True Cost Accounting: Was Lebensmittel wirklich kosten

Was der Ladenpreis nicht zeigt.

Der Preis im Supermarkt sagt wenig über langfristige Folgen für Böden, Gewässer, Klima, Tierwohl und Gesundheit aus. True Cost Accounting will diese sogenannten wahren Kosten systematisch erfassen.

Die Forschung hat dafür in den vergangenen Jahren neue Methoden und interaktive Werkzeuge entwickelt. Sie sollen helfen, Auswirkungen der Lebensmittelproduktion besser zu beziffern und Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gemeinschaftsverpflegung nachvollziehbarer zu machen.

SAFAD vergleicht Lebensmittel und Ernährungsweisen

Der Rechner SAFAD steht für „Sustainability Assessment of Foods and Diets“. Er bildet den ökologischen Fußabdruck von Lebensmitteln, Getränken, Gerichten und nationalen Verzehrsmustern anhand mehrerer Umweltindikatoren sowie Kennzahlen zu Tierwohl und Antibiotikaeinsatz ab.

Beispielvergleiche zeigen häufig höhere gesellschaftliche und ökologische Folgekosten tierischer Lebensmittel. Die Resultate hängen jedoch von Datenbasis, Systemgrenzen und Annahmen ab. Einzelne Produkte können deshalb überraschen: Verarbeitung, Landnutzung und Auswirkungen auf die Biodiversität beeinflussen das Ergebnis wesentlich.

Einheitliche Daten fehlen noch

Nach Angaben des Thinktanks TMG existieren inzwischen zahlreiche Methoden zur Analyse wahrer Kosten im Ernährungsbereich. Eine Roadmap für Deutschland empfiehlt unter anderem eine öffentlich zugängliche Datenbank, einheitliche Verfahren und eine dauerhaft gesicherte Datenqualität.

Unternehmen und Einrichtungen beginnen bereits, ihre Angebote mit solchen Ansätzen zu optimieren. Studien zu Schulmensen zeigen, dass regionale Getreidearten oder Hülsenfrüchte gesunde Mahlzeiten ermöglichen und zugleich externe Kosten reduzieren können. Einen größeren Zusammenhang beschreibt auch das SARAS-Konzept für nachhaltige und krisenfeste Ernährungssysteme.

Wie tatsächliche Kaufpreise und Inflationssorgen nachhaltige Einkaufsentscheidungen beeinflussen, untersucht die Studie Stark steigende Preise und ihre Wirkung auf nachhaltigen Konsum. Sie betrachtet das Kaufverhalten; True Cost Accounting erfasst dagegen die gesellschaftlichen und ökologischen Folgekosten.

Wie solche Folgekosten in die politische Debatte einfließen, zeigt die AöL-Position zu Böden, Klima und „wahren Preisen“. Der Beitrag gibt Verbandsforderungen wieder und ergänzt sie um wissenschaftliche Einordnung; das ist von einer methodischen Berechnung der Kosten einzelner Produkte zu unterscheiden.

Verbraucher wünschen mehr Transparenz

In einer Befragung der Verbraucherzentrale von 2025 wünschten sich 66 Prozent der Befragten mehr Transparenz über Klima- und Folgekosten. Bis sich die unterschiedlichen Ansätze in allgemein verständliche und belastbare Verbraucherinformationen übersetzen lassen, sind weitere methodische Fortschritte und eine bessere Datengrundlage nötig.

Autorin: Dr. Gesa Maschkowski, BZfE

Quelle: bzfe.de