Neue Jod-Referenzwerte: Warum 150 µg nicht weniger Bedarf bedeuten

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Seit 2025 empfiehlt die DGE Erwachsenen 150 Mikrogramm Jod pro Tag. Der niedrigere Zahlenwert bedeutet nicht, dass Jod weniger wichtig geworden ist – geändert wurde vor allem die wissenschaftliche Ableitung.

Was sich für Erwachsene geändert hat

Für Erwachsene unter 51 Jahren galten zuvor 200 Mikrogramm Jod pro Tag, ab 51 Jahren 180 Mikrogramm. Diese älteren Werte enthielten einen Zuschlag, der die damals unzureichende Jodversorgung in Deutschland und Österreich ausgleichen sollte.

Die 2025 von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung veröffentlichten Werte orientieren sich wie international üblich am experimentell ermittelten durchschnittlichen Bedarf gesunder Menschen. Daraus wurde eine empfohlene Zufuhr von 150 Mikrogramm pro Tag ab 13 Jahren abgeleitet. Der Körper braucht also nicht plötzlich weniger Jod; der frühere populationsbezogene Zuschlag entfällt.

Die aktuellen Werte im Überblick

  • Säuglinge bis unter zwölf Monate: 80 Mikrogramm pro Tag
  • Kinder von einem bis unter sieben Jahren: 90 Mikrogramm pro Tag
  • Kinder von sieben bis unter 13 Jahren: 120 Mikrogramm pro Tag
  • Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene: 150 Mikrogramm pro Tag
  • Schwangere: 220 Mikrogramm pro Tag
  • Stillende: 230 Mikrogramm pro Tag

Für Säuglinge stieg der Wert von 40 auf 80 Mikrogramm. Die Neubewertung berücksichtigt neben dem Jodgehalt der Muttermilch auch neuere Bilanzstudien.

Referenzwert ist keine tägliche Mindestmenge

Der Wert ist eine Zielgröße für die durchschnittliche Zufuhr gesunder Menschen. Er muss nicht an jedem einzelnen Tag exakt erreicht werden. Er eignet sich auch nicht, um bei einer Person einen Jodmangel zu diagnostizieren. Erkrankungen, bereits bestehender Mangel oder besondere medizinische Situationen erfordern eine individuelle Beurteilung.

Dass der Referenzwert sinkt, löst das Versorgungsproblem nicht. Nach den von der DGE zitierten RKI-Daten weisen 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr auf.

Jodquellen sinnvoll kombinieren

Wichtige Quellen sind jodiertes Speisesalz und damit hergestellte Lebensmittel, Seefisch und andere marine Lebensmittel sowie Milch, Milchprodukte und Eier, wenn Jod über die Tierfütterung in diese Lebensmittel gelangt. Pflanzliche Alternativen tragen nur bei, wenn sie ausdrücklich mit Jod angereichert sind.

Jodsalz soll normales Salz in den ohnehin verwendeten Mengen ersetzen – nicht zu einem höheren Salzkonsum führen. Bei Algen schwanken die Jodgehalte stark; besonders manche Braunalgen können schon in kleinen Portionen sehr hohe Mengen liefern. Produkte ohne klaren Jodgehalt und Verzehrhinweis sind keine verlässliche Dosierhilfe.

Welche Fischarten tatsächlich viel Jod liefern und warum Lachs oder Hering nicht automatisch an der Spitze stehen, erklärt „Jodversorgung: Welche Rolle Fisch wirklich spielt“.

Schwangerschaft und Stillzeit

Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz empfiehlt die DGE Schwangeren und Stillenden ein Supplement mit 100 Mikrogramm, je nach fachlicher Empfehlung bis 150 Mikrogramm Jod pro Tag. Bei Schilddrüsenerkrankungen muss die Einnahme vorher ärztlich abgestimmt werden. Hoch dosierte Präparate sind nicht zur vorsorglichen Selbstmedikation geeignet.

Fachliche Grundlagen: DGE-Referenzwerte für Jod und DGE-FAQ zur Ableitung und Versorgung.

Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / food-monitor / KI