Darm-Hirn-Achse: DIfE untersucht Magenrhythmen und Gehirn

Veröffentlichung honorarfrei bei Link zu: food-monitor.de

Eine neue Nachwuchsgruppe am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke untersucht, wie Signale aus Magen und Darm mit Gehirnaktivität, Appetit und psychischen Symptomen zusammenhängen.

Ignacio Rebollo, Leiter der DIfE-Nachwuchsgruppe Darm-Gehirn-Interaktionen
Dr. Ignacio Rebollo leitet seit Januar 2026 die Nachwuchsgruppe „Darm-Gehirn-Interaktionen“ am DIfE. (Foto: David Ausserhofer/DIfE)

Die Gruppe unter Leitung von Dr. Ignacio Rebollo nahm am 1. Januar 2026 ihre Arbeit auf. Ein ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats fördert das fünfjährige Projekt mit 1,5 Millionen Euro. Untersucht werden sowohl gesunde Personen als auch Menschen mit Depression.

Welche Signale zwischen Verdauungssystem und Gehirn fließen

Die Darm-Hirn-Achse umfasst mehrere Kommunikationswege. Dazu gehören Nervenverbindungen wie der Vagusnerv, Hormone, Immunbotenstoffe und Stoffwechselprodukte. Rebollo und sein Team konzentrieren sich besonders auf Magenrhythmen und Hormone wie Ghrelin, Insulin und GLP-1.

Diese Signale können mit Hunger, Sättigung, Aufmerksamkeit und emotionalem Erleben zusammenhängen. Die Kommunikation verläuft in beide Richtungen: Nicht nur Verdauungsorgane beeinflussen das Gehirn, auch Stress, Stimmung und Erwartungen können Magen-Darm-Funktionen verändern.

Wie das Projekt messen will

Die Forschenden kombinieren mehrere Methoden:

  • Elektrogastrographie erfasst elektrische Rhythmen des Magens über Elektroden auf der Haut.
  • Blutproben geben Aufschluss über Darm- und Stoffwechselhormone.
  • Elektroenzephalographie misst elektrische Gehirnaktivität.
  • Funktionelle Magnetresonanztomographie bildet Veränderungen der Gehirnaktivität und Vernetzung ab.

Die Kombination soll zeigen, ob und wie sich körperliche Signale zeitlich mit Gehirnzuständen, Aufmerksamkeit, Appetit oder psychischen Symptomen verändern. Geplant sind auch experimentelle Eingriffe, mit denen bestimmte Darm- oder Gehirnzustände gezielt beeinflusst werden.

Was eine Studie von 2025 gezeigt hat

Eine in Nature Mental Health veröffentlichte Studie mit 243 Teilnehmenden fand einen statistischen Zusammenhang zwischen einer stärkeren Kopplung bestimmter Hirnregionen an den Magenrhythmus und einer ungünstigeren gemeinsamen Dimension aus Angst, Depression, Stress und Wohlbefinden. Das Ergebnis wurde mit einem kreuzvalidierten maschinellen Lernverfahren ermittelt.

Die Studie zeigt eine Assoziation, keine Ursache. Aus der gemessenen Kopplung lässt sich derzeit weder eine psychische Erkrankung diagnostizieren noch eine Behandlung ableiten. Ob die Magen-Hirn-Kopplung Symptome mitverursacht, eine Folge anderer Prozesse ist oder beides, muss weitere Forschung klären.

Keine fertige Ernährungstherapie gegen Depression

Das Forschungsprogramm könnte langfristig Ansatzpunkte für Ernährung, hormonelle Therapien oder nicht invasive Stimulation liefern. Solche Anwendungen sind jedoch Forschungsziele und keine bereits belegten Behandlungsmethoden. Menschen mit Depression sollten eine empfohlene psychotherapeutische oder ärztliche Behandlung nicht durch Darmkuren, Nahrungsergänzungsmittel oder spezielle Diäten ersetzen.

Wie Gefühle Essverhalten beeinflussen können, ohne einfache Ursache-Wirkungs-Erklärungen zu behaupten, beschreibt Wie Gefühle und Ernährung zusammenhängen.

Fachpublikation: Stomach–brain coupling indexes a dimensional signature of mental health.

Aktualisiert am 14. August 2026

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke / food-monitor