiedenen Formaten,
- Schulungen für Sozialarbeit, Pädagogik, Familienzentren, Tafeln und andere Einrichtungen,
- Marktchecks zu Preisen, Kennzeichnung und Einkaufsentscheidungen.
Die Angebote sollen unter anderem helfen, Preise realistisch zu vergleichen, Lebensmittel sicher zu lagern, Mahlzeiten zu planen und günstige nährstoffreiche Grundzutaten zu nutzen. Sprachbarrieren, Behinderungen, fehlende Küchenausstattung und sehr knappe Zeitbudgets müssen bei den Formaten berücksichtigt werden.
Ernährungskompetenz ist nur ein Teil der Lösung
Wissen kann finanzielle Grenzen nicht aufheben. Wer nach Miete und Energie zu wenig Geld für Lebensmittel hat, braucht vor allem eine ausreichende soziale Absicherung. Beratung darf Ernährungsarmut deshalb nicht als individuelles Fehlverhalten darstellen. Sinnvolle Bildungsangebote arbeiten armutssensibel, respektieren vorhandenes Erfahrungswissen und verweisen bei Bedarf auf soziale Beratung.
13 Handlungsempfehlungen gegen Ernährungsarmut: Das niedersächsische Fokusheft verbindet Schulverpflegung, Grundsicherung, soziale Teilhabe und Hilfsangebote.
Erfolg muss überprüfbar sein
Bis zum Projektende im Mai 2027 sollte nicht nur die Zahl der Workshops dokumentiert werden. Entscheidend ist, ob die Zielgruppen erreicht werden, Materialien verständlich und praktisch nutzbar sind und Fachkräfte ihre Beratung armutssensibler gestalten. Aussagen über eine verbesserte Ernährung benötigen geeignete Evaluationen.
Aktuelle Workshops, Materialien und regionale Ansprechpersonen bündelt die Projektseite der Verbraucherzentralen.
Quelle: Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein / food-monitor
Aktualisiert am 14. August 2026
