Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid können bei dafür geeigneten Menschen mit Adipositas eine deutliche Gewichtsabnahme unterstützen. Sie sind jedoch keine kurzfristige „Kur“. Adipositas ist eine chronische Erkrankung, und die langfristige Therapie muss individuell geplant werden.
Warum der BMI allein das Risiko für Typ-2-Diabetes nicht erklärt, zeigt „Typ-2-Diabetes: Warum Fettverteilung und Lebensphasen zählen“.
Was nach der Gewichtsabnahme passiert
Inkretinbasierte Medikamente senken häufig den Appetit und verändern die Magenentleerung. Dadurch nehmen viele Behandelte weniger Energie auf. Nach dem Absetzen steigt der Appetit oft wieder; in Studien nahmen Teilnehmende einen erheblichen Teil des verlorenen Gewichts erneut zu. Das ist kein Beweis für mangelnde Disziplin, sondern entspricht der biologischen Gegenregulation des Körpers.
Ob ein Medikament weitergeführt, gewechselt oder beendet wird, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit der betroffenen Person. Das Erreichen eines Wunschgewichts ist kein automatischer Grund zum Absetzen. Medikamente dürfen nicht eigenständig verändert werden.
Ernährung während der Behandlung
Wenn der Appetit stark sinkt, können neben Energie auch Protein, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe zu kurz kommen. Hilfreich sind kleine, nährstoffdichte Mahlzeiten mit Gemüse oder Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten und geeigneten Proteinquellen. Ausreichendes Trinken ist besonders bei Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung wichtig.
Eine pauschal sehr hohe Proteinzufuhr ist nicht für alle geeignet. Bei Nierenkrankheiten oder anderen Erkrankungen muss die Menge individuell abgestimmt werden. Nahrungsergänzungsmittel sind ohne festgestellten Bedarf kein Ersatz für eine passende Ernährung.
Muskelmasse und Leistungsfähigkeit erhalten
Bei jeder größeren Gewichtsabnahme geht neben Fettmasse meist auch fettfreie Masse verloren. Wie relevant das im Einzelfall ist, hängt unter anderem von Alter, Ausgangsgewicht, Ernährung, Aktivität und Erkrankungen ab. Ausreichende Protein- und Energiezufuhr sowie angepasstes Krafttraining können helfen, Muskelkraft und Funktion zu erhalten.
Ein starres Trainingsprogramm passt nicht zu allen. Bei Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, starker Einschränkung oder sehr geringer Belastbarkeit sollte Bewegung fachlich begleitet werden.
Nebenwirkungen ernst nehmen
Häufig sind Übelkeit, Völlegefühl, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung. Kleine Portionen, langsames Essen und sehr fettreiche Mahlzeiten zu meiden kann manchen Menschen helfen. Anhaltendes Erbrechen, starke Bauchschmerzen, Zeichen der Austrocknung oder eine deutliche Verschlechterung gehören rasch medizinisch abgeklärt.
Auch andere Medikamente können angepasst werden müssen. Bei Diabetes kann sich beispielsweise das Risiko für Unterzuckerungen verändern, besonders wenn zusätzlich Insulin oder Sulfonylharnstoffe eingesetzt werden.
Langfristige Stabilisierung statt Schuldzuweisung
Gewicht wird von biologischen, psychischen, sozialen und umweltbezogenen Faktoren beeinflusst. Eine strukturierte Ernährungs-, Bewegungs- und gegebenenfalls psychologische Begleitung kann helfen, den Alltag an die Therapie anzupassen und Warnzeichen früh zu erkennen. Sie garantiert aber weder einen bestimmten Gewichtsverlust noch verhindert sie jede erneute Zunahme. Warum persönliche Schuldzuweisungen fachlich zu kurz greifen, erklärt „Sind Menschen mit Übergewicht selbst schuld?“.
Fachliche Grundlage: Joint Advisory: Nutritional priorities to support GLP-1 therapy for obesity (2025).
Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: dgem.de
